Die Schwulenbar Goldener Heinrich im Leonhardsviertel ist seit etwa drei Wochen geschlossen. Foto: /privat
Der Goldene Heinrich an der Leonhardstraße stammt aus den 1920ern und zählt zu den ältesten Schwulenbars in Deutschland. Nun aber ist das Lokal geschlossen. Die queere Community bevorzugt andere Treffs. Wie geht es dort weiter?
Wenn die Macher des Blogs Unnützes Stuttgartwissen bei ihrer Rainbow-Tour die Gäste an Orte führen, die in der Geschichte der CSD-Bewegung eine wichtige Rolle spielen, geht’s mitten ins Leonhardsviertel hinein. Vor einer rustikal wirkenden Fassade an der Leonhardstraße 3 bleibt die Stadtführerin stehen und erklärt: „Im kleinsten Rotlichtviertel Deutschlands sind Lokale der LGBTTIQ-Community angesiedelt – der Goldene Heinrich gilt als die älteste noch existierende Schwulenbar in Deutschland.“ Das genaue Eröffnungsjahr sei zwar nicht bekannt, darüber habe man keine Aufzeichnungen gefunden. Doch in den 1920ern müsste diese Bar gestartet sein. –
Es waren jene Jahre, in denen Schwule sich verstecken mussten und dabei Raffinesse bewiesen. Der Goldene Heinrich sieht aus, als sei er aus der Zeit gefallen – und existiert seit etwa drei Wochen nicht mehr. Eigentlich müsste diese Institution des früheren schwulen Lebens ab- und im Stadtpalais wieder aufgebaut werden.
Die geschlossene Gaststätte wird in der bisherigen Form wohl nicht mehr eröffnet. „Es ist die Frage, ob man das Konzept der ältesten Schwulenbar so weiterführen kann“, sagt der langjährige Betreiber Raphael Fromm, „denn die Gäste sind leider weggestorben.“ 15 Jahre habe er das Lokal geführt, seit seiner Übernahme seien 60 bis 70 Stammgäste gestorben. Zugleich seien so gut wie keine jungen Leute nachgekommen, höchstens am Wochenende Studierende. „Das schwule Publikum ist immer weniger geworden“, berichtet Fromm, „weil es auch nicht mehr schwul weggehen will.“ Hinzu käme, dass der Hauseigentümer die Pacht erhöht habe. Seit Wochen werde das Lokal mehreren Gastronomen angeboten, aber es habe nur Absagen gegeben. Ein neues Konzept müsse also her – und dafür müsse hoch investiert werden.
Das Leonhardsviertel hat eine der ältesten Schwulenbars Deutschlands verloren. /Horst Rudel
Der Goldene Heinrich wird Stuttgarter Gastronomen angeboten
Zum Goldenen Heinrich gehörten zehn Zimmer. Zuletzt lebten sozial schwache Menschen zu günstigen Mieten darin. Doch dann hat die Stadt fehlende Notausgänge und unzureichenden Brandschutz beanstandet, weshalb man Zimmer schließen musste. Inzwischen stehen alle Wohnmöglichkeiten über der Gaststube leer. Die Vermietung war für den Betreiber des Goldenen Heinrichs eine wichtige Einnahmequelle.
Patrick Mikolaj vom Unnützen Stuttgartwissen, der Stadtführungen organisiert, eine davon als Zeitreise in die queere Geschichte der Stadt, begrüßt es, dass die Rainbow-Community sich nicht mehr in dunklen Lokalen verstecken muss. Ein Beispiel dafür sei das Reboots an der Bopserstraße. Als dieser Gaytreff noch Boots hieß, seien die Fenster mit Holzverschlägen abgeschirmt gewesen. Die neuen Wirte haben die Fenster geöffnet.