Lokalhymne auf Tonträger Das Fellbach-Lied gibt’s jetzt auf CD

Dennis Maier (links) und Julian Deifel vor Waldheim-Fahnen an der Wichernschule. Foto: Stoppel

Das Fellbach-Lied ist unter dem Kappelberg bekannt, eine Aufnahme aber gab es offenbar bisher nicht. Das hat der Förderverein fürs Waldheim nun mit einer Eigenproduktion geändert.

Rems-Murr: Sascha Schmierer (sas)

Unterm Kappelberg, wo der Weinbau und die Heimatverbundenheit noch etwas mehr zählen als andernorts, sind die drei Strophen über den pflügenden Urahn und die sich munter in den Himmel hebende Lerche so etwas wie eine inoffizielle Nationalhymne: Das Fellbach-Lied, von dem Multitalent Erich Schlenker ersonnen und in vor Pathos strotzende Worte gefasst, wärmt zumindest alteingesessenen Einwohnern in schöner Regelmäßigkeit das Herz.

 

Beim Traditionsfest Fellbacher Herbst kommt das von Rolf Erich Merkle mit einer erhebend-hymnischen Melodie versehene Lied ebenso zum Vortrag wie beim Benefiz-Besenhockey von Glatzen und Locken am Neujahrstag. In Oberdorf-Kneipen wie der Schmiede ist der Text auf den Bierdeckeln abgedruckt. Und selbstredend bilden die weinseligen Zeilen vom fleißigen Völklein mit den duftenden Reben bei der Großen Weinprobe der Fellbacher Weingärtner auch den krönenden Schluss nach ausgiebigen Genuss. Seit ein paar Jahren wird die Ode an Freude, Dankbarkeit und klingende Gläser selbst von den Kindern im Ferienwaldheim der evangelischen Kirche angestimmt – früh übt sich, wer ein Fellbacher werden will.

Viele Kinder kennen das Fellbach-Lied nicht mehr

Just bei diesen im Sommer täglich im Hof der Wichernschule über die Bühne gehenden Sangesrunden ist Julian Deifel aufgefallen, dass das Fellbach-Lied zwar im kollektiven Bewusstsein ist, es aber offenbar keinerlei Tonträger mit einer Aufnahme gibt. Ein Hörbeispiel freilich, dachte sich Deifel, wäre gut, um die drei kurzen Strophen und den eingängigen Refrain auch für Kinderohren präsentabel zu machen. Beim Nachwuchs nämlich ist die historische Hymne nicht mehr gar so präsent wie bei den Altvorderen. „Viele Kinder kennen das Fellbach-Lied gar nicht mehr – und müssen sich erst einhören“, sagt der Waldheim-Mitorganisator.

Im Förderverein für die Ferienerholung, dem BC Schlössle, reifte deshalb schnell die Überlegung, die Lücke mit dem fehlenden Tonträger in Eigenregie zu füllen. „Das war ein einstimmiger Beschluss“, erzählt Event- Vorstand Dennis Maier über die rasche Entscheidung. Und weil Julian Deifel nicht nur ehrenamtlich fürs Waldheim aktiv ist, sondern beruflich in Fellbach als von der Stadt bestallter Einzelhandelkoordinator fungiert, hatte er wenig Mühe, in seinem Netzwerk auch kundige Mitstreiter für die Aufnahme einer CD zu finden. Ob fürs Cover-Foto oder das Arrangement, die Arbeit am Mischpult oder den Vertrieb wurden Menschen gefunden, die sich der Stadt unterm Kappelberg verbunden fühlen und deshalb auch auf ein Honorar verzichtet haben.

Der Erlös fließt in die Waldheimarbeit

Die Musik fürs Fellbach-Lied etwa hat Max Wernick eingespielt, mit dem Deifel schon im Philharmonischen Chor auf der Herbstbühne stand, für den Gesang selbst griff der Einzelhandelskoordinator eigenhändig zum Mikrofon. Zu haben ist die CD für fünf Euro unter anderem im i-Punkt der Stadt im Fellbacher Rathaus. Der Erlös fließt komplett in die Waldheimarbeit.

Das passt durchaus zum Geist der Lokalhymne. Erfinder Erich Schlenker, 1904 in Schlaitdorf geboren und bereits 1961 verstorben, war nicht nur Verkehrsdirektor in Stuttgart und später Heidelberg, sondern hat auch das kulturelle Leben in Fellbach in besonderer Weise geprägt. Der Kunsthistoriker gilt als Mitbegründer des Fellbacher Herbsts im Jahr 1948 und hob unter anderem den Vorläufer der Volkshochschule aus der Taufe.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Waldheim Fellbach Nationalhymne