Es ist Lesbian Visibility Week: Hier sind acht Bücher mit lesbischen Charakteren – von poetisch bis politisch, von Comic bis Coming-of-Age. Geschichten, die sichtbar machen.

Filderzeitung: Sandra Belschner (sbr)

Es ist Lesbian Visibility Week und wir haben die passenden Buchempfehlungen für euch. Geschichten, die zeigen, was oft unsichtbar bleibt: lesbisches Leben in all seinen Facetten. Wir haben acht Empfehlungen gesammelt, die unterschiedlicher nicht sein könnten – von poetisch bis politisch, von Comic bis Coming-of-Age. Alle erzählen von Liebe, Identität und dem Mut, sichtbar zu sein. Viel Spaß beim Lesen!

 

„Fatima“ von Çiler Ilhan

Çiler Ilhan erzählt in „Fatima“ von einer jungen Frau, die zwischen Welten navigiert: zwischen familiären Erwartungen und der eigenen Sehnsucht, zwischen Tradition und Selbstbestimmung. Fatima verliebt sich in eine Frau – und plötzlich wird alles komplizierter. Der Roman zeigt, wie queere Identität und kulturelle Zugehörigkeit sich gegenseitig prägen, herausfordern und manchmal auch zerreißen können. Ilhan schreibt ohne zu vereinfachen, mit Respekt für die Widersprüche, in denen ihre Protagonistin lebt.

Für alle, die Geschichten suchen, die nicht in Schubladen passen – und genau deshalb so wichtig sind.

„Fatima“, Ullstein, 192 Seiten

„In ihrem Haus“ von Yael van der Wouden

Yael van der Wouden Roman ist intensiv, atmosphärisch und manchmal fast bedrückend. „In ihrem Haus“ erzählt von zwei Frauen, deren Beziehung sich in einem abgelegenen Haus entfaltet – fernab von gesellschaftlichen Normen, aber nicht frei von inneren Konflikten. Yael van der Wouden beschreibt Nähe und Isolation gleichermaßen eindringlich, und man spürt auf jeder Seite die Spannung zwischen Freiheit und Abhängigkeit. Ein Buch über Liebe, die nicht immer leicht ist, und über Räume, die Schutz bieten und gleichzeitig einengen können.

Für alle, die beim Lesen gern in andere Welten eintauchen – auch wenn diese Welten manchmal unbequem sind.

„In ihrem Haus“, Gutkind Verlag, 320 Seiten

„Sunburn“ von Chloe Michelle Howarth

Sommer, Sonne, erste Liebe – und dann wird alles kompliziert. Chloe Michelle Howarth erzählt in „Sunburn“ von der Intensität jugendlicher Gefühle, von Begehren, Unsicherheit und dem Mut, zu sich selbst zu stehen. Die Geschichte ist leicht zu lesen, aber nicht oberflächlich: Howarth fängt ein, wie sich queere Identität in der Jugend anfühlt, wenn alles gleichzeitig aufregend und überfordernd ist. Ein Roman, der Sommerleichtigkeit mit emotionaler Tiefe verbindet.

Für alle, die sich gern an erste Schmetterlinge im Bauch erinnern – und wissen, dass diese Gefühle nie wirklich verschwinden.

„Sunburn“, Pola/Bastei Lübbe, 336 Seiten

„Woman“ von Chloé Caldwell

Eine junge Autorin zieht in die Großstadt und verliebt sich – zum ersten Mal und auf den allerersten Blick in eine Frau. Finn ist neunzehn Jahre älter, hat ein unwiderstehliches Lächeln und lebt in einer festen Beziehung mit ihrer Partnerin. Hals über Kopf stürzt die Erzählerin sich in eine Affäre, die ihr in Sachen Selbstwahrnehmung komplett den Boden unter den Füßen wegzieht. Ist sie, die sich bislang immer nur zu Männern hingezogen gefühlt hat, etwa lesbisch? Chloé Caldwell erzählt nicht nur von Liebe, Sexualität und Identität, sie stellt vor allem auch die Frage, ob es nötig und möglich ist, sich diesbezüglich glasklar zu definieren. Ein literarisches Portrait einer queeren Liebesbeziehung – und zugleich ein echter Pageturner.

Für alle, die sich schon mal gefragt haben, ob Liebe wirklich Etiketten braucht – und beim Lesen nicht mehr aufhören können.

„Women“, Eichborn, 192 Seiten

„Outdrawn“ von Deanna Grey

Rivals to Lovers, sapphische Romance und jede Menge Spannung – „Outdrawn“ von Deanna Grey ist das perfekte Buch für alle, die beim Lesen gern mitfiebern und am Ende ein warmes Gefühl im Bauch haben wollen. Zwei Frauen, die sich zunächst nicht ausstehen können, kommen sich näher, als ihnen lieb ist. Grey schreibt humorvoll, romantisch und mit genau der richtigen Portion Drama. Ein Wohlfühlbuch, das trotzdem mehr ist als nur leichte Unterhaltung.

Für alle, die Lust auf Romance haben – und wissen, dass Liebe manchmal mit Konkurrenz anfängt.

„Outdrawn“, Deanna Grey, 403 Seiten

„Den Mund voll ungesagter Dinge“ von Anne Freytag

Anne Freytag erzählt in „Den Mund voll ungesagter Dinge“ von Sophie, die sich in Alex verliebt – und plötzlich merkt, dass ihre Gefühle nicht in das Schema passen, das andere für sie vorgesehen haben. Der Roman ist ehrlich, berührend und manchmal schmerzhaft, weil er zeigt, wie schwer es sein kann, die eigenen Worte zu finden. Freytag schreibt nah an ihren Figuren, und man spürt auf jeder Seite, wie wichtig es ist, endlich auszusprechen, was lange ungesagt geblieben ist.

Für alle, die Bücher lieben, die gleichzeitig zart und mutig sind.

„Den Mund voll ungesagter Dinge“, Heyne Verlag, 400 Seiten

„Meine lesbische Erfahrung mit Einsamkeit“ von Nagata Kabi

Nagata Kabis autobiografischer Comic ist radikal ehrlich. „Meine lesbische Erfahrung mit Einsamkeit“ erzählt von Depressionen, Isolation, dem Kampf mit der eigenen Sexualität und dem Weg, sich selbst anzunehmen. Kabi zeichnet ihre Geschichte mit klaren Linien und ohne Beschönigung – und gerade deshalb ist dieser Comic so kraftvoll. Es geht um psychische Gesundheit, queere Identität und die Frage, wie man lernt, mit sich selbst zu leben.

Für alle, die wissen wollen, dass sie nicht allein sind – und dass Heilung kein gerader Weg ist.

„Meine lesbische Erfahrung mit Einsamkeit“, Carlsen, 144 Seiten

„Aufzeichnungen eines Krokodils“ von Qiu Miaojin

Qiu Miaojins Roman ist ein Meisterwerk der queeren Literatur – intensiv, poetisch und manchmal schwer auszuhalten. „Aufzeichnungen eines Krokodils“ erzählt von einer jungen Frau in Taiwan, die mit ihrer Sexualität, ihrer Einsamkeit und der Brutalität der Welt ringt. Qiu Miaojin schreibt mit einer Dringlichkeit, die unter die Haut geht, und erschafft Bilder, die lange nachwirken.

Für alle, die bereit sind für Literatur, die nicht loslässt – und die zeigt, wie wichtig Sichtbarkeit ist.

„Aufzeichnungen eines Krokodils“, Ulrike Helmer Verlag, 320 Seiten