Mary und Matze Bäßler vor ihrer Location „The Barn“, was übersetzt „Die Scheune“ heißt. Foto: Jenny Schwartz
Auf dem Aidlinger Lindenhof finden seit diesem Jahr regelmäßig Konzerte, Poetry Slams und Lesungen statt. Wie aus einem Pferdehof die Eventlocation „The Barn“ entstanden ist.
Jenny Schwartz
31.05.2026 - 18:04 Uhr
Musik, gutes Essen und eine Feuerschale – mehr braucht es für Mary und Matthias „Matze“ Bäßler nicht, um glücklich zu sein. Das Paar, das den Lindenhof in Aidlingen betreibt, liebt gesellige Abende. In den letzten Jahren gab es nur ein Problem: „Wir hatten keinen Babysitter für unsere beiden Kinder“, sagt Matze Bäßler. „Also haben wir beschlossen, dass wir die Partys einfach zu uns nach Hause holen.“
Seit Anfang Februar finden auf dem Lindenhof nun regelmäßig Musikveranstaltungen statt. Ein ungewöhnliches Konzept – denn wo findet man einen Pferdehof, auf dem Rockkonzerte stattfinden? Begonnen hatte das Ganze im kleinen Rahmen mit einer Live Jam Session im ehemaligen Kuhstall, den Matze Bäßler zu einem Veranstaltungsraum umgebaut hat. Eine Bühne, ein Retro-Schaltpult aus den 1990er Jahren, eine selbst zusammengezimmerte Bar und wild zusammengewürfelte Möbel – ein provisorisches, aber gemütliches Setting, das schon am ersten Abend viele Leute aus der Umgebung begeisterte.
Mary und Matze Bäßler haben den Lindenhof 2017 übernommen. Foto: Jenny Schwartz
Die Location hat sogar einen Namen: „The Barn“, was übersetzt „Die Scheune“ bedeutet. Vor der umgebauten Scheune, in der auch der Hofladen untergebracht ist, befindet sich auch der Biergarten, der in den Sommermonaten geöffnet hat. Dort verkaufen die Bäßlers Getränke, regionale, selbst hergestellte Gerichte oder Spezialitäten aus dem Hofladen. „Uns ist es ganz wichtig, dass wir auch gutes Essen bieten“, betont Mary Bäßler, die sämtliche Produkte des Hofladens selbst von Hand herstellt. „Selbst gekocht und bio.“ So müsse nach einer Veranstaltung niemand nochmal losziehen und beim nächsten McDonald’s Halt machen. Die Gäste nehmen dieses Angebot sehr gut auf. Die Veranstaltungen sind gut besucht. Musiker und Künstler zu finden, gestaltet sich dank der Live Jam Sessions bisher als echter Selbstläufer.
„Uns ist es ganz wichtig, dass wir auch gutes Essen bieten. Selbst gekocht und bio.“
Mary Bäßler über das Konzept
„Die Idee der Live Jam Sessions war, dass erst eine Band spielt und danach jeder auf die Bühne kommen kann, um gemeinsam Musik zu machen“, erzählt Mary Bäßler. Dieses Angebot hätten erstaunlich viele Menschen angenommen. „Da standen dann Musiker, die seit drei Monaten Gitarre spielen, neben richtigen Profis“, schüttelt sie schmunzelnd den Kopf. „Das war eine ganz besondere Atmosphäre.“
Soundexpress ist in den 70er Jahren die erste Aidlinger Band
Nach den ersten Live Jam Sessions wurden die Bäßlers von anderen Musikern angesprochen, ob auf dem Lindenhof auch richtige Auftritte möglich wäre. „Jetzt wächst das alles immer mehr und wir können lokalen Musikern eine Location bieten“, freut sich Matze Bäßler.
