Wolfgang Schorlau und sein Held Georg Dengler geraten in die Windmühlen der großen Stromkonzerne. Foto: Stefanie Schlecht
Der berühmte Krimischriftsteller Wolfgang Schorlau hat sein neues Buch in Böblingen vorgestellt. Nicht nur er findet Windkraft gut, auch sein Ermittler. Ein spannendes Thema – gerade in Böblingen.
Der Krimi-Autor Wolfgang Schorlau, 74 Jahre alt, ist bekannt für exzellente Recherche und einen klaren politischen Standpunkt, den man vielleicht nicht immer teilt. Aber am Montag bei der Initiative Windkraft Böblingen war die Zustimmung ungeteilt. Nicht nur bei den mehr als 100 Gästen, sondern auch beim Podium mit der Umweltministerin Thekla Walker. Eingeladen hatte die katholische Erwachsenenbildung.
Wolfgang Schorlau sagte, er wolle besser verstehen, warum Deutschland so rapide nach rechts abrutschte und welche Themen rechte und allzurechte Parteien besetzten. „Das Thema Migranten wird in drei Jahren durch sein“, weissagte Schorlau, „jetzt wird das Thema Windkraft in Stellung gebracht.“ Auch im Konsens mit dem US-Präsidenten Donald Trump und seinem Satz: „Drill, Baby, Drill.“ Anlass für Schorlau, um beim Drill-Thema tiefer zu bohren, um mal im Bild zu bleiben.
Auf dem Pro-Windkraft-Podium waren (v. l.) Harald Grumser, Gebhard Gentner, Thekla Walker, Ute Reutter und Wolfgang Schorlau. Foto: Stefanie Schlecht
Es ist der elfte Fall seines Helden Georg Dengler, Privatermittler aus Stuttgart. Die Leiche liegt auf dem Feldberg und der Mord geschieht im Zusammenhang mit dem Bau eines Windrades. Zwar hat niemand hat so richtig etwas gegen Windräder, nur eben wollen die Stromkonzerne nicht, dass Genossenschaften oder kleine Gemeinden die Windräder bauen. Denn die großen Konzerne wollen das Geschäft selber machen.
In seinem neuen Buch „Black Forest“ rollt Schorlau erstmals die Familiengeschichte seines Helden Georg Dengler aus. Da gibt es die betagte Mama, die einen Bauernhof unterhalb des Feldbergs führt und auf deren Grundstück das Windrad stehen soll, da gibt es den Enkel, der von vegetarisch zu vegan schlittert und dem man besser nicht beibringt, wie man Fliegen totschlägt und Hühnersuppe kocht.
Der Pakt zwischen rechts und ultrarechts
In seinem Roman breitet Schorlau eine Art Verschwörungstheorie aus: Stromkonzerne und Werbeleute paktieren mit rechts und ultrarechts. Mit immer neuen Horrornachrichten schaffen es die Werbeleute, in den Bürgern das Gefühl einer nicht enden wollenden Weltkrise zu erzeugen und in Hoffnungslosigkeit versinken zu lassen. „Wir wollen, dass sich die Leute ohnmächtig fühlen“, lässt er einen Bösewicht sagen, „und eine Regierung herbei sehnen mit einem starken Mann als Retter.“
Mit schreiberischer Eleganz lässt er die Familie Dengler über die Windkraft diskutieren. Ja, es stimmt, dass jedes Jahr 100 000 Vögel durch Windräder sterben, im Schnitt pro Windrad also alle drei bis vier Jahr einer. Katzen fressen pro Jahr etwa 150 Millionen Vögel und an Fensterscheiben verunglücken jährlich noch einmal so viele. Ja, es stimmt, dass Windräder Infraschall aussenden, nur geht der im Konzert der natürlichen Infraschall-Quellen von Bäumen, Wind, Regen, Meer unter. Dabei sollte man allerdings auch berücksichtigen, dass man Infraschall nicht hören könne – daher der Name.
