Fahrzeuge der Bundeswehr rollen im dichten Verkehr über die A2: Die Soldaten gehören zum Jägerbataillon 292 aus Donaueschingen in Baden-Württemberg. Foto: dpa
Die für Fernstraßen zuständige Autobahn GmbH und die Bundeswehr haben die Regeln für den Verkehr von Armee-Fahrzeugen vereinfacht. Was bedeutet das für die Strecken rund um Leonberg – und für den Tunnel?
Sie vermitteln in diesen Zeiten ein mulmiges Gefühl: Militärkonvois auf deutschen Straßen und Autobahnen. Egal ob es nun Fahrzeuge, vornehmlich Lastwagen, der Bundeswehr oder der US-Army sind, die sich da von A nach B bewegen – zu welchem Zweck auch immer. Die tarnfarbenen Kolonnen rufen in Erinnerung: In Europa herrscht Krieg, und vielleicht hängt die Präsenz genau damit zusammen.
„Beitrag im Zeichen ständig wachsender Bedrohungen“
Da passt die Meldung ins Bild, dass die Bundeswehr und die für das deutsche Fernstraßennetz zuständige Autobahn GmbH die Fahrten von Militärkonvois einheitlich geregelt haben. Bislang hatten die Bundesländer bestimmt, wie das Militär die Autobahnen nutzen konnte. „Mit dieser Vereinbarung leisten wir im Zeichen ständig wachsender Bedrohungen einen wichtigen Beitrag zur Einsatzbereitschaft der Bundeswehr“, sagt der Chef der Autobahn GmbH, Michael Güntner. Gemeinsam schaffe man die Voraussetzungen dafür, dass militärische Bewegungen schnell, sicher und unbürokratisch über das Autobahnnetz erfolgen können.
Nun liegt im Süden Leonbergs ein nicht unerheblicher Autobahn-Knotenpunkt in Baden-Württemberg: das Dreieck aus A 8 und A 81, gepaart mit dem Engelbergtunnel als längstem und verkehrsreichstem Autobahntunnel des Bundeslandes, dessen beide Röhren täglich rund 120 000 Fahrzeuge passieren. Werden hier nun künftig häufiger Militärkolonnen präsent sein, weil etwa die Bürokratie entschlackt wurde?
Ein Bergepanzer der Bundeswehr auf der auf der A9 bei Halle, Foto von 2013) Foto: dpa
Nachfrage beim Operativen Führungskommando der Bundeswehr: „Aufgrund der aktuellen außenpolitischen Lage und der zunehmenden Übungstätigkeit deutscher und verbündeter Streitkräfte ist grundsätzlich mit einer Zunahme militärischer Straßentransporte und somit auch mit Militärkonvois in Deutschland zu rechnen“, gibt ein Sprecher zu Protokoll. Eine konkretere Aussage zur Mehrbelastung einzelner Autobahnabschnitte könne jedoch nicht getroffen werden. Heißt aber konkret: Auf den Autobahnen auf Leonberger Gemarkung, und damit auch im Tunnel, wird die Militärpräsenz mit großer Wahrscheinlichkeit steigen.
„Die Vereinbarung gilt zudem für die verbündeten Streitkräfte der NATO und EU“, so der Sprecher. Es stehe den Streitkräften der sogenannten „sending states“, also Belgien, Kanada, Niederlande, Vereinigtes Königreich und Vereinigte Staaten, allerdings offen, weitergehende Vereinbarungen mit einzelnen Bundesländern zu treffen. „Diese bilateralen Vereinbarungen liegen der Bundeswehr nicht zwingend vor.“
Militärische Einrichtungen in unmittelbarer Nähe zu Leonberg
Fakt ist: In unmittelbarer Nähe zu Leonberg befinden sich etwa die Panzerkaserne Böblingen oder die Kelley Barracks in Stuttgart, beides sind Standorte der US-Streitkräfte. Und ab und zu rollten in der Vergangenheit bereits Armeefahrzeuge durch den Engelbergtunnel. Ein Zwischenfall blieb dabei besonders im Gedächtnis: Im Oktober 2024 machte ein mit gefährlichen Gütern beladener Truck der US Army in der Weströhre in Fahrtrichtung Karlsruhe schlapp.
Ob sich auf der Ladefläche Munition oder gar Sprengstoff befand, ließ sich nicht abschließend klären. Genau so unklar ist, ob ein technischer Defekt vorlag oder ob dem Laster schlicht der Sprit ausging. Hinweise sprachen damals klar für Letzteres. Bestätigt ist indes, dass sich Abschleppunternehmen weigerten, das Fahrzeug aus dem Tunnel zu ziehen und hierfür schließlich die Feuerwehr einspringen musste. Dass während des gesamten Prozederes der Tunnel komplett gesperrt war, versteht sich von selbst.
Und was passiert, wenn mal ein Wagen der Bundeswehr den Geist aufgibt? „Bleibt ein Fahrzeug liegen, ist die Truppe für den Abschub zuständig“, antwortet der Sprecher, „sofern dies mit eigenen Mitteln möglich ist.“ Andernfalls „sind zusätzliche Mittel, gegebenenfalls für die Absicherung, über die Polizei anzufordern“.
„Operationsplan Deutschland“ ist streng geheim
Die genauen Orte und Korridore für Transporte der Streitkräfte legt der sogenannte „Operationsplan Deutschland“ fest. Dessen Inhalte unterliegen jedoch strenger Geheimhaltung, wie der Sprecher des Führungskommandos mitteilt. Außerdem: „Aus der Vereinbarung lassen sich keine Änderungen für Bauwerke oder die zukünftige Straßenbelastungen durch die Bundeswehr ableiten.“
Übrigens: Alle militärischen Gefahrguttransporte unterliegen im Frieden den zivilen Regelungen. „Daraus wird abgeleitet, dass auch militärische Gefahrguttransporte die Thermoscan-Anlage passieren“, antwortet der Sprecher des Führungskommandos auf die dezidierte Nachfrage.
Die neue Regelung im Detail
Das ist neu Der wesentliche Fortschritt der Neuregelung ist laut dem Sprecher des Operativen Führungskommandos, „dass für eine Fahrzeugbreite von bis zu 3,25 Meter statt bisher 2,55 Meter und eine Höhe bis 4,25 Meter statt bisher 4,00 Meter die Genehmigungsbehörden nicht angehört werden müssen, wenn sich die Fahrzeuge auf Autobahnen oder außerhalb von Autobahnen auf dem Militärstraßengrundnetz und vereinbarten Straßen bewegen“. Gleiches gelte für Verbandsfahrten mit über 30 Fahrzeugen.
Und die Schwertransporte? Für besonders schwere Transportfahrten (über 41,8 Tonnen Gewicht) gelten die Regelungen der Straßenverkehrsordnung . „Die Spezifikation auf die Bundesländer ergibt sich aufgrund der konkreten geografischen Gegebenheiten und der entsprechenden Straßennetze“, so der Sprecher.