Im Sommer haben zum Beispiel Michael Horr und Hartmut Wagner unabhängig voneinander Konzerte angemeldet. Das Lustige: Beide spielten in den 1970er Jahren zusammen in einer Band namens Soundexpress. „Das war die erste Band, die es in Aidlingen gab“, weiß Matze Bäßler. Die beiden Bandmitglieder hätten berichtet, in einer Scheune geprobt zu haben – mit Musikinstrumenten, die aus Haushaltsgegenständen wie Waschmaschinen selbst gebaut wurden. Außerdem sei Soundexpress eine der ersten Bands gewesen, die in der Sonnenberghalle ein Konzert vor vollem Haus veranstaltet hatten. Über Facebook hat Matze Bäßler dazu aufgerufen, ihm Bilder, Anekdoten und Zeitungsartikel zu der damaligen Kultband zuzuschicken. „Ich habe tatsächlich einiges erhalten“, staunt er selbst. „So können wir ein bisschen Musikgeschichte aufleben lassen.“
Möbel und Deko-Elemente habe ihre eigene Geschichte(n)
Dass Matze und Mary Bäßler Geschichten lieben, wird auch deutlich, wenn man sich auf dem Lindenhof umsieht. Sowohl im umgebauten Konzerthallen-Kuhstall als auch im Hofladen sieht man viele Möbel und Deko-Elemente, die ihre eigene Background-Story haben. Ein Sofa, das Mary Bäßler von ihrer besten Freundin übernommen hat. Alte Radios. Ein alter, aber noch funktionsfähiger Computer aus den 1990er Jahren. „Uns ist es wichtig, dass die Dinge um uns herum eine Seele haben“, sagt Mary Bäßler. Und das betrifft sowohl ihre Umgebung als auch die Kunst, mit der sie sich umgeben.
Nun sind solche Events auf einem Pferdehof ja doch eher ungewöhnlich. Auf dem Lindenhof ist all das auch nur möglich, weil der Hof die nötigen Voraussetzungen dafür bietet. Durch die dazugehörige Gastronomie besitzen die Bäßlers eine Ausschankgenehmigung und können parallel zu den Konzerten selbst gemachte Speisen und Getränke verkaufen. Dank der abgelegenen Lage gibt es keine Nachbarn, die sich am Lärm stören konnte. Auch die Tiere werden von den Konzerten nicht beeinträchtigt. „Wenn ein Konzert im Kuhstall stattfindet, dringt kaum Lautstärke nach außen“, hat Matze Bäßler extra geprüft. Im Sommer möchte er zwar eine Freiluftbühne auf dem Hof aufbauen. Doch die soll so ausgerichtet werden, dass der Schall an den Tieren und am nahe gelegenen Wald vorbeizieht.
Stand-up-Comedians sind herzlich willkommen
Für den Sommer haben sich Matze und Mary Bäßler bereits ein starkes Programm überlegt. Am 6. Juni ist eine Ladys Only Party geplant, die bereits vor einigen Wochen sehr gut ankam. Am 19. Juni findet auf dem Lindenhof ein Poetry Slam der KuckuckSlams aus Leonberg statt. Das weitere Programm wird auf der Website des Lindenhofs oder auf den dazugehörigen Instagram- und Facebook bekannt gegeben. „Was uns noch im Programm fehlt, wäre Stand-up-Comedy“, überlegt Matze Bäßler. „Falls da jemand Lust hätte, würden wir uns total freuen.“
Ob es nicht auch manchmal stressig ist, neben einem Pferdehof und der Familie auch noch jede Woche eine Veranstaltung zu organisieren? Auf diese Frage schütteln beide vehement den Kopf. „Für uns ist das einfach Spaß“, sagt Mary Bäßler. „Das ist hier alles ganz locker und familiär.“ Im Grunde könne man die Veranstaltungen wie einen Abend mit guten Freunden vergleichen – entspannt, friedlich und harmonisch.
Der Lindenhof
Start Mary und Matze Bäßler haben den Lindenhof 2017 übernommen und um ein Hofcafé, einen Hofladen und einen Biergarten erweitert.
Angebote Der Lindenhof ist eigentlich ein Pferdehof, der neben einer Pferdepension verschiedene tiergestützte pädagogische Angebote bietet.
Landwirtschaft Die Lindenhof-Betreiber bewirtschaften außerdem vier Hektar Acker- und über 16 Hektar Grünland-Fläche, die größtenteils von eigenen Pferden, Rindern und Schafen beweidet werden. Mehr über den Lindenhof erfährt man unter: https://lindenhof-aidlingen.de.