Rund um die Haushaltsberatungen hat es massive Proteste wegen der absehbaren Einsparungen im sozialen Bereich gegeben. Foto: Lichtgut
Höhere Kita-Gebühren, kaum Schulsanierungen und weniger Angebote: Ein Überblick über die wichtigsten Haushaltsbeschlüsse, die Kinder, Jugendliche und Familien betreffen.
Es ist ein Kraftakt gewesen: Der Gemeinderat und die Verwaltungsspitze haben gemeinsam kurz vor Weihnachten den Doppelhaushalt 2026/2027 auf den Weg gebracht. Lange und hart war im Vorfeld darum gerungen worden, was die Stadt in Zeiten knapper Kassen noch finanzieren kann und wo Gebühren erhöht werden müssen. Schnell war klar, dass auch Familien nicht ungeschoren davon kommen würden.
Die Stadt Stuttgart schreibt auf ihrer Homepage: „Die Betreuung und Ausbildung der Jugend nimmt weiter eine herausragende Rolle ein. In den Bereich Schule und Kitas fließen in Stuttgart pro Jahr unterm Strich rund 800 Millionen Euro.“ In keinen anderen Bereich der städtischen Aufgaben würde mehr Geld fließen. Auch bei den Investitionen würden die Schul- und Kita-Bauten klar dominieren. Mehr als ein Viertel der Auszahlungen seien für diese beiden Bereiche vorgesehen. Insgesamt seien im Stuttgarter Doppelhaushalt 2026/2027 rund 1,267 Milliarden Euro für die Teilhaushalte Jugendamt und Schulverwaltungsamt vorgesehen.
Ein Überblick über die wichtigsten Haushaltsbeschlüsse, die Kinder, Jugendliche und Familien betreffen.
Erstens: Kita-Gebühren steigen
Zum ersten Mal seit zehn Jahren erhöht die Stadt Stuttgart ihre Kitagebühren, und zwar wie folgt:
Kosten für einen Gamnztagsplatz steigen zum September 2026 um elf Prozent und zum September 2027 noch einmal um elf Prozent.
Kosten für einen Platz mit sechs- und siebenstündiger Betreuung (VÖ-Platz) steigen zum September 2026 um 7,5 Prozent und zum September 2027 noch einmal um 7,5 Prozent.
Kindergartenkinder (drei bis sechs Jahre)
Kosten für einen Ganztagsplatz steigen zum September 2026 um 7,5 Prozent, zum September 2027 noch einmal um 7,5 Prozent.
Kosten für einen Platz mit sechs- und siebenstündiger Betreuung steigen zum September 2026 um vier Prozent und zum September 2027 noch einmal um vier Prozent.
In den Folgejahren steigen die Kita Gebühren für alle Betreuungsformen gleichmäßig um drei Prozent pro Jahr bis zum Jahr 2031. Konkret bedeutet das, das ein Platz für ein Krippenkind (bis drei Jahre) im Ganztag inklusive Früh- und Spätbetreuung (aber noch ohne Essen) ab 2031 rund 355 Euro und damit knapp 100 Euro mehr als heute kostet. Der gleiche Ganztagsplatz für ein Kindergartenkind (drei bis sechs Jahre) kostet ab 2031 knapp 241,92 Euro und damit gut 50 Euro mehr als bisher.
Immerhin: Wer eine Bonuscard hat, zahlt auch künftig keine Betreuungsgebühren. Wer eine Familiencard hat, bekommt Ermäßigungen.
Private Kitas orientieren sich meistens an den städtischen Gebühren. Auch hier ist daher mit steigenden Elternbeiträgen zu rechnen. Dies vor allem vor dem Hintergrund, dass die freien Träger von Kindertagesstätten künftig weniger Förderung von der Stadt erhalten. Auch das wurde in den Haushaltsberatungen beschlossen.
Zweitens: nur wenig Geld für Schulerweiterungen und -sanierungen
Viele Schulen in Stuttgart sind marode, die Stadt hinkt seit Jahren ihrem selbst aufgestellten Sanierungsprogramm hinterher. Zudem fehlen an vielen Standorten Räume, zum Beispiel für die Ganztagsbetreuung. Vor dem Hintergrund der angespannten Haushaltslage hat der Gemeinderat nun viele Projekte noch einmal verschoben. Doch immerhin sind trotz des Sparhaushalts Investitionen von 200 Millionen Euro in Schulen vorgesehen. Diese Schulfamilien können aufatmen.
