In Leinfelden-Echterdingen ist die Verunsicherung unter Grundschuleltern groß. Ausgelöst hat dies eine Mail, die sie am ersten Schultag nach den Weihnachtsferien im Postfach hatten.

Filderzeitung: Natalie Kanter (nak)

Grundschuleltern in Leinfelden-Echterdingen sind verunsichert und verärgert. Elternvertreter sammeln Stimmen ein, es werden Briefe an die Stadtverwaltung aufgesetzt. Der Anlass: Mütter und Väter haben am ersten Schultag nach den Weihnachtsferien eine Mail von der Schulkindbetreuung in ihrem Postfach gehabt. Die Eltern wurden mit diesem dreiseitigem Schreiben informiert, dass sie ihren Nachwuchs bis zum 15. März und für das neue Schuljahr neu im digitalen Elternportal der Stadt registrieren und anmelden müssen, auch wenn sie schon einen Betreuungsplatz haben. „Wir müssen auch erneut die Arbeitgeber-Bescheinigung über unseren Beschäftigungsumfang hochladen“, sagt Johanna Pressel, die insgesamt drei Kinder hat – darunter einen Jungen, der Grundschüler ist.

 

Eltern vermuten, dass die Karten neu gemischt werden sollen. Sie fragen sich: „Was passiert mit unseren bisherigen Verträgen, kündigt die Stadt uns?“ „Wie wird priorisiert? Wer darf bleiben?“ Sie haben Angst, ihren Betreuungsplatz zu verlieren, denn für die Erstklässler muss es ja in jedem Fall einen Platz geben. Hintergrund ist der Rechtsanspruch auf eine ganztägige Betreuung an Grundschulen, der ab kommenden Schuljahr für die Erstklässler gilt und in den nächsten vier Jahren Zug um Zug auf alle Grundschüler bis zur vierten Klasse ausgeweitet wird.

Ab dem kommenden Schuljahr gilt ein Rechtsanspruch auf eine ganztägige Betreuung an Grundschulden. Foto: Uwe Anspach/dpa

Kurze Betreuungszeit soll in Leinfelden-Echterdingen wegfallen

Im Moment werden die meisten Grundschüler in Leinfelden-Echterdingen entweder bis 14 Uhr oder bis 16 Uhr betreut, weiß Johanna Pressel. An der Zeppelinschule gibt es auch einen Spätdienst – bis 17 Uhr. „Viele Kinder gehen nur bis 14 Uhr in die Betreuung, weil danach Termine im Musik-, oder Sportverein anstehen“, sagt sie. Vom neuen Schuljahr an sollen neue Regeln gelten. Das Betreuungsangebot wird dann nicht mehr so flexibel sein, wie früher. Das hat der Gemeinderat im Mai vergangenen Jahres abgesegnet, gemeinsam mit neuen Gebühren für die Kinder- und Schulkindbetreuung.

In der Öffentlichkeit wahrgenommen wurde vor allem, was die Eltern fortan für die Betreuung zahlen müssen. Zeitgleich wurde beschlossen, dass Familien die Schulkindbetreuung von September an nur noch für mindestens drei Tage und nur noch bis 16 Uhr buchen können. Die kürzere Betreuungszeit soll an allen Schulen wegfallen, wenngleich die Eltern ihre Kinder wohl auch früher abholen können.

Eltern haben ihre Sorgen auch Stadträten mitgeteilt. Barbara Sinner-Bartels (SPD) und David Armbruster (Grüne) haben Bürgermeister Carl-Gustav Kalbfell dazu in der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses neun Fragen in die Hand gedrückt. Sie fordern die Verwaltung auf, in einer der kommenden Sitzungen Stellung zu beziehen. Unterstützung kam seitens der CDU-Fraktion: „Wenn uns aus der Bürgerschaft Fragen erreichen, ist es unserer Job, diese weiterzugeben“, sagte Claudia Zöllmer.

Diskussion über zweite Ganztagsschule in Leinfelden-Echterdingen

„Die Fragezeichen bei der Elternschaft sind groß“, machte der Grünen-Fraktionschef deutlich. „800 Kinder in unserer Stadt nutzen die Schulkindbetreuung“, betonte die SPD-Stadträtin. Und: „Bei der Betreuung bis 14 Uhr, die künftig wegfallen soll, muss man nacharbeiten.“ Beide regten auch eine neue Diskussion über eine weitere Ganztagsschule in der Stadt an.

Bürgermeister Kalbfell hatte zuvor Nerven gezeigt. „Mein Team versteht die Welt nicht mehr“, sagte er. „Wir arbeiten eineinhalb Jahre darauf hin, dass wir diesen Herbst allen Grundschülern eine Betreuung anbieten können.“ Das werde man auch schaffen. Er machte aber deutlich, dass jetzt, wo man sich auf der Zielgeraden befinde, er die Pferde nicht mehr wechseln wolle. „Ein individuelles Wunschmenü: montags von 13 bis 16 Uhr und mittwochs von 14 bis 17 Uhr, werden wir nicht schaffen.“

Kalbfell bat die Eltern um Vertrauen. Die Stadt habe ein Konzept, das aufgehen werde. Er erinnerte daran, dass das Thema, zunächst in einer nicht-öffentlichen Klausur „minutiös aufbereitet wurde“, dass im Kindergartengesamtausschuss darüber gesprochen wurde und, dass der Gemeinderat am 27. Mai mit großer Mehrheit zugestimmt habe. Unserer Zeitung schreibt er: „Mit der Reduzierung der Auswahl an individuellen Betreuungszeiten und Betreuungsmöglichkeiten soll das große gemeinsame Ziel einer verlässlichen Betreuung und damit die Umsetzung des gesetzlichen Rechtsanspruchs für alle Schulkinder erreicht werden.“ Man wolle die Eltern besser informieren. Weitere Elternbriefe, eine FAQ-Liste für die Eltern, eine Information im Amtsblatt und auf der Homepage seien mögliche Optionen. In der Sitzung hatte er über eine öffentliche Infoveranstaltung gesprochen, die er anbieten wolle.