Humorige Nebengeschichten
Schorlau ist voller humoriger Nebengeschichten nicht nur bei der Recherche, wenn er einen Ökoranger fragt, wo man am Feldberg am besten jemanden umbringt, sondern auch in seinem Roman, wenn er einen Bauern heimlich Auerhahn-Kot ausbringen lässt, um aus Naturschutzgründen Windräder zu verhindern. Was den Helden Georg Dengler allerdings so rabiat macht, dass er ihm die Daumenballen zerdrückt, um die Wahrheit aus ihm rauszubringen – bei der Wahrheit hört der Spaß wohl auf.
Während der anschließenden Podiumsdiskussion brauchte es keine Daumenschrauben für das Bekenntnis zur Windkraft, denn es waren nur Befürworter da: So etwa Harald Grumser, der Chef von AI-Express, dem KI-Start-up- und Innovationszentrum in Böblingen. Er beklagte den „fürchterlichen Konservatismus in der Gesellschaft, an Kohle und Atomstrom festhalten zu wollen“. Windkraft sei der günstigste Strom überhaupt; „Wenn wir den Wohlstand halten wollen, dann brauchen wir die Windkraft.“
Eine Diaspora erneuerbarer Energien
Der Chef der Sindelfinger und Schwäbisch Haller Stadtwerke Gebhard Gentner nannte den Landkreis Böblingen „eine Diaspora der erneuerbaren Energien“. Wenn immer über die negativen Folgen von Windkraft diskutiert würde, würden die Folgen der althergebrachten Energieerzeugung übersehen. „Für den Braunkohle-Tagebau werden ganze Dörfer vernichtet und bis zu 6000 Menschen umgesiedelt, und wir diskutieren hier über 30 Stunden Schattenschlag.“ Es könne nicht sein, dass der Ausbau der erneuerbaren Energie wegen einer lauten Gruppe, und damit meinte er die Windkraftgegner, zum Stillstand komme.
Die baden-württembergische Umweltministerin Thekla Walker sprach über die Dynamik, die sich im Land entwickele. Es habe in den letzten Jahren einen Zuwachs von 65 Prozent bei der Windkraft gegeben, über 1000 Projekte seien vorgestellt worden, Hunderte verwirklicht. Es sei ein Mythos, dass die hohen Energiepreise durch die erneuerbaren Energien stammen: Sie kämen von den fossilen Energien und von der Atomkraft. Sie redete auch der Industrie das Wort, die billige regenerative Energie brauche und sagte: „Wir haben jetzt gute Chance, das durchzuziehen und sollten keine ideologischen Grabenkämpfe unternehmen, die uns Zeit kosten.“
Als Ute Reutter, die Chefin der katholischen Erwachsenbildung, ein Schlusswort forderte, wünschte sich Harald Grumser: „Mehr Zuversicht in die Zukunft.“ Gebhard Gentner sagte schlicht. „Wir brauchen den Klimaschutz.“ Thekla Walker hatte ein sehr schwäbisches Argument: „Warum teuer Gas und Öl im Ausland einkaufen, wenn man Strom günstig selbst produzieren kann.“
Nur der Autor Wolfgang Schorlau schwieg, er ließ stattdessen die Mama Dengler sprechen: „Schön sind sie nicht, aber man braucht sie halt.“
Der Autor und sein Roman
Autor Wolfgang Schorlau ist ein deutscher Schriftsteller und Autor politischer Kriminalromane, in denen er Kritik an den gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen und Hintergrundrecherchen mit spannenden Erzählelementen verbindet. Mehrere Romane wurden verfilmt. Schorlau lebt als freier Schriftsteller in Stuttgart.
Roman Wolfgang Schorlau: Black Forest. Denglers elfter Fall. Kiepenheuer & Witsch. Köln 2024. 443 Seiten. 18 Euro.