Wenn sich an den Zufahrtsstraßen nach Lichtenwald einmal im Jahr lange Schlangen und Staus bilden, dann weiß man ganz genau, dass wieder die Zeit des Liwa-Laufevent gekommen ist, der in diesem Jahr schon zum 24. Mal stattfand. Die Anfahrt zu diesem Großereignis in der Schurwaldgemeinde gestaltet sich vor allem auch aus dem Grund schwierig, dass die Laufstrecken mehrfach die Straße kreuzen und diese dann bei jedem querenden Läufer von den freiwilligen Helfern der Feuerwehr kurzzeitig abgesperrt wird. An diesem Tag sind mehr als 300 freiwillige Helfer im Einsatz – zu denen von der Feuerwehr noch die des DRK, die Streckenposten, die Helfer an den Verpflegungsständen an der Strecke, im Ziel und natürlich an den Verkaufsständen für Essen und Trinken im Freien oder am Kaffee- und Kuchenverkauf in der Mehrzweckhalle. Nicht vergessen werden dürfen selbstverständlich die Helfer des Organisationsteams um ihren Chef Armin Storz.
Auch in diesem Jahr standen acht Wettbewerbe auf dem Programm. Vom Bambini-Lauf (422 Meter) über den Junior-Lauf (844 Meter), den Schülerlauf (2,6 Kilometer), den Fitness-Lauf (6,5 Kilometer), den Nordic-Walking-Lauf (10 Kilometer), den Zehn-Kilometer-Lauf, den Halbmarathon (22 Kilometer) bis hin zum Marathon war für jeden Läufer – ob klein oder groß – die passende Strecke dabei. Das Highlight bildete wie immer der Marathon über die typische Distanz von 42,195 Kilometern.
Hier gab es bei den Frauen, bedingt auch durch die optimalen Wetterbedingungen bei angenehmen Temperaturen und bedecktem Himmel, einen Streckenrekord. Katrin Ochs von der LG Filder, die zum ersten Mal am Start war, siegte in 3:17:25 Stunden. Sie verwies mit einem deutlichen Abstand Bettina Hussak aus Senden (3:38:17) und Verena Lipps vom SV Ludwigsburg 08 (3:48:55) auf die Plätze zwei und drei.
Spontan angemeldet
Ochs wurde erst einen Tag zuvor auf den Lauf aufmerksam, hat sich dann spontan angemeldet – und war total begeistert: „Auch wenn ich aus Ostfildern komme, habe ich noch nichts von dem Lauf mitbekommen. Die Strecke ist toll. Mir gefällt das Wellige, da kann man sich zwischendurch immer wieder erholen.“ Und das scheint ihr ja mit dem Streckenrekord bestens gelungen zu sein. „Durch die Streckenbeschaffenheit lässt sich zwar keine Topzeit erzielen, aber ich bin sehr zufrieden“, ergänzte Ochs, auch mit dem Hintergrund, dass noch ein 100-Kilometer-Lauf in den Knochen steckte.
Auch bei den Männern gab es einen Premierensieg. Hier schnappte sich Claudius Lindel (SG Baienfurt) in einem packenden Finish auf den letzten Metern noch Rang eins vor Lokalmatador Micha Scholer aus Baltmannsweiler, der für die Schurwald-Runners am Start war. Lindel benötigte für die gut 42 Kilometer etwas mehr als drei Stunden: 3:03:26 war am Ende auf der Uhr zu lesen. Damit war er nur um vier Sekunden schneller als Scholer, der das Rennen lange Zeit angeführt hatte und erst auf der Zielgeraden von seinem Kontrahenten abgefangen wurde. Der ehemalige Tennisspieler Lindel, der erst seit eineinhalb Jahren Marathon läuft, war deshalb auch überaus glücklich. „Ich habe niemals damit gerechnet, dass ich jemals einen Marathon gewinnen werde. Einfach mega.“ Ein bisschen erinnerte sich Lindel an das Rennen beim Schwarzwaldmarathon im vergangenen Jahr, als er Zweiter wurde. „Als ich gesehen habe, dass der Zweite wie der Sieger damals von einem Fahrrad begleitet und die ganze Zeit versorgt wurde, war ich so genervt. Ich dachte einfach, den muss ich irgendwie packen und das habe ich dann zum Glück geschafft.“ Damit war auch Lindels Entscheidung, in Lichtenwald an den Start zu gehen und sich gegen den Marathon in Freiburg zu entscheiden, die richtige.
Der Zweitplatzierte Scholer haderte nur kurz mit der knappen Niederlage: „Ungefähr zehn Kilometer vor dem Ende hat meine linke Oberschenkelmuskulatur komplett zugemacht und da konnte ich keinen Druck mehr ausüben. Und nachdem Claudius gegen Ende des Rennens immer näher kam, war mir klar, dass ich in einem möglichen Schlussspurt kaum Chancen haben werde.“ Mit dieser Vermutung sollte Scholer am Ende Recht haben: „Dass es so knapp ausgeht, ist schon irgendwie ärgerlich, aber es war ein fairer Wettkampf und so ist es eben im Sport manchmal.“
Der Termin für das LiWa-Laufevent im kommenden Jahr steht bereits fest, es wird am 19. April über die Bühne gehen. Dann gibt es in Lichtenwald erst recht etwas zu feiern: Das 25-jährige Jubiläum der Traditionsveranstaltung steht an. Und eines dürfte sicher sein: die Anfahrt zur Schurwaldgemeinde wird dann bestimmt nicht einfacher werden. Aber das kennt man ja und es gehört irgendwie dazu.
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