Leonberg ändert Baupläne Alte Schuhfabrik Leonberg: Sozialer Wohnungsbau zur Hälfte gestrichen

Die Alte Schuhfabrik in der Leonberger Stadtmitte steht leer, hier wird neu gebaut. Foto: Simon Granville

Lange haben Leonberger Künstler für ihr Domizil gekämpft. Nun steht fest, was aus dem alten Gemäuer am Rande der Altstadt werden soll.

Leonberg: Thomas K. Slotwinski (slo)

Ein langwieriges wie zähes Ringen um eine Immobilie in bester Leonberger Innenstadtlage geht in die Zielgerade. Auf dem Gelände der Alten Schuhfabrik soll ein Quartier mit Wohnungen, Handel und Gewerbe entstehen. Damit rückt der Gemeinderat von seinem vor gut einem Jahr getroffenen Beschluss ab, auf der Fläche zwischen Altstadt und Rathaus ausschließlich sozialen Wohnungsbau zu realisieren.

 

Der Anstoß zu diesem Sinneswandel kommt aus dem Rathaus selbst. „Die Realisierung von zu 100 Prozent gefördertem Wohnraum ist angesichts gestiegener Baukosten und anspruchsvoller Förderbedingungen wirtschaftlich herausfordernd“, erklärt das zuständige Gebäudemanagement, das zum Dezernat von Baubürgermeister Klaus Brenner gehört. Eine „moderate gewerbliche Nutzung“ könne hingegen „die Projektfinanzierung stabilisieren, das Investitionsrisiko reduzieren, die Realisierungschancen erhöhen und einen angemessenen Grundstückserlös sichern“.

Alte Schuhfabrik: beliebte „Lange Kunstnächte“ in marodem Gebäude

Im Klartext: Bei einem Vorhaben, bei dem ausschließlich sozialer Wohnungsbau umgesetzt werden soll, halten die Experten des Gebäudemanagements eine erfolgreiche Investorensuche für sehr schwierig. Ein Baustart könne damit in weite Ferne rücken. Schon jetzt gehört die Alte Schuhfabrik, in der bis in die Siebzigerjahre hinein tatsächlich Schuhe hergestellt wurden, zu den Dauerthemen in der Leonberger Stadtentwicklung.

Schon seit Jahren wird über die Zukunft des mehr als 125 Jahre alten Gebäudes gestritten. Nach dem Auszug der Schuster ließen sich hier Künstler nieder. 44 Jahre lang gab es Gemeinschaftsateliers, während der „Langen Kunstnächte“ in Leonberg und bei anderen Gelegenheiten war die Schuhfabrik ein stark frequentierter Ausstellungsort – bei dem die Besucher aber nicht nur Kunst sahen, sondern auch ein marodes Gebäude.

Ein Bild aus besseren Tagen: Der Musiker Markus Klohr während einer Kunstnacht in der Alten Schuhfabrik. Foto: Granville

Eine sachgerechte Sanierung hätte Millionen verschlungen. Geld, das die Stadt nicht hat. Dies war die Mehrheitsauffassung im Gemeinderat. Die an der Eltinger Straße ansässigen Künstler kämpften für ihr Verbleiben, gründeten sogar den Verein Kulturfabrik. Eine Kompromissvariante, eine Kombination aus Wohnraum und Kulturnutzung, scheiterte ebenfalls an der Finanzierung. Am Ende entschieden sich die Stadträte für ein alleiniges Wohnungsprojekt, um den unvermindert großen Bedarf an bezahlbarem Wohnraum zu decken.

Investoren gesucht – nur die Grünen sind gegen neues Konzept

Es war ein hehrer, doch wie sich jetzt herausstellt, kaum umsetzbarer Wunsch. Wohnungen soll es auf dem Gelände der Schuhfabrik nun aber dennoch geben, zur Hälfte sozial gefördert. Durch die Ansiedlung von Einzelhandel soll eine Angleichung zum in direkter Nachbarschaft entstehenden Postareal ermöglicht werden. Mit der Investorensuche will die Stadt ein Immobilienfachunternehmen der Landesbank LBBW beauftragen. Vorher muss noch geklärt werden, mit welchen Fördergeldern die Stadt Leonberg rechnen kann.

Bei der Abstimmung im Gemeinderat blieben allein die Grünen bei ihrer Ablehnung. „Eine lebenswerte Stadt besteht nicht nur aus Wohnflächen, sondern auch aus kultureller Begegnung“, sagte deren Stadträtin Gudrun Sach. Der SPD-Fraktionschef Ottmar Pfitzenmaier bedauerte, dass die Chance vergeben wurde, „städtische Grundstücke in bezahlbaren Wohnraum umzuwandeln“. Sein CDU-Kollege Oliver Zander begrüßte hingegen, dass nun auch Wohnungen „für Normalverdiener“ kämen. Stephan Schwarz (Freie Wähler) verwies darauf, dass immerhin die Hälfte des Wohnraums sozial gefördert werde.

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