Landtag produziert Buch Detektive sollen Schüler ins Parlament locken

Mit diesem Buch will Präsidentin Aras Kinder für den Landtag interessieren. Foto: Lichtgut, mül

Gut 50 000 Euro lässt sich der Landtag ein Detektiv-Buch für Schüler kosten. Es soll das Interesse am Parlament wecken. Der Steuerzahlerbund ist nicht angetan.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)

Seine schwindende Bedeutung nimmt der Stuttgarter Landtag nicht kampflos hin. Je weniger Kompetenzen dem Parlament bleiben, desto mehr bemüht es sich um Aufmerksamkeit. Für alle möglichen Zielgruppen gibt es Angebote, von Kunstführungen bis zum Kinderferienprogramm – und nun auch für neun- bis zwölfjährige Schüler.

 

Was die Hamburgische Bürgerschaft und die Landtage von Schleswig-Holstein und Bayern vorgemacht haben, macht Baden-Württemberg jetzt nach: Mit Detektiv-Geschichten soll das junge Publikum für Landespolitik interessiert werden. „Alster-Detektive“, „Förde-Detektive“ und „Isar-Detektive“ bekommen Kollegen im Südwesten – womöglich eine Folge des regelmäßigen Austauschs der deutschen Parlamentsspitzen.

Detektive folgen heißer Spur in den Landtag

„Die Landtagskrokodile“ heißt das frisch erschienene Taschenbuch (Untertitel: „Urzeitknochen in Gefahr“), welches das Parlament beim Hamburger Oetinger-Verlag in Auftrag gegeben hat. Verfasst wurde es von einer Freiburger Autorin, illustriert von einem Grafiker aus Oberschwaben. „Wir wollen die Begeisterung der Kinder am Lesen wecken und sie dabei für politische Themen sensibilisieren“, lässt sich Präsidentin Muhterem Aras (Grüne) zitieren.

Die Story in Kürze: Drei Schüler-Detektive erleben einen rätselhaften Tomatensaft-Anschlag auf ein Saurierskelett im Naturkunde-Museum. Sie machen sich auf die Suche nach dem Täter und dessen Motiven – und folgen einer heißen Spur in den Landtag. Dort werden sie gleichsam nebenbei über die Arbeit der Abgeordneten informiert. Diese diskutierten verschiedene Themen und entschieden dann, „was gemacht werden soll, damit es allen gut geht“, erläutert ihnen eine Studentin, die beim Besucherdienst jobbt.

10 000 Exemplare als erste Auflage

Schulen können das Buch kostenlos als Klassensatz bestellen. Obwohl man es gerade erst bekannt mache, berichtet eine Sprecherin, gebe es schon erste Nachfragen. Von November an können die jungen Leserinnen und Leser dann die Schauplätze im Landtag besichtigen. Angeboten wird ein spezielles Besuchsprogramm, bei dem auch die Protagonisten aus dem Buch eine Rolle spielen. Anmelden kann man sich erst nach den Sommerferien, schließlich will das 150-Seiten-Bändchen zuvor gelesen sein. Doch schon jetzt, heißt es beim Landtag, seien „erste Anfragen eingegangen“.

Zehntausend Exemplare hat das Parlament laut der Sprecherin zunächst drucken lassen. Der Festpreis pro Buch und der Produktionskostenzuschuss an den Oetinger-Verlag als Lizenzgeber summierten sich auf 52 000 Euro. Geflossen seien erst 10 000 Euro, die finale Abrechnung stehe noch aus. Ob weitere Auflagen folgten, hänge von der Resonanz ab. Weitere Bücher seien derzeit nicht geplant, aber die „Landtagskrokodile“ seien „so angelegt, dass es Fortsetzungen geben könnte“. In anderen Ländern gibt es bereits Buchreihen um die Parlaments-Detektive.

Steuerzahlerbund äußert sich kritisch

Für den Bund der Steuerzahler ist es hingegen fraglich, ob der Landtag wirklich noch ein Kinderbuch produzieren muss. In Zeiten knapper Kassen und hoher Schulden müsse genau geprüft werden, wofür man Geld ausgebe, sagt der Landesvorsitzende Eike Möller. „Nicht unbedingt notwendige Projekte“ müssten da hintanstehen. Möllers Fazit: „Die in dieser Kampagne adressierten Schüler haben mehr davon, wenn ihnen kein riesiger und immer weiter anwachsender Schuldenberg hinterlassen wird.“

Ältere im Landtag denken beim Stichwort „Krokodil“ übrigens an Ex-Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU). Weil der als ausgesprochen angriffslustig bekannt war, hatte ihn Ex-Justizminister Ulrich Goll (FDP) einmal – in Anlehnung an ein Kinderlied – als „Mappi-Schnappi, das kleine Krokodil“ verulkt.

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