Landwirtschaft im Kreis Böblingen Mieses Wetter verdirbt Weizenernte
Der lang anhaltende Regen in der Region hat die Weizenernte im Kreis Böblingen vermasselt. Ein Großteil kann dieses Jahr nur noch als Viehfutter verwendet werden.
Der lang anhaltende Regen in der Region hat die Weizenernte im Kreis Böblingen vermasselt. Ein Großteil kann dieses Jahr nur noch als Viehfutter verwendet werden.
Für die Felder voll strohgelbem Getreide im Kreis Böblingen sieht es düster aus: Der teils sintflutartige Regen der letzten Wochen hat dem Weizen zugesetzt. Hans-Georg Schwarz, Vorstandsmitglied des Bauernverbands Nordschwarzwald-Gäu-Enz, schätzt, dass bis jetzt lediglich 15 Prozent des Weizens im Kreis Böblingen geerntet wurden. Der restliche Weizen hat nun so sehr unter dem Dauerregen gelitten, dass er nur noch als Viehfutter verwendet werden kann. Obstbauern hingegen haben Grund zur Freude.
„Zum Backen kann der Weizen, der noch auf den Feldern ist, nicht mehr verwendet werden“, erklärt Hans-Georg Schwarz, der Landwirt ist und über 400 Kühe besitzt. Er selbst baut vor allem Gerste an, das er als Futter für seine Tiere verwendet. Dieses Schicksal ereilt nun auch den Großteil der Weizenernte in der Region: Statt in menschlichen Mägen landet das Getreide nun in den Mägen von Kühen.
Denn der Weizen sei bereits in der Reife gewesen, als der Regen einsetzte, erläutert der Gebersheimer Milchbauer. Während der langen Regentage habe der Weizen dann begonnen, in der Ähre zu keimen, sagt Schwarz. Diese Keimung führe dazu, dass das Weizenmehl nicht mehr zum Backen verwendet werden könne. Dann spreche man von einer sogenannten niedrigen Fallzahl. „Da wird das Brot dann eher zum Fladen“, so Schwarz.
Bevor der große Regen einsetzte, hätten die Landwirte in diesem Jahr mit einer guten Ernte gerechnet. „Aber Getreideernte und Regen passen nicht zusammen“, erklärt Schwarz. Das habe nun auch finanzielle Auswirkungen für die Landwirte: Denn Weizen, das zu Viehfutter verarbeitet wird, wird zu einem deutlich niedrigeren Preis verkauft, als Weizen, der zum Backen verwendet wird. Schwarz schätzt, dass Landwirten dieses Jahr bis zu 20 Prozent des Ertrages fehlen werde. Das wenige Weizenkorn, das noch vor der Regenphase geerntet wurde, werde dann allerdings umso teurer verkauft werden können, schätzt er.
Dass die Weizenernte nun sprichwörtlich ins Wasser gefallen ist, gehöre zum Beruf eines Landwirtes dazu. Große Enttäuschung herrscht bei ihm nicht – er blickt abgeklärt auf die Realität: „Der letzte Erntetag ist entscheidend“, sagt Schwarz. Solange das Getreide nicht unter Dach und Fach sei, könne alles passieren. Selbst die Aussicht auf sonnigere Tage bis Ende der Woche werde die diesjährige Ernte aber nicht mehr retten: „Die Qualität ist jetzt kaputt“, sagt Schwarz. Direkt auf den Mähdrescher zu springen und das Getreide einzuholen, ist seiner Meinung nach sinnlos. Besser sei es, den Weizen auf dem Feld trocknen zu lassen – denn feuchtes Getreide sei nicht lagerfähig.
Doch wie sieht es bei den Obstbauern im Kreis Böblingen aus? Im Gegensatz zu den Weizenbauern herrscht beim Obstanbau Euphorie: „Die Zwetschgen- und Apfelbäume haben vom Regen der letzten Wochen profitiert“, erklärt der Obstbauer Manfred Nuber, der beim Landratsamt Leiter der Fachberatungsstelle für Obst- und Gartenbau ist. Lediglich für die Kirschernte hätte der anhaltende Regen schädlich sein können, doch diese sei glücklicherweise schon beendet.
Im Juli habe es 20 Liter pro Quadratmeter mehr geregnet als gewöhnlich, weiß Manfred Nuber. Der Regen habe das erhebliche Wasserdefizit ausgeglichen, dass das trockene Frühjahr hinterlassen hat. Ein Segen für die Obstbauern: „Durch das Wasser werden die Früchte größer“, sagt Nuber. Und die anstehenden Sonnentage bringen zusätzlich noch das Aroma.
Allgemein werde jedoch die Wasserversorgung im Obstbau immer wichtiger: Denn längere Trocken- oder Regenphasen würden immer häufiger, sagt Manfred Nuber. Um lang anhaltende Trockenphasen besser überstehen zu können, würden viele Bauern über Bewässerungssystem wie Brunnen oder Speicher nachdenken.
Nicht nur Obstbäumen, auch Mais, Zuckerrüben, Wiesen und Wald hat der Regen gut getan. Es ist wie so oft: Des einen Freud’ ist des anderen Leid. Während die Getreidebauern ächzen, machen die Obstbauern Luftsprünge.
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