Auf welcher Schule geht es für die jetzigen Viertklässler nach dem Sommer weiter? In Baden-Württemberg zählt dabei seit vergangenem Jahr nicht mehr nur der Elternwille. Foto: picture alliance/dpa
Etwa 19 Prozent der Viertklässler haben doch noch den Sprung aufs Gymnasium geschafft. 2025 waren es wesentlich mehr. Warum fiel der Potenzialtest in diesem Jahr so schlecht aus?
Für manche Kinder ist der Potenzialtest die letzte Chance, um den Sprung aufs Gymnasium doch noch zu schaffen. Denn seit der Wiedereinführung der verbindlichen Grundschulempfehlung braucht es für den direkten Weg zum Abitur entweder ausreichend gute Noten im Halbjahreszeugnis der vierten Klasse oder ein Ergebnis auf gymnasialen Niveau im Kompass-4-Test. Ist keine der beiden Voraussetzungen erfüllt, können die Mädchen und Jungen noch am sogenannten Potenzialtest teilnehmen.
Das haben in diesem Jahr 2744 von ungefähr 100.000 Viertklässlerinnen und Viertklässlern in Baden-Württemberg getan. Im vergangenen Jahr waren es 2776 Kinder, also 32 mehr. Diese Zahlen nennt das Kultusministerium in einer aktuellen Pressemitteilung. Von den Teilnehmenden haben 518 Mädchen und Jungen und damit 19 Prozent bestanden, sie können in der fünften Klasse am Gymnasium weiter lernen.
2025 hatten deutlich mehr, nämlich 31 Prozent, den Potenzialtest bestanden. Das Ministerium betont jedoch, der Test sei genauso schwer gewesen wie im vergangenen Jahr. „Somit kann davon ausgegangen werden, dass sich das Teilnehmerfeld etwas schwächer dargestellt hat als im Vorjahr“, heißt es in der Pressemitteilung.
Zudem hätten in diesem Jahr mehr Schülerinnen und Schüler bereits über Kompass 4 eine Gymnasialempfehlung erhalten. „Dies deutet darauf hin, dass ein Teil der leistungsstärkeren möglichen Potenzialtest-Kandidatinnen und -Kandidaten nicht mehr vertreten war“, so die Analyse des Ministeriums.
„Weitere Zugangsmöglichkeit zum Gymnasium“
Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) sagt: „Mit dem Potenzialtest liefern wir unseren Schülerinnen und Schülern eine weitere Zugangsmöglichkeit zum Gymnasium.“ Dass die Quote von Jahr zu Jahr variiere, habe man erwartet. „Sie hängt stark mit dem jahrgangsbedingt schwankenden Leistungsniveau des Teilnehmerfelds zusammen“, sagt Schopper.
Der Potenzialtest besteht aus:
einem Mathe-Teil
einem Deutsch-Teil
einem überfachlichen Teil, in dem es vor allem um logisches Denken geht
In diesem Jahr schnitten die Schülerinnen und Schüler vor allem im zuletzt genannten Bereich gut ab.
Die Rückmeldungen der Lehrkräfte zur Organisation des Potenzialtests seien sehr positiv gewesen, schreibt das Kultusministerium. Im vergangenen Jahr, als der Test sehr kurzfristig eingeführt worden war, hatte es viel Kritik von Lehrkräften, Schulleitungen und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) gegeben.