Wo bislang Maultaschen und Rostbraten serviert wurden, geht es jetzt mit Bouillabaisse und Roastbeef internationaler zu. Im altehrwürdigen Zeppelinstüble wird bis auf weiteres eine Dinnershow der dritten Dimension geboten. Le Petit Chef heißt das immersive Format, das nun auch in Stuttgart ein Gastspiel hat. Das neumodische Wort immersiv bedeutet, dass sich dem Besucher durch Projektionen eine virtuelle Welt darstellt, in die er eintauchen kann wie schon in Kunstwerke von Claude Monet. Auch in der Gastronomie haben solche 3D-Spiele in Stuttgart Einzug gehalten – wie zum Beispiel im Arcotel Camino mit der Dinnershow „Seven Paintings“.
Das Format ist weltweit sehr erfolgreich
Le Petit Chef ist eine Erfindung des belgischen Künstlerkollektivs Skullmapping. „Der kleinste Koch der Welt“ ist gerade mal sechs Zentimeter groß und wurde bereits 2015 zum Leben erweckt. In zahlreichen Städten und Restaurants hängen Beamer, die die kleinen Abenteuer von Le Petit Chef auf die Teller und Tische projizieren. Mal müht er sich im Garten, mal kämpft er auf hoher See, am Ende aber bringt er immer irgendwie ein fertiges Gericht zustande, das dann natürlich von echten Servicekräften an den Tisch gereicht wird. Das Essen selbst kann man abgesehen von musikalischen Dauerschleifen in Ruhe genießen, bis dann vor dem nächsten Gang der kleine Koch wieder in Aktion tritt.
Günstig ist der Spaß mit 129 Euro pro Person nicht, aber einige der Zutaten sind hochwertig, wobei das vegetarische Vier-Gänge-Menü genauso viel kostet. Im Classic Menü gibt es Caprese mit einem Carpaccio aus Ochsenherztomaten und bunten Stücken drumherum zu einer großen Kugel Büffelmozzarella mit Pesto. In der publikumsfreundlich milden Bouillabaisse schwimmen immerhin Dorade, Wolfsbarsch, Rotbarbe, Jakobsmuschel und Garnele. Das Roastbeef könnte etwas dicker sein, ist aber rosa gebraten vom Garpunkt gut getroffen. Dazu gibt es Rosmarinkartoffeln und Püree sowie einen bunten Karottenmix und eine sämige Marsalasoße. Der süße Abschluss ist eine Crème Brûlée mit Früchten. Als vegetarische Alternativen werden eine Minestrone und Gnocchi mit Trüffel in einer Gran-Proscociano-Soße serviert.
Handwerklich ist das alles gut gemacht. Allerdings kann es zwischen dem, was real auf dem Teller ist, und dem, was der kleine Koch virtuell zubereitet, einen Bruch geben, weil sich bei einem Beamer pro Tisch die Projektionen nur auf das klassische Menü fokussieren. Man mag die Spielereien etwas kindisch finden – so wie auch der Animationsfilm „Ratatouille“, an den man sich erinnert fühlen kann, ein Kinderformat für Erwachsene oder umgekehrt ist. Es gibt tatsächlich ein Kindermenü für 69 Euro und dem entgegen kommende Spielzeiten. Doch trotz kleiner Detailkritik am Konzept von Le Petit Chef – der Erfolg spricht für sich. Das Format läuft nicht nur in Dutzenden deutschen Städten, sondern weltweit in Metropolen wie Melbourne, Schanghai, Toronto und San Francisco zum Teil seit Jahren. Für die Region Stuttgart hat sich die Steigenberger-Gruppe die Exklusivrechte gesichert, die auch Häuser in Konstanz, Leipzig und Düsseldorf damit bespielt.
Nebenan im Zeppelinos gibt es auch schwäbische Küche
Stammgästen des Zeppelinstübles sei übrigens gesagt: Der echte große Chef heißt Christian Aigner und verantwortet seit einem Jahr die Kulinarik im Haus, wie Angelika Neff vom Hotel Graf Zeppelin berichtet. Sein Herz schlägt auch für die schwäbische Küche mit handgeschabten Spätzle, die es nun bis auf weiteres nebenan im Zeppelinos gibt.
Le Petit Chef
Zeppelinstüble
Die Shows im Zeppelinstüble sind mittwochs und donnerstags um 19 Uhr, freitags und samstags um 17.30 und 20.30 Uhr. Buchbar über das Hotel Graf Zeppelin