Die Initiative Bücheralarm startet die Produktion einer neuen Podcast-Serie für Drei-bis Sechsjährige. In Stuttgarter Kitas entstehen die ersten zehn Folgen, der Auftakt war in Bad Cannstatt – und die Kleinen haben wahrlich viel zu erzählen.
Alles beginnt mit einem kleinen orangefarbenen Koffer: klick, klack. Darin versteckt in einem Täschchen ein Mikrofon, ein Ladekabel und eine Speicherkarte. „Und dann kann es schon losgehen mit dem Leseabenteuer“, flüstert Lena Stenz den acht gespannt wartenden Kitakindern zu. Der allererste Stuttgarter „Bücheralarm-mini“-Podcast entsteht.
Podcasts bisher nur mit Kindern im Schulalter
Passend zur bevorstehenden Adventszeit hat die Gründerin der Initiative Bücheralarm das Kinderbuch „Funkelfenster“ mit nach Bad Cannstatt ins Kinder- und Familienzentrum Maria Regina gebracht. Untertitel: „Wie Weihnachten ein Fest wurde“. Mit acht Kindern zwischen vier und sechs Jahren produziert die 51-Jährige aus dem hessischen Hofheim am Montagvormittag in der Kita deutschlandweit die erste offizielle Folge in der Podcast-Reihe „Bücheralarm-mini“. Bisher wurden die Podcasts der Initiative ausschließlich von und mit Kindern im Schulalter hergestellt.
„Mich haben immer wieder Anfragen erreicht, ob auch jüngere Kinder von der Leseförderung mit Podcast profitieren können“, erklärt Stenz. Nach einer kurzen Pilotphase entstehen deshalb nun in zehn Stuttgarter Kitas die ersten zehn Folgen der neuen Serie. Die Idee hinter „Bücheralarm-mini“: Der Podcast für die Kleinen soll kein Hörbuch sein. Vielmehr unterhalten sich die Kindergarten-Kinder nach kurzen Vorlesesequenzen über das Gehörte oder über die vielen lustigen Details aus der Geschichte. Nachdem Stenz in Stuttgart selbst die ersten Aufnahmen macht, sollen später ihre Stuttgarter Mitarbeiterin Julia Dahlinger oder eine eingewiesene Erzieherin diese Aufgabe übernehmen. „Auf die Podcasts kann über die Internetseite von Bücheralarm oder über die bekannten Podcast-Plattformen zugegriffen werden“, sagt Stenz.
Es geht um die crossmediale Leseförderung
Das neue Projekt zur crossmedialen Leseförderung wird in Stuttgart von der Stuttgarter Kinderstiftung finanziert. „Für uns ist die alltagsintegrierte Sprachförderung sehr wichtig“, betont Kinderstiftung-Geschäftsführerin Silke Schmidt-Dencker. „Bei dem Fachkräftemangel in den Kitas ist oft wenig Zeit, mit den Kindern zu sprechen und zu rekapitulieren, was sie gesprochen haben.“
Die Idee zur Zusammenarbeit mit der bundesweit agierenden Initiative Bücheralarm entsprang, laut Schmidt-Dencker, einem Runden Tisch aus Trägern, Erziehern, Logopäden und dem Jugendamt. Einer der daraus entwickelten Ansätze war – neben dem Sichtbarmachen von vorhandenen Projekten –, die Projekte selbst direkt in die Einrichtungen zu bringen. „Mit dem ‚Bücheralarm-mini‘ tun wir genau das.“
Erste Hördateien sollen kommende Woche online gehen
Die Leiterin des Kinder- und Familienzentrums im Stadtteil Hallschlag, Lucia Loewes, zeigt sich begeistert vom Projekt: „Der Podcast ist ein super Medium, mit dem Kinder ihre Sprachkompetenzen erweitern und ganz viel dabei lernen können.“ Die Kita besuchen zu 80 Prozent Kinder mit Migrationshintergrund. Lucia Loewes ist sich sicher, dass viele Eltern auf die Hördateien zugreifen werden.
Super finden die Weihnachtsgeschichte und die spannende Aufnahme mit dem Mikrofon offensichtlich auch die acht Kinder, die sich am Montag an der Produktion beteiligen. Sie wollen Lena Stenz nicht gehen lassen, bevor sie das ganze Buch fertig gelesen hat. Die ersten Hördateien aus den Stuttgarter Kindergärten sollen schon kommende Woche online gehen.