Leinfelden-Echterdingen Sprung über die Gleise: Wettbewerb liefert Zukunftsvisionen für Leinfelden

Otto Ruppaner, Oberbürgermeister von Leinfelden-Echterdingen, spricht in der Filderhalle mit Bürgern über den Siegerentwurf des städtebaulichen Ideenwettbewerbs. Foto: Torsten Schöll

Eine neue „Urbane Mitte“ soll in Leinfelden die Stadtteile östlich und westlich der Bahngleise verbinden. Diese spannenden Ideen hat ein Wettbewerb dazu hervorgebracht.

Mit der Schließung ihres Werks und der angedeuteten Transformation des Geländes in einen „grünen Campus“ aus Forschung und Bildung hat die Firma Bosch den Impuls dafür gesetzt, dass in Leinfelden die Nutzung des Gewerbegebiets östlich der Bahngleise ganz neu überdacht werden kann. Das Bild vom „Sprung über die Bahngleise“ prägt seitdem die Diskussion. Im vergangenen Jahr wurde ein Ideenwettbewerb ausgelobt, der Vorschläge für eine neue städtebauliche Entwicklung des Plangebiets „Urbane Mitte Leinfelden“ hervorbringen sollte.

 

„Diese wirtschaftliche Transformation soll städtebaulich begleitet werden.“

Otto-Ruppaner, Oberbürgermeister

Beauftragt hatte die Stadt drei Planungsbüros aus Stuttgart, den Niederlanden und Tübingen. Unter großem Interesse der Bürgerschaft wurden am Donnerstagabend in der Leinfelder Filderhalle die Ergebnisse des Wettbewerbs präsentiert. Den Siegerentwurf lieferte das Tübinger Architektur- und Stadtplanungsbüro Hähnig/Gemmeke.

Stadtgebiete rechts und links der Gleise sind sehr unterschiedlich

Im Kern geht es beim sogenannten „Sprung über die Gleise“ um die Vernetzung der bislang so verschiedenen Stadtgebiete links und rechts der S-Bahn-Trasse: dort Industriegewerbe, hier kleinteilige Wohnnutzung. Soll der „Sprung“ gelingen, müsste sich das bisherige Gewerbegebiet, das sich allein schon wegen des wirtschaftlichen Strukturwandels stark verändern dürfte, künftig einer vielfältigeren Nutzung öffnen. „Diese wirtschaftliche Transformation soll städtebaulich begleitet werden“, erklärt Leinfelden-Echterdingens Oberbürgermeister Otto-Ruppaner.

Eng damit verbunden und damit ein zentraler Baustein der künftigen Entwicklung ist der Wunsch, die bislang weit verstreute Stadtverwaltung in Leinfelden-Echterdingen in einem neuen zentralen Rathaus zu bündeln. Dessen Standort läge nach den Plänen des Büros Hähnig/Gemmeke direkt östlich des Bahnhofs Leinfelden und damit zugleich vis-à-vis des alten Markplatz-Areals. „Das Rathaus würde als Initialzündung dienen, die Menschen in das heutige Gewerbegebiet hineinzuführen“, erklärt die Architektin Anette Hähnig.

Ein Parkhaus für Fahrräder am Leinfelder Bahnhof

Die bisherige Trennung der Gebiete soll „auf mehreren Ebenen überwunden werden“: Zum einen durch zahlreiche neue, barrierearme Querungen, zum anderen durch „räumliche Verzahnungen mittels neuer Stadtbausteine“. Ein solcher Baustein wäre zum Beispiel ein Fahrradparkhaus inklusive Rampen, die am Bahnhof beidseitig der Gleise die Unterführung barrierefrei erschließen würden. Verzahnung entstünde an den Bahngleisen zudem durch neue Gebäude, urbane Wohnhäuser und Sportstätten, die weitere „Anziehungspunkte für Nutzer beider Seiten der Gleise bilden“, so die Stadtplaner.

Ein zentraler Aspekt des Entwurfs ist die zur „Rue Exterieur“ umgedeutete Daimlerstraße südlich des Bosch-Areals. Eine große Halle entlang der Straße bildet hier einen massiven Riegel, der verschwinden würde. Die Straße wäre das „neue repräsentative Herz“, um das herum ein „attraktiver, multicodierter Freiraum mit Campus-Charakter“ entstehen soll, so das Planungsbüro. Diese Achse würde sich im Osten zur Filderlandschaft öffnen und damit eine Verbindung nach Echterdingen herstellen.

Wie ein Campus: Lernen, Arbeiten und Wohnen mischen sich in Leinfelden

Wichtig: Nördlich der „Rue Exterieur“ würden sich in Zukunft campusähnlich Lernen, Arbeiten und Wohnen mischen. Hier sollen Räume für Start-ups, Forschung, Entwicklung und Hochschule entstehen. Daneben aber auch für Gastronomie, Kitas und Wohnen. Den Campus würde ein engmaschiges Wegenetz durchziehen.

Die Präsentation der Modelle in der Filderhalle stieß auf großes Interesse. Foto: Torsten Schöll

„Das Rathaus würde als Initialzündung dienen, die Menschen in das heutige Gewerbegebiet hineinzuführen.“

Anette Hähnig, Architektin

Die Ideen sehen zudem vor, die bisherigen Gewerbeeinheiten im gesamten Gebiet in Carrés zu unterteilen, um es durchlässig zu machen. Es entstünde eine Nord-Süd-Achse, entlang derer sogenannte „Zwillinge“ aus Parkhäusern und einem weiteren Gebäude errichtet werden würden, die der sozialen Nutzung (Kitas, Fitness) dienen. „Das würde die Parkplatzsituation im ganzen Gewerbegebiet entschärfen“, erklärt Hähnig. Im Osten des Gewerbegebiets würde eine neue, locker bebaute Kante eine Verzahnung zur Landschaft entstehen lassen.

Auch die Verkehrsführung denken die Planer neu: Um die Max-Lang-Straße vom Schwerlastverkehr zu entlasten, sollten vor allem Lkw gleich im Norden, nahe der Autobahn, in das Gewerbegebiet einfahren, um es in sogenannten Loops zu durchqueren. „Nach dem Entladen sollten sie das Gebiet auch wieder im Norden verlassen“, sagt Hähnig. Langfristig dürfte der Schwerlastverkehr auch im Süden nicht mehr in Richtung Echterdingen fahren, um auch Echterdingen zu entlasten.

Westlich der Bahngleise sieht der Plan Veränderungen rund um den „Alten Markt“ vor. Das bisherige Rathaus könnte zum Bürgerhaus umfunktioniert werden. „Ergänzt durch das umgebaute Feuerwehrhaus und ein Generationenhaus mit Tagespflege entsteht hier ein neuer gemeinschaftlich-sozialer Schwerpunkt“, so die Stadtplaner.

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