Lasst uns über … Lückenbüßer reden So erkennt man Übergangsbeziehungen

Von Oliviero Lombardi, aufgezeichnet von  

Meistgelesen 2020 aus unserem Liebes-Archiv: Die Liebe ist vorbei, doch der Schmerz ist groß. Warum sich viele mit einem Übergangspartner oder Teilzeit-Lover trösten und wie man damit umgeht, wenn man selbst zum Lückenbüßer wird, erklärt Paartherapeut Oliviero Lombardi.

Für immer – oder nur bis das Herz wieder heil ist? Foto: Unsplash/Pablo Merschant
Für immer – oder nur bis das Herz wieder heil ist? Foto: Unsplash/Pablo Merschant

Stuttgart - In sehr vielen Fällen geht die erste Beziehung nach einer Trennung schief. Das liegt zum einen daran, dass die alte Beziehung oftmals gar nicht verarbeitet wurde und zum anderen, dass Probleme der alten Partnerschaft in die neue mitgeschleppt werden, wenn es zu keiner Veränderung und Verarbeitung kommt. Dabei geht es auch um die eigenen Anteile, die man am Scheitern einer Beziehung hat. Wenn man sich in einer Situation befand, in der man unzufrieden mit dem Ex-Partner war und in der viele Bedürfnisse nicht befriedigt wurden, kann es leicht sein, dass man sich aus diese Frustrations- und Defizitsituation heraus in eine neue Beziehung stürzt. Der neue Partner scheint alles richtig zu machen, die Sehnsucht ist groß und die rosarote Brille dementsprechend dickglasig.

Aufgeräumt und kritisch sein

Denn wenn man selbst nicht aufgeräumt und zugleich bedürftig ist, geht man nicht so kritisch in eine neue Beziehung. Hinzu kommt, dass viele Menschen Probleme haben, alleine zu sein. Das Ende dieser Einsamkeit ist natürlich keine gute Motivation, um eine neue Beziehung zu beginnen. Denken Sie an das berühmte Buch „Wenn du dich selbst liebst, ist es egal wen du heiratest“, es ist eine Grundvoraussetzung, dass man mit sich selbst im Reinen ist, um überhaupt beziehungsfähig zu sein. Rutscht man immer wieder von einer Beziehung in die nächste, ist das nur schwer möglich.

Der neue Partner als Stütze

Ob man in einer Übergangsbeziehung ist, erkennt man am Zeitraum, der zwischen den Partnerschaften liegt und ob man in einer angemessenen Phase die vorherige Beziehung verarbeitet hat. Verflochtener und komplizierter wird es, wenn die neue Beziehung aus einem Seitensprung heraus entstanden ist. Oftmals wird eine Übergangsbeziehung initiiert, da man ohne diese Stütze oft gar nicht in der Lage ist, sich von der Vergangenheit zu trennen. Man nutzt den neuen Partner auch ein stückweit, um sich vom Ex-Partner final loszusagen. Man kann eine Übergangsbeziehung aber auch zu einer richtigen Partnerschaft erheben, wenn man paartherapeutisch an ihr arbeitet und die Hindernisse überwindet, um eine paarfähige Basis zu finden.

Redet der neue Partner häufig über den Ex?

Verliebt man sich in einen Partner, der frisch getrennt ist und die alte Beziehung noch nicht ausreichend verarbeitet hat, kann man sich auch in einer Übergangsbeziehung wiederfinden. Klare Hinweise auf das Dasein als Lückenbüßer sind Vergleiche, häufiges Sprechen über den Ex-Partner und überdurchschnittliches Engagement für die alte Beziehung in Form einer Freundschaft. Darauf sollte man nicht barsch reagieren, sondern darüber sprechen. Derjenige, der sich so verhält, ist noch nicht frei. Macht man Druck, kann es unter Umständen noch schlimmer werden. Aus therapeutischer Sicht ist es gut, den alten Partner aus dem Kopf zu kriegen, denn nur dann trennt man sich wirklich. Es ist auch empfehlenswert, mit dem neuen Partner über die vergangene Partnerschaft zu sprechen, um herauszufinden, was nicht geklappt hat. So kann man gemeinsam aus den Fehlern der Vergangenheit lernen.

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