Levin Goes Lightly hat eine Erfahrung hinter sich, die für ihn noch schlimmer war als der Corona-Lockdown war. Foto: Tapete/Marina Mónaco
Elektropop-Romantiker Levin Goes Lightly feiert in Stuttgart die Veröffentlichung seines neuen Albums. Wenn ihn „Numb“ nicht endlich zum Cold-Wave-Superstar macht, ist der Welt nicht mehr zu helfen.
Levin Goes Lightly kann alles außer wütend. „Ich wollte eigentlich so einen richtigen Hate-Song über diese Sache schreiben“, sagt der Mann, der eigentlich Levin Stadler heißt, „aber der hat irgendwie gar nicht funktioniert.“ Er sitzt in einem Café in der Stuttgarter Innenstadt und erzählt noch einmal davon, wie ihn das Vertrauen in einen Bandmanager 13 000 Euro gekostet hat. Sämtliche Gagen einer Tour hat dieser unterschlagen, sämtliche Versuche, das Geld zurückzubekommen, sind bisher gescheitert. „Das war für mich eine noch schlimmere Erfahrung als Corona.“
Um 13 000 Euro geprellt
Und die Sache hat auch dafür gesorgt, dass „Numb“, das neue Album des 35-Jährigen, mit großer Verspätung fertig wurde. Dennoch gibt es nicht nur keinen Hasssong auf der Platte, Stadler versucht darüberhinaus sogar, Verständnis für den Mann aufzubringen, der eigentlich ein Fan war, der sich dann aber selbst in eine offenbar ausweglose Situation gebracht hat.
Dieser Geist des Wohlwollens passt dann auch viel besser zu der Musik von Levin Goes Lightly, in der es nichts Gehässiges gibt. Die Songs auf „Numb“ sind Oden auf die Schönheit der Traurigkeit und die Traurigkeit der Schönheit. Ausgangspunkt der Stücke ist fast immer ein Beat oder ein Loop – gerne gebastelt aus Sound-Fundstücken. Das kann man nachhören auf so grandiosen Nummern wie „Fleck“, „Trick“ oder „Headbanging“ – einem zartbitteren Tanzflächenfüller, bei dem ein E-Drum-Beat auf zittrige Synthesizer und eine knuffige Hookline stößt: ein Song, der wie so viele Stücke von Levin Goes Lightly, Joy Division konsequent zu Ende denkt.
Wie toll dieser Song live klingt, konnte man im Juni schon bei den Littmann-Sessions in der Stuttgarter Oper erleben. Da geriet „Headbanging“ dermaßen kraftvoll und dynamisch, dass der Künstler selbst verblüfft war. „So gut haben wir den bisher selten hinbekommen.“
Joy Divison, die 80er Jahre und Mark Waschke
Wie auf seinen früheren Alben vermengt er auf „Numb“, Album Nummer fünf, Postpunk mit New Wave, lässt kühle Elektrobeats, Synthies und verwaschene Gitarrenriffs auf emotional aufgeladene Texte treffen. Zwar schimmern durch die Songs die 1980er („Ich habe immer gedacht, dass ich in der falschen Zeit geboren wurde“), trotzdem klingt „Numb“ wunderbar nach Hier und Jetzt.
Von Levin Stadler, der behauptet, im wirklichen Leben überhaupt nicht so exzentrisch zu sein, wie die von ihm erschaffende Kunstfigur Levin Goes Lightly („Ich bin eigentlich ziemlich langweilig“), ist jedenfalls noch viel zu erwarten. Kürzlich hat er bei einem Konzert in Saarbrücken den Schauspieler Mark Waschke kennengelernt und jetzt dessen Nummer in seinem Handy. Und falls seine großartige Musik nicht genügt, ihn zu dem Cold-Wave-Superstar Deutschlands zu machen, der er längst sein sollte, vielleicht hilft es ja, Waschke mal zu einem Gastauftritt in einem Musikvideo zu überreden.