Landesmuseum zieht in Kunsthalle Baden-Baden Nach hundert Jahren Schluss mit Kunst

Nach mehr als hundert Jahren ist Schluss mit zeitgenössischer Kunst in der Kunsthalle Baden-Baden. Foto: dpa/Uli Deck

Die Kunsthalle Baden-Baden muss dem Badischen Landesmuseum Platz machen und soll geschlossen werden. Das ist bitter für die Direktorin Çagla Ilk, die als Kuratorin bei der Biennale in Venedig gefeiert wird. Was sind die Hintergründe?

Kultur: Adrienne Braun (adr)

Çagla Ilk reagierte umgehend: Die Schließung der Kunsthalle Baden-Baden sei „extrem traurig und problematisch“, schreibt die Direktorin in einem offenen Brief und nennt die Entscheidung des baden-württembergischen Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst „einen beispiellosen Akt“. Tatsächlich ist es eine ungewöhnliche Entscheidung, die nun verkündet wurde: Das Badische Landesmuseum wird während der Renovierung des Karlsruher Schlosses nach Baden-Baden in die Kunsthalle ziehen – die nicht mehr als eigenständiges Ausstellungshaus arbeiten wird. Der Vertrag der dortigen Direktorin wird nicht verlängert und das noch verbleibende, festangestellte Team soll in die Programmgestaltung der Karlsruher Historiker eingebunden werden.

 

Kunsthalle Baden-Baden: Programm noch bis 2026

Damit endet die mehr als hundert Jahre währende Geschichte der Kunsthalle Baden-Baden als Schaufenster für klassische, moderne und zeitgenössische Kunst. Zwar soll bis 2026 noch das geplante Programm eingehalten und unter anderem eine Ausstellung mit dem Künstlerbund Baden-Württemberg realisiert werden, danach ziehen aber Objekte aus der Karlsruher Sammlung ein – Kunstgewerbe, volkskundliche Gegenstände und archäologische Funde. Bei den Ausstellungen, so heißt es im Ministerium, sollen aber weiterhin „zeitgenössische Positionen eine Rolle spielen“.

Im Juni ist Misal Adnan Yildiz bereits ausgeschieden

Im Mai 2020 hatte das Land eine Doppelspitze in der Staatlichen Kunsthalle etabliert mit der Architektin und Theaterfrau Çagla Ilk und dem Kurator Misal Adnan Yildiz, der in früheren Jahren auch schon das Künstlerhaus Stuttgart leitete. Er ist im Juni auf eigenen Wunsch aus der Kunsthalle Baden-Baden ausgeschieden, sodass Çagla Ilk Siebert seither alleinige Direktorin ist. Sie wurde im vergangenen Jahr auch als Kuratorin für den Deutschen Pavillon in Venedig berufen. Der Beitrag der von ihr eingeladenen Künstler, dem Regisseur Ersan Mondtag und der Künstlerin Yael Bartana, ist auf der diesjährigen Kunstbiennale von Venedig einer der am meisten besuchten und erfolgreichsten künstlerischen Beiträge. Çagla Ilk hätte ihren Vertrag in Baden-Baden, der Ende April nächsten Jahres ausläuft, gern verlängert. Das wurde vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst abgelehnt. Dem SWR gegenüber sagte die Kunstministerin Petra Olschowski, dass die hohe Personalfluktuation und nicht zufrieden stellende Besucherzahlen der Kunsthalle Baden-Baden mit ein Grund gewesen seien, die Direktion nach dem Ausscheiden Çagla Ilk auch nicht wieder neu zu besetzen.

Der Start des Direktorenteams war wegen der Coronapandemie holprig; das in Berlin ansässige Team benötigte lange, bis es erste Programmpläne veröffentlichte. Nach der ambitionierten Eröffnungsausstellung „State and Nature“ bespielte das Team die 700 Quadratmeter große Ausstellungsfläche oft eher wie den Experimentierraum eines Kunstvereins. Man zeigte die international renommierte Künstlerin Candice Breitz, allerdings mit nur einer Arbeit. Die Einzelausstellung des Konzeptkünstlers Sarkis Zabunyan war zuletzt mit ihrer Privatsymbolik wiederum schwer zugänglich.

Kunsthalle Baden-Baden: Künstlerische Neukonzeption

Dass Çagla Ilk und Misal Adnan Yildiz nicht den am Publikum orientierten Kurs ihres Vorgängers Johan Holten fortsetzen würden, war allerdings von Beginn an klar, das Duo wurde vom Ministerium berufen, eben weil es die Kunsthalle zu einem Raum des offenen Dialogs und struktureller Veränderungen machen wollte. Nun will das Ministerium die Zeit nutzen, um eine künstlerische Neukonzeption für die Kunsthalle zu entwickeln. Mindestens fünf Jahre hat es dazu Zeit, solange wird das Badische Landesmuseum die Räume in jedem Fall nutzen.

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