Welke, eingerollte Blätter: Die Hitze und die Trockenheit des Sommers setzen dem Mais und den Kartoffeln auf den Fildern zu. Außerdem droht eine unsichtbare Gefahr.
Die Landwirte in Leinfelden und Musberg schauen aktuell mit besorgter Miene auf ihre Äcker. Die hohen Temperaturen und die Trockenheit der vergangenen Wochen haben den Feldfrüchten mächtig zugesetzt. Die Pflanzen leiden sichtbar. Und dann droht da noch eine andere, ganz unsichtbare Gefahr.
Der Termin hätte nicht passender ausgewählt werden können: Die Felderrundfahrt der landwirtschaftlichen Ortsvereine Leinfelden und Musberg fiel in diesem Jahr auf den vielleicht wärmsten Tag des Jahres. Bei brutheißen 35 Grad nehmen am vergangenen Mittwoch rund 40 Vertreter aus Landwirtschaft, Stadtverwaltung und Landkreis in Unteraichen auf den zwei schattenlosen Traktoranhängern von Landwirt Joachim Mack Platz, um sich an verschiedenen Stellen in Leinfelden und Musberg vom aktuellen Zustand der Feldfrüchte ein Bild zu machen.
Was Hitze und Trockenheit in der Landwirtschaft anrichten, ist gleich am ersten Halt zu erkennen: Im Unteraichener Gewann Vögtäcker, nahe der Autobahn, liegen die Mais- und Kartoffelfelder von Michael Grob. Annabelle, Glorietta, Allians oder Belana heißen die Kartoffelsorten, die der Vollerwerbslandwirt hier anbaut. Nicht zu übersehen sind die welken Blätter der oberirdisch wachsenden Kartoffelpflanzen. „Die Kartoffel kommt mit der Hitze noch schlechter zurecht als der Mensch“, sagt Grob. Die Dämme, auf denen die Kartoffelpflanzen wachsen, seien in diesem Bereich „durch und durch trocken“. Weil einigen Sorten noch mindestens vier Wochen Wachstum bis zur Erntereife fehlen, muss Grob nun täglich bewässern. „Das ist teuer und arbeitsintensiv“, so der Landwirt. Noch vor wenigen Wochen schienen die Bestände in gutem Zustand.
Nebenan, beim Mais, sieht es nicht besser aus: Johannes Barth vom Landwirtschaftsamt in Nürtingen zeigt vom Anhänger herunter auf einige Maisblätter: „Die Pflanze rollt ihre Blätter ein“, erklärt der Fachmann. Der Mais versucht damit, die Verdunstungsoberfläche klein zu halten. „Wenn es in den nächsten Tagen nicht regnet, wird es eng“, sagt Barth. Landwirt Mack, der auch Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsvereins Leinfelden ist, fürchtet gar, dass beim Mais wie beim Getreide eine Notreife droht. Dann muss frühzeitig geerntet werden, und der Ertrag fällt deutlich kleiner aus. Dasselbe triste Bild zeigt sich auf weiteren Feldern in Musberg und in Leinfelden.
Die Krux: Endlos bewässern können die Landwirte ihre Felder nicht. „Die Stadtwerke haben bereits angekündigt, dass es ein Bewässerungsverbot gibt, wenn weiterhin so viel Wasser aus den Hochbehältern abfließt“, erklärt Mack.
Das Thema spricht auch Oberbürgermeister Otto Ruppaner an: Es könne zu Einschränkungen in der Feldbewässerung kommen, wenn dauerhaft mehr Wasser aus den Hochbehältern aus- als einlaufe, bestätigt der OB. Genau das sei derzeit der Fall. „Wir versuchen das Bewässerungsverbot so lange wie möglich hinauszuzögern.“
Eine andere, unsichtbare Gefahr droht den Landwirten auf den Fildern und in der ganzen Region aktuell von einem Insekt namens Schilf-Grasflügelzikade. Sie kann die gefährliche Stolburkrankheit auf Zuckerrüben, Kartoffeln, Möhren, Kohlgemüse, Rote Beete und viele andere Feldfrüchte übertragen und dabei hohe Schäden verursachen.
Johannes Barth berichtet von „krassen Ertragsausfällen“, die das Bakterium mancherorts bereits hervorgerufen hat. Besonders gefährlich ist die Krankheit, weil sie nicht direkt behandelbar ist. Lediglich der Überträger, also die Zikade, könne mittels Insektiziden bekämpft werden. „Wenn die Symptome auftreten, ist es schon zu spät“, sagt Barth. Infizierte Bestände welken, Wurzeln und Knollen können gummiartig werden.
Jetzt, bei heißer Witterung, fliegen die Zikaden, so der Experte vom Landwirtschaftsamt. Ob und wie viele der Insekten aktuell das Bakterium in sich tragen, werde derzeit untersucht. Fakt ist: Im vergangenen Jahr kam es im nahen Plieningen bereits zu positiven Nachweisen. Im Landkreis Ludwigsburg verursachte Stolbur 2024 erhebliche Einbußen bei der Zuckerrübenernte. Zwei anderen Vertreter aus dem Tierreich setzen den Bauern bereits nachweislich zu. Mack macht auf Schäden auf den Äckern aufmerksam, die durch ein Übermaß an Rabenkrähen und Feldhasen entstehen. „Das Problem muss angegangenen werden“, fordert Mack. Der Appell richtet sich vor allem an die Adresse der örtlichen Jägerschaft.