F inanzminister Danyal Bayaz strebt kein Mandat im nächsten baden-württembergischen Landtag an, würde der kommenden Regierung nach der Landtagswahl 2026 aber gerne weiter angehören. Das hat der 41-Jährige kaum 14 Tage nach Beginn der Kandidatenaufstellung in den Wahlkreisen gegenüber unserer Redaktion erklärt. Damit stellt Bayaz Klarheit her, womit seine Parteifreunde im Südwesten rechnen können. „Ein Landtagsmandat habe ich nie ernsthaft erwogen“, betont der Grünen-Politiker aus Heidelberg kühl und nennt die Herausforderungen seines Regierungsamtes sowie die familiäre Aufgabenteilung als Gründe für seine Entscheidung.
Familienpflichten und Regierungsamt
„Ich schätze meine Unabhängigkeit. Der Job eines Finanzministers, die damit verbundenen Aufgaben und die Verantwortung erfordern die volle Konzentration.“ Dazu kämen Familienpflichten, weil er mit seiner Frau Katharina Schulze, die Fraktionsvorsitzende der Grünen im bayerischen Landtag ist, eine partnerschaftliche Arbeitsteilung anstrebe. „Ich habe zwei kleine Kinder und eine Frau, die ebenso voll berufstätig ist. Wir wollen unsere Söhne so gut es geht, gleichberechtigt aufziehen. Auch deshalb strebe ich keine zusätzlichen Aufgaben an.“
Brennen für Haushalt, Steuern und Finanzmärkte
Keineswegs will Bayaz mit diesem Schritt der Landespolitik zeitgleich zu Ministerpräsident Winfried Kretschmanns geplanten Abschied aus der Villa Reitzenstein den Rücken kehren. Der damalige Bundestagsabgeordnete, der sich mit seiner Finanzkompetenz im Wirecard-Untersuchungsausschuss schnell einen Namen gemacht hatte, war zu Beginn von Kretschmanns letzter Wahlperiode die größte Überraschung bei den Berufungen auf einen Ministerposten in Stuttgart. Es liegt zwar, wie Bayaz selbst jetzt betont, in der Hand der Wähler und der Koalitionspartner, ob er nach der Landtagswahl im Frühjahr 2026 weiterregieren kann. Aber als bekennender Optimist „kann ich mir gut vorstellen, dieses Amt nach der Landtagswahl weiter auszuüben“, erklärt Bayaz. „Ich bin sehr gerne Finanzminister. Haushalt, Steuern, Finanzmärkte gute Rahmenbedingungen für unsere Wirtschaft – das sind meine Themen, dafür brenne ich“, fügt er noch hinzu.
Nachdem Verkehrsminister Winfried Hermann und Sozialminister Manfred Lucha, beide langjährige Weggefährten Kretschmanns angekündigt haben, sich nach der Landtagswahl 2026 aus der Politik zurückziehen zu wollen, wagt Bayaz als nun erster Grünen-Politiker eine Ansage, dass er in einem künftigen Kabinett nicht irgend einen Job übernehmen, sondern Finanzminister bleiben will.
Eine Ausnahme gibt es neben Bayaz natürlich noch: Der designierte Spitzenkandidat im grünen Landtagswahlkampf, der aktuelle Doppelminister für Landwirtschaft und Forschung in Berlin, Cem Özdemir, will Winfried Kretschmanns Nachfolger und der erste türkischstämmige Ministerpräsident in Stuttgart werden. Bayaz und Özdemir sind freundschaftlich verbunden, und Bayaz wird zum Schattenteam Özdemirs gezählt.
Anfang des Monats hat fristgerecht die Aufstellung der Landtagskandidaten in den baden-württembergischen Wahlkreisen begonnen. Grundsätzlich haben die Parteien dafür Zeit bis 75 Tage vor der Wahl. Sie wird turnusmäßig im Frühjahr 2026 stattfinden. Diesen Spielraum aber will man bei den Landes-Grünen nicht ausreizen, heißt es auf Anfrage. Der Nominierungsparteitag, bei dem der Spitzenkandidat Cem Özdemir auch offiziell auf den Schild gehoben und die Landesliste der Landtagskandidaten beschlossen werden soll, ist auf den 24. und 25. Mai anberaumt.