Jessica und Konstantin sehen sich nach ihrer Verlobung zum ersten Mal. Foto: Netflix
Jessica Streifling aus Neckartailfingen (Kreis Esslingen) hat bei der Netflix-Show „Love is Blind“ mitgemacht – und die Liebe gefunden. Wie es ist, jemanden zu daten, ohne ihn zu sehen.
Jessica Maierhöfer aus Neckartailfingen (Kreis Esslingen) stehen die Tränen in den Augen, als Konstantin Streifling auf die Knie geht und sie fragt, ob sie ihn heiraten möchte. „Das Schicksal hat mich zu dir geführt und für mich gibt es kein anderes Wort als ‚Ja’“, erwidert sie überglücklich. Die beiden sind verlobt – haben sich aber noch nie gesehen. Über mehrere Tage haben sie sich kennengelernt, zwischen ihnen eine undurchsichtige Leinwand. Sie konnten sich nicht sehen, nur hören.
Die Verlobung der Neckartailfingerin sehen sich aktuell zahlreiche Menschen in Deutschland und rund um die Welt an. Denn die 33-Jährige hat an der zweiten Staffel der deutschen Version des Netflix-Formats Love is Blind teilgenommen. Dort lernen sich Männer und Frauen kennen, ohne den anderen zu sehen. Das Ziel: Einen Ehepartner zu finden. Hat sich ein Paar verlobt, sehen sich beide erstmals, fliegen danach gemeinsam in den Urlaub und leben dann für eine Weile zusammen in Deutschland. Am Ende der Sendung entscheidet sich vor dem Altar, ob die Paare, die sich blind kennengelernt haben, in eine gemeinsame Zukunft als Ehepartner starten wollen.
Seit Anfang Januar ist die Liebesgeschichte der Neckartailfingerin bei Netflix zu sehen. Die lebenslustige Schwäbin, der man ihre Herkunft deutlich anhört, trägt mittlerweile den Nachnamen Streifling. Sie hat ihren Partner in der Sendung geheiratet.
Wie die Neckartailfingerin zu Love is Blind kam
Ihr Weg zu Love is Blind beginnt im Herbst 2024 mit einer Speziflasche ihres Opas. Auf der Flasche sei ein QR-Code gewesen, darüber habe „Gewinnspiel“ gestanden, erzählt Jessica Streifling. Sie scannt den Code – und landet auf der Webseite von Love is Blind. „Das war ein krasser Moment“, erinnert sie sich. „Davor habe ich mein Bauchgefühl nie richtig wahrgenommen. Aber in diesem Augenblick hat etwas in mir gesagt, bewirb dich da.“
Sie folgt diesem Gefühl und wird schließlich für die Sendung gecastet. Was hat sie sich von ihrer Teilnahme erhofft? „Meinen Seelenverwandten zu finden, der mich genau so nimmt, wie ich bin“, sagt Jessica Streifling. „Und ich habe mir erhofft, mich in dem Experiment fallen lassen zu können, meinen Kopf auszuschalten und ganz meiner Intuition zu folgen.“
Als sie das erste Mal die sogenannten Pods betritt, die Kabinen, in denen die Singles sich blind daten, ist das ein Gänsehautmoment, erinnert sich die Neckartailfingerin. „Es hat sich angefühlt, als sei das der richtige Weg.“ Am ersten Tag des Experiments sei sie noch zurückhaltender und eher in der Beobachterposition gewesen. „Und dann habe ich gemerkt, hier kann ich mich wirklich verlieben und der Schalter war umgelegt“, sagt die 33-Jährige. Sie habe sich richtig fallenlassen und sie selbst sein können. Die größte Herausforderung für sie bei dem Experiment: Die Kontrolle über ihr Leben im Rahmen der TV-Produktion ein Stück weit abzugeben. „Nicht zu wissen, was als nächstes passiert, war für mich das Schwerste. Damit musste ich lernen, umzugehen.“
Verliebt, ohne sich zu sehen
Die Schwäbin lernt nacheinander alle Männer kennen, die an dem Experiment teilnehmen. Schnell steht für sie aber fest, dass sie nur noch Konstantin Streifling daten möchte. Zwischen ihnen passt es auf Anhieb, die beiden verbindet direkt, dass sie Schlagermusik mögen. Die Neckartailfingerin sucht jemanden, mit dem sie viele Gemeinsamkeiten hat und die häufen sich bei ihr und Konstantin Streifling. Etwa, dass ihr Opa, durch den sie zur Sendung kam, Fan des 1. FC Köln war und auf seiner Beerdigung die Hymne des Vereins lief – und ihr Gegenüber der Sohn von Höhner-Star Jens Streifling ist. Die Hymne des Vereins wurde von den Höhnern geschrieben. Für die Neckartailfingerin ist das ein Wink des Schicksals.
