Langlauf-Staffel der Frauen Der Sturz des Favoriten – und Blech für Deutschland
In einem unfassbar kuriosen Staffelrennen schlagen sich die schwedischen Langläuferinnen selbst. Das deutsche Quartett ist enttäuscht über eine verpasste Chance.
In einem unfassbar kuriosen Staffelrennen schlagen sich die schwedischen Langläuferinnen selbst. Das deutsche Quartett ist enttäuscht über eine verpasste Chance.
Es dürfte bei Olympischen Spielen noch nie ein kurioseres Staffelrennen im Langlauf gegeben haben. Und noch selten einen unerwarteteren Ausgang. Denn die haushoch favorisierten Schwedinnen kamen zu Fall – und waren am Ende trotz der Silbermedaille untröstlich. Das deutsche Quartett belegte Rang vier, nachdem Startläuferin Laura Gimmler eingebrochen war. Damit ist die beste Chance auf eine Medaille bei den Olympia-Wettbewerben in Tesero dahin. Doch die Schlagzeilen dieses Wettbewerbs schrieben andere.
Vor der Staffel am Samstag waren alle drei Goldmedaillen im Frauen-Langlauf an Schweden gegangen, über zehn Kilometer und im Skiathlon hatten Frida Karlsson und Ebba Andersson Doppelsiege gefeiert, im Sprint gab es sogar einen schwedischen Dreifach-Erfolg. Wer also sollte dieses Team schlagen? Die Antwort: Das haben sie selbst geschafft.
Ebba Andersson lief als zweite Schwedin im klassischen Stil auf ihrer 7,5-Kilometer-Runde vorneweg, als sie harmlos stürzte. Sie rappelte sich auf, rannte weiter – und erlebte auf einer der schwierigen Abfahrten ein Horrorszenario. Sie stürzte erneut, doch diesmal überschlug sie sich und verlor einen Ski, von dem sich die Bindung löste. Also kehrte Ebba Andersson auf einem Ski zurück in die Loipe, den anderen trug sie unter dem Arm. Sie verlor Sekunde um Sekunde und Position um Position, ehe ihr nach mehr als einer Minute endlich ein schwedischer Betreuer einen Ersatzski reichte. Während die Athletin mit neuem Material weiterlief, kam auch noch der Helfer zu Fall – diese Bilder, so viel ist sicher, werden in keinem Olympia-Rückblick fehlen.
Als Ebba Andersson auf Frida Karlsson übergab, hatten die Schwedinnen auf Rang acht 1:18 Minuten Rückstand und waren weit weg von den Medaillenrängen. Am Ende haben sie das norwegische Team zwar nicht mehr einholen können, kamen aber immerhin noch auf Rang zwei ins Ziel, vor Finnland. Während die Norwegerinnen ihren völlig überraschenden Gold-Coup bejubelten, haderte vor allem Ebba Andersson mit sich und diesem gebrauchten Tag. Da half auch der Trost der ebenfalls völlig enttäuschenden Kolleginnen nichts.
In der deutschen Mannschaft lagen Frust und Freude ebenfalls nahe beieinander. Katharina Hennig Dotzler (Oberwiesenthal), Helen Hoffmann (Oberhof) und vor allem Pia Fink (Bremelau) zeigten starke Leistungen und durften mit sich hochzufrieden sein. Sie brachten das Quartett noch auf Rang vier, die Chance auf einen Podestplatz war allerdings schon nach der ersten Läuferin dahin gewesen. Laura Gimmler (Oberstdorf) war völlig eingebrochen und hatte sich im tiefen Schnee auf der harten Strecke als Zehnte 40 Sekunden Rückstand eingefangen. „Sie ist ein Opfer der Bedingungen geworden, hatte leider einen rabenschwarzen Tag“, sagte Bundestrainer Peter Schlickenrieder, „sie hat einen starken Sprint gezeigt, ist eigentlich in einer sehr guten Verfassung. Deshalb kann das heute niemand erklären. Wenn es bei uns normal gelaufen wäre, hätten wir um Silber mitkämpfen können.“
Aber was war schon normal in dieser Staffel?