Lasst uns über ... Eifersucht reden „Warum schaust du immer anderen Frauen hinterher?“

Wenn man an sich selbst Eifersuchtsdynamiken entdeckt, sollte man sich klar werden, dass es mit der Gesamtpersönlichkeit zu tun hat. Foto: Unsplash/Kinga Cichewicz

Eifersucht ist ein wahres Beziehungsgift – egal auf welcher Seite man steht. Was sie über die Persönlichkeit des Eifersüchtigen verrät und wie man in einer Beziehung damit umgeht, erklärt Paartherapeut Oliviero Lombardi.

Stuttgart - Wenn der Partner eifersüchtig ist, sollte man gar nichts machen. Das klingt provozierend, ist aber die richtige Entscheidung, denn die Eifersuchtsproblematik des Partners ist eben die Problematik des Partners. Sie zeigt streng genommen ein nicht ausreichend ausgeprägtes Selbstbewusstsein. Würde er oder sie sich für den oder die Tollste der Welt halten, gäbe es keinen Grund, eifersüchtig zu sein – selbst wenn der andere Partner nackt an jemandem anderen festgebunden wäre.

 

Wer nachgibt, gibt dem Partner recht

Man sollte nicht auf die Eifersucht eingehen, denn damit hilft man dem Partner nicht – man macht es eigentlich nur noch schlimmer. Geht man auf die Eifersuchtsambitionen des anderen ein und nimmt sogar darauf Rücksicht, stabilisiert man das kranke System und gibt dem Partner gewissermaßen Recht.

Lässt man sich darauf ein, kann es zu wahnwitzigen Situationen kommen. Ein Beispiel aus meiner Praxis: Bei einem Ehepaar um die 60, das bei mir in Behandlung ist, ist die Eifersucht über die Jahre hinweg total eskaliert. Die Frau hat ihrem Mann in jüngeren Jahren stets vorgeworfen, er würde ständig anderen Frauen hinterhergucken. Als Resultat läuft er nur noch mit gesenktem Kopf umher – was seine Frau dazu veranlasst, noch wütender zu werden, weil sie ihm vorwirft, er würde nun extra nicht hinschauen.

Seine Komfortzone verlassen

Man sollte liebevoll mit dem Partner reden, dass er oder sie daran arbeiten muss. Man sollte sich auf keinen Fall einschränken, denn der Eifersüchtige muss was tun und seine Komfortzone verlassen. Es ist ungeheuer beliebt bei Eifersüchtigen, das Handy des Partners zu kontrollieren. Auch das ist nicht empfehlenswert, denn Vertrauen und Kontrolle sind zwei völlig unterschiedliche Sachen und stehen diametral zueinander.

Ein wichtiger Aspekt, der gefährlich ist, ist die Selbst- und Fremdwahrnehmung: Wenn man eifersüchtig ist, hat man die Einstellung: Ich bin ok, du bist nicht ok. Der andere verhält sich klarerweise falsch, und daher ist man auch eifersüchtig. Sagt man seinem Partner immer wieder, dass er sich zu anderen, attraktiveren Menschen hingezogen fühlt, kann es genau dies auslösen. Man macht sich damit selber runter, degradiert sich und überhöht die anderen. Eifersucht ist überhaupt nicht attraktiv – Souveränität schon.

Warum steckt man in diesem Muster fest?

Ist ein Partner überhaupt nicht eifersüchtig, kann es als mangelndes Interesse verstanden werden. Dieser Irrglaube ist leider weit verbreitet und vollkommen falsch. In diesem Fall ist der andere einfach souverän und vertraut dem Partner. Leute, die zu wenig Selbstbewusstsein haben, kommen damit schlecht zurecht.

Frauen werden oft mehrfach betrogen, da sie sich immer wieder Partner suchen, die ihrem Beuteschema entsprechen und eben fremdgehen. Es handelt sich dabei um ein wiederkehrendes Muster, besonders wenn die Frau angespannt und hochgradig eifersüchtig ist. Solche Frauen suchen sich potenzielle Fremdgeher, die in dieser Dynamik noch weiter zum Betrügen gebracht werden. Man muss sich fragen, warum man in diesem Muster feststeckt und welche Aspekte mit einem selbst zu tun haben: Warum sucht man sich instinktiv immer wieder solche Männer? Warum reicht das Selbstbewusstsein nicht? Warum fühlt sie sich nicht gut genug – oder gar hässlich? Denn eine Frau, die selbstbewusst ist, kann aussehen wie sie will. Ihr Auftreten und die innere Schönheit machen sie aus.

Erfolg und Schönheit sind Krücken

Wenn man an sich selbst Eifersuchtsdynamiken entdeckt, sollte man sich klar werden, dass es mit der Gesamtpersönlichkeit zu tun hat. Besonders in stressigen Situationen, die mit Veränderungen einhergehen – zum Beispiel, wenn man sein geringes Selbstbewusstsein lange mit seinem jungen Aussehen kompensiert hat – kommen Angst und Selbstzweifel zum Vorschein und brechen sich Bahnen, die schon immer da waren. Erfolg und Schönheit sind Krücken. Aber mit Ende 40 sollte man sich sein Selbstwertgefühl aus sich selbst herausarbeiten.

Hier geht es zur Homepage von Oliviero Lombardi

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