Lebensmittelkontrolle in Stuttgart Schimmelkäse und leidende Hunde

Verschimmelter Käse: Ein Ekelfund bei einer Kontrolle Foto: Stadt Stuttgart/Amt für öffentliche Ordnung

Die Dienststelle Lebensmittelüberwachung des Amts für öffentliche Ordnung hat im vergangenen Jahr weniger Betriebe schließen müssen. Aber die Zahl der Beschwerden von Verbraucherinnen und Verbrauchern ist gestiegen – was eine Nachwirkung der Coronazeit sein kann.

Lokales: Christine Bilger (ceb)

Das Jahr 2023 ist für die Stuttgarter Lebensmittelüberwachung das Jahr eins nach Corona gewesen: Zwar waren die Einschränkungen auch 2022 weitgehend außer Kraft. Jedoch habe es bis 2023 gedauert, bis das öffentliche Leben mit allen Festen, Hocketsen und sonstigen Veranstaltungen wieder das Vor-Corona-Niveau erreicht hatte, sagte die Leiterin der Dienststelle, Jana Lohmann, als sie am Montag die Bilanz präsentierte. Dennoch habe man eine leicht niedrigere Kontrollquote gehabt als im Jahr 2019 vor Corona: Im vergangenen Jahr wurden 4735 der 10 869 Betriebe in Stuttgart kontrolliert. Das entsprach einer Quote von 43,3 Prozent. Vor der Pandemie hatte diese bei 45,5 Prozent gelegen. Das habe an organisatorischen und personellen Gründen gelegen, so Lohmann. Unter anderem habe man eine neue digitale Erfassung eingeführt. Die Umstellung darauf und die Schulung dafür habe Zeit in Anspruch genommen – langfristig soll dadurch aber Zeit gespart werden. Neben der Kontrolle der Lebensmittelbetriebe fordere auch der Tierschutz die Dienststelle zunehmend.

 

Ein in dieser Maschine aufgeschäumter Cappuccino schmeckt sicher nicht mehr. Foto: Stadt Stuttgart

Beanstandungen Bei den kontrollierten Betrieben mussten die Lebensmittelkontrolleure 132 Schließungen anordnen. Das geschehe entweder, wenn bei einem – immer unangekündigten – Besuch die Zustände so verheerend und gesundheitsgefährdend sind, dass man sofort einschreiten müsse. Oder aber auch, wenn man bei Nachkontrollen feststelle, dass trotz mehrere Aufforderungen immer noch keine Maßnahmen zur Verbesserung – sichere Elektroanschlüsse, Waschgelegenheiten, oder einfach nur Putzen – vorgenommen wurden. Das waren 32 mehr als im Jahr zuvor. 73 mal mussten größere Mengen verdorbener Lebensmittel vernichtet werden.

Dieser Fisch wurde bei 24 Grad gelagert – viel zu warm. Foto: Stadt Stuttgart/Ordnungsamt

Verbraucherbeschwerden 283 Besuche in Lebensmittelbetrieben wurden angesetzt, weil Verbraucherinnen und Verbraucher sich bei der Stadt gemeldet hatten. Das war etwa gleich häufig wie im Jahr 2022 mit 290 Fällen. Jedoch hätten sich deutlich mehr gemeldet, die den Verdacht hatten, wegen schlechter Lebensmittel krank geworden zu sein. Besonders alarmierend war hier für Jana Lohmann ein Fall: Eine Restaurantbesucherin, die gegen Nüsse allergisch ist, bekam eine Speise mit einem Pesto serviert, das Nüsse enthielt. Diese Zutat hätte auf der Karte als Allergen ausgewiesen werden müssen, so die Dienststellenleiterin. „Das kann bei Allergien auch lebensbedrohlich werden.“ Bei den Beschwerden beobachteten die Kontrolleure einen Trend, der durch Corona ausgelöst worden sei: „Die Verbraucher sind bei Hygieneverstößen sensibler geworden“, sagte Lohmann.

Aus dieser Fritteuse will man keine Pommes mehr haben. Foto: Stadt Stuttgart/Ordnungsamt

Haustiere Immer mehr werde die Dienststelle auch wegen ihrer Aufgabe des Tierschutzes gefordert. Lohmann zeigte bei der Präsentation der Bilanz Bilder eines querschnittsgelähmten Hundes, der sich mit den Vorderbeinen abstützte, aber den Rest des Körpers nur hinterher schleifte. Die Hinterpfoten aufgerissen, inkontinent und abgemagert: Es sei nach einer eingehenden Untersuchung der Entschluss gefallen, das Tier einzuschläfern. Einen Tierrollstuhl habe es abgelehnt. Auch beim Thema Tiere beobachten die Mitarbeitenden der Dienststelle einen „Corona-Effekt“: Zum einen seien das die Tiere, die in der Zeit des Lockdowns angeschafft wurden, aber nun nicht ausreichend betreut werden könnten. „Das sind zum Beispiel Hunde, die den ganzen Tag auf dem Balkon allein sind, während die Halter arbeiten“, erläuterte Lohmann. Noch immer komme es zu Billigangeboten von Rassehundewelpen aus fragwürdigen Zuchten: Wer sich ein Haustier zulegen wolle, sollte bei verdächtig niedrigen Preisen vorsichtig sein. Oft würden solche Geschäfte im Internet abgewickelt.

In gelben Säcken lagert man Plastikabfälle, aber keinen Teig. Foto: Stadt Stuttgart/Ordnungsamt

Volksfest und Frühlingsfest Einen Rück- und einen Ausblick gab Jana Lohman zu den beiden großen Festen auf dem Wasen. Beim Frühlingsfest hatten sich mehr als 700 Besucherinnen und Besucher mit dem Norovirus infiziert. „Wir haben die Ursache nicht gefunden“, sagt sie. Das heißt, dass sie keine verunreinigten Lebensmittel fanden, die in dem betroffenen Zelt den Ausbruch erklärt hätten. Es kann also sein, dass ein „Superspreader“ unterwegs war, und sich die Infektion von Mensch zu Mensch übertrug. Im Vorfeld des bald beginnenden Volksfestes habe man sich mit den Wirten unterhalten. „Wir sind einen Schritt auf die Wasenwirte zugegangen und haben erklärt, welche Rückstellproben sie machen müssen und wie lange diese aufzuheben sind – das bedeutet einfrieren.“ Die Wirte hätten diese Informationen dankbar aufgenommen. „Die wollen ja ,dass der Betrieb läuft“, so die Dienststellenleiterin. Auch während des Festbetriebs werde in den Zelten und an den Ständen kontrolliert.

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