Die Königstraße 44 bleibt Baustelle: Nach der Insolvenz des geplanten Mieters ist eine Wiedereröffnung nicht absehbar. Auch beim Café Planie steigen die Kosten – dies sorgt für Kritik.
Die Hoffnung auf eine baldige Wiedereröffnung der Verkaufsflächen in der Königstraße 44 hat einen herben Rückschlag erlitten. Wie das Finanzministerium auf eine Kleine Anfrage des FDP-Landtagsabgeordneten Friedrich Haag mitteilt, sei es nach dem Insolvenzantrag, den der bisherige Mietinteressent, das Herrenmodeunternehmen Felix W, gestellt hat, völlig offen, wann eines der prominentesten Gebäude in Stuttgarts Einkaufsmeile wieder genutzt werden kann.
„Der Zeitpunkt der Wiedereröffnung ist derzeit nicht absehbar“, heißt es in der Antwort von Finanzstaatssekretärin Gisela Splett. Neu ist es für Stuttgart nicht, dass Zeitpläne nicht eingehalten werden können. Komplizierte Sanierungsarbeiten, Verzögerungen und Leerstand an zentralen Landesliegenschaften in der Innenstadt sorgen immer wieder für Kritik.
Sanierung der Landesimmobilien sind komplexer als geplant
Auch baulich sind die früherer Räume des vor drei Jahren für immer geschlossene Wäsche-Unternehmens Maute-Benger Äume an der Königstraße 44 weiterhin eine Baustelle.
Die ursprünglich vorgesehenen Betoninstandsetzungen und Brandschutzsanierungen konnten bisher nicht abgeschlossen werden. Während der laufenden Arbeiten sei zusätzlicher Sanierungsbedarf festgestellt worden, der ebenfalls brandschutztechnisch ertüchtigt werden müsse, erklärt die Staatssekretärin. Die Fertigstellung dieser Maßnahmen hänge nun von denkmalrechtlichen Genehmigungen ab und wird frühestens bis Ende des zweiten Quartals 2026 erwartet.
Noch länger dauern die Arbeiten im Untergeschoss. Dort werden nach einem extern verursachten Wasserschaden die Außenwände saniert und der historische Gewölbekeller aufwendig abgedichtet. Ein belüfteter Hohlraumboden sowie eine mechanische Be- und Entlüftung sind geplant. Diese Maßnahmen sollen nach aktuellem Stand erst Ende 2026 abgeschlossen sein.
Planie kostet Millionen – ohne Ertrag
Auch beim ehemaligen Grand Café Planie am Charlottenplatz, ebenfalls im Eigentum des Landes, zeigt sich das gleiche Muster. Zum Stichtag 31. Dezember 2025 hat das Land, wie aus der Antwort auf Haags Anfrage hervorgeht, dort bereits etwa 4,4 Millionen Euro für Rückbau und Sanierung ausgegeben. Die Gesamtkosten werden nach aktueller Prognose bei etwa 6,6 Millionen Euro liegen – nach Angaben des Ministeriums zwar im Kostenrahmen, aber deutlich über früheren Erwartungen.
Mieteinnahmen gab es seit dem Leerstand im Jahr 2020 keine. Das Gebäude sei in einem nicht vermietbaren Zustand übernommen worden, ein klassischer Mietausfall liege daher formal nicht vor, so das Ministerium. Eine konkrete Renditeprognose für das Objekt sei derzeit nicht möglich. Die Garbe-Chefs Robert Ruthenberg und Marius Tim Schlatter übernehmen das bisherige Grand Café Planie am Karlsplatz und führen es künftig unter dem Namen Planie. Der Termin zum Neustart steht noch nicht fest. Das Ziel ist eine Eröffnung im Sommer.
Kritik aus der FDP
FDP-Abgeordneter Friedrich Haag übt scharfe Kritik am Umgang des Landes mit seinen Immobilien. „Es darf nicht sein, dass so eine zentrale und beliebte Liegenschaft sechs Jahre lang leer steht“, sagt Haag. Besonders problematisch sei die Kostenentwicklung: Vom ursprünglich angekündigten „einstelligen mittleren Millionenbetrag“ könne keine Rede mehr sein. „Aktuell ist das Land schon 32 Prozent darüber – und niemand weiß, welche Kosten bis zum Ende der Sanierung noch auf die Steuerzahler zukommen.“
Auch mit Blick auf die Königstraße fordert Haag mehr Tempo. Er wünsche sich „für die Stuttgarter und für den Einzelhandel“, dass die Flächen endlich wieder belebt würden. Langwierige Genehmigungs- und Bauprozesse dürften sich nicht wiederholen. „So darf das Land mit seinem Eigentum und dem Geld der Steuerzahler nicht umgehen“, erklärt der Abgeordnete. Haag. Dauerbaustellen und jahrelange Leerstände seien „ein klares Versagen der Landesregierung“.
Kaum Leerstände – aber viele Baustellen
Nach Angaben des Finanzministeriums stehen derzeit keine weiteren Ladenflächen des Landes in Stuttgart leer. Bei der Baden-Württemberg-Stiftung gibt es laut Splett lediglich einen Leerstand an der Königstraße 28. Kündigungen oder Geschäftsaufgaben in Landesliegenschaften bis 2031 seien bislang nicht bekannt.
Wie aus der Antwort hervorgeht, ist ein Lichtblick der neue Kiosk im Unteren Schlossgarten: Der Neubau inklusive Photovoltaikanlage ist weitgehend fertiggestellt, die Übergabe an den künftigen Pächter soll Ende Februar 2026 erfolgen.