Am Wilhelms-Gymnasium in Degerloch soll ein Neubau für den Bereich Naturwissenschaften und Technik (NWT) entstehen. Kostenpunkt: 11,253 Millionen Euro bis 2031.
Auf dem Campus in Stammheim können die neuen Gebäude für die Grundschule und die Park-Realschule in Angriff genommen werden. Kostenpunkt: 80 Millionen Euro bis 2031.
In Möhringen soll ein Modulschulzentrum für die Region Filder auf dem Parkplatz des Königin-Charlotte-Gymnasiums entstehen. Dieses dient nach Fertigstellung als Ausweichquartier für Schulen, deren Räume gerade saniert werden. Das Modulschulzentrum schlägt mit knapp 47 Millionen Euro zu Buche, die bis 2030 finanziert werden sollen.
Gut 20 weitere Großprojekte haben allerdings das Nachsehen – und wurden auf die Zeit nach 2031 verschoben. Unter ihnen ist zum Beispiel die Altenburgschule in Bad Cannstatt, wo der dritte, neun Millionen Euro teure Bauabschnitt im Zuge der Umstrukturierung zur Ganztagsschule nun warten muss. Und das, obwohl das Schulverwaltungsamt den laufenden Betrieb gefährdet sieht, weil Elektrik und Brandschutz mangelhaft sind.
Katja Kuklinski, die Rektorin der Gustav-Werner-Schule, sorgt sich um die Zukunft ihrer Schule. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Auch für die Gustav-Werner-Schule, ein Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum in Zuffenhausen, gib es kein Geld. Schon jetzt platzt die Schule aus allen Nähten, das Vorhandensein von ausreichend Klassenräumen könne langfristig nicht mehr sichergestellt werden, mahnt das Schulverwaltungsamt.
Von den Haushaltskürzungen unberührt bleibt das Schulsanierungsprogramm für kleinere, fachlich priorisierte Projekte und dringend notwendige Projekte.
Drittens: der Ganztag bleibt, Früh- und Spätbetreuung werden teurer
Die gute Nachricht zuerst: Der Ganztag an den Grundschulen bleibt in der gewohnten Qualität erhalten, am Personal und an den Fördermitteln für Kooperationspartner wird nicht gespart. Auch eine Früh- und Spätbetreuung wird es weiterhin geben, allerdings steigen die Elternbeiträge um 20 Prozent. Weil es bei der Schulkindbetreuung aber immer nur um wenige Stunden in den Randzeiten geht, sind die Gebühren insgesamt nicht sehr hoch. Zwei Beispiele:
Die Kosten für die Frühbetreuung steigen von 17 Euro auf 20,40 Euro im Monat.
Die Kosten für eine zweistündige Spätbetreuung steigen von 42 Euro auf 50,40 Euro im Monat.
Schmerzlich ist in diesem Zusammenhang, dass der Ganztag an den weiterführenden Schulen nicht wie ursprünglich vorgesehen ausgebaut wird.
Viertens: Kürzungen bei den freien Trägern
Die Stadt kürzt die Förderungen für die freien Träger der Kinder- und Jugendhilfe ab 2026 um fünf Prozent, und ab 2027 um weitere fünf Prozent. Damit ist es nicht so schlimm gekommen, wie ursprünglich befürchtet. Die Einsparungen werden aber sehr wohl Auswirkungen auf die Angebote der freien Träger haben. Zum Beispiel auf:
die Mobilen Jugendarbeit und die Schulsozialarbeit
Beratungsstellen mit der Folge, das Hilfesuchende noch länger auf Termine warten müssen
Waldheimferien und Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche
präventive Angebote, zum Beispiel zur Gewaltprävention
Fünftens: Mobilität von Kindern und Jugendlichen wird teurer
Es ist nur ein kleiner Posten. Aber zuletzt konnten Schulen bei Ausflügen mit der Klasse für alle Kinder einen kostenloses VVS-Ticket besorgen. Das wird vom kommenden Schuljahr an nicht mehr möglich sein. Für die Maßnahme „Freie Fahrt für Schülergruppen“ hat der Gemeinderat kein Geld mehr zur Verfügung gestellt.