Sie habe sich ohne ihn zu sehen in Konstantin Streifling verliebt, erzählt die Neckartailfingerin. „Ich war mir meiner Sache noch nie in meinem Leben so sicher. Ich hatte dieses Gefühl in mir, dass da der Mann für mein Leben sitzt“, schildert sie. „Bei uns beiden war es Liebe auf’s erste Wort.“
Wie ist es, jemanden zu daten, den man nicht sieht? Sehr intensiv, sagt Jessica Streifling, man könne sich ganz auf die Worte des anderen und die Stimme konzentrieren. „Man baut über dieses Gespräch eine so tiefe Bindung auf, dass man den anderen sogar ein Stück weit spüren kann“, erinnert sie sich. Und die Gespräche werden schnell tiefgründig – schließlich will man den Partner fürs Leben finden.
Sie habe versucht, sich in der Zeit, als sie sich blind dateten, kein Bild von Konstantin Streifling zu machen, sagt die 33-Jährige. Eine Vorstellung hat sie damals aber doch im Kopf, die sich jedoch als falsch herausstellt, als die beiden sich nach ihrer Verlobung zum ersten Mal sehen. Ein überwältigender und aufregender Moment, wie sie sich erinnert. Es sei erst schwierig gewesen, die Stimme, mit der man sich immer wieder unterhalten hatte, mit der Person zu verbinden, schildert Streifling. Aber beide stellen fest, dass auch körperlich zwischen ihnen eine Anziehung herrscht.
„Traum, meinen Seelenverwandten zu finden, ist in Erfüllung gegangen“
Bedenken ihren Verlobten am Ende der Show zu heiraten, hatte sie nie: „Ich habe nicht ein einziges Mal in diesem Experiment auch nur daran gezweifelt, dass ich diesen Menschen heiraten werde“, sagt die 33-Jährige.
Der Tag der Hochzeit ist für sie sehr emotional, oft fließen die Tränen. Während sich Paare in der Netflix-Serie immer wieder vor dem Altar doch noch gegen eine Ehe entscheiden, ist es für sie selbstverständlich, diesen Schritt vor der Kamera mit ihrem Partner zu gehen. „Der Traum, meinen Seelenverwandten zu finden, mit dem ich durchs Leben gehen kann, ist endlich in Erfüllung gegangen.“
Auch nach der Show glücklich verheiratet
Zehn Monate nach dem Dreh sind die beiden immer noch glücklich verheiratet. Die größte Herausforderung nach Love is Blind sei gewesen, gemeinsam wieder in den Alltag zu finden, sagt Jessica Streifling. Ihr Partner lebte zunächst noch auf Mallorca, sie weiter im Kreis Esslingen. „Da war es am Anfang schwierig, eine gemeinsame Struktur hinzubekommen.“
Mittlerweile ist ihr Ehemann zu ihr nach Neckartailfingen gezogen. Ihre Ehe bis zur Ausstrahlung der Show geheim zu halten, sei schwierig gewesen, erzählt Jessica Streifling. Sie freue sich, jetzt endlich sagen zu können, dass sie verheiratet sei.
Das Paar hatte nach ihrer Hochzeit aber mit einer großen gesundheitlichen Herausforderung zu kämpfen: Bei Konstantin Streifling wurde erneut ein Hirntumor festgestellt, wie beide beim Wiedersehen, der letzten Folge von Love is Blind, erzählten. Bereits in der Vergangenheit hatte Streifling mit einem Tumor im Gehirn zu kämpfen. Darüber sprach er auch mit der Neckartailfingerin, während sie sich in den Pods kennenlernten. Bei einem Eingriff im Dezember wurde nun der zweite Tumor entfernt. Ihm gehe es richtig gut, sagte Streifling beim Wiedersehen. Seine Frau sei eine große Stütze für ihn gewesen.
Ausstrahlung für Neckartailfingerin überwältigend
Die Folgen von Love is Blind, die nun bei Netflix zu sehen sind, hat sich Jessica Streifling mehrmals angeschaut. „Für mich ist es gerade noch sehr schön, alles zu sehen und auch sehr überwältigend. Aber ich kann es gerade noch gar nicht so richtig greifen, dass ich wirklich auf Netflix zu sehen bin und da geheiratet habe.“
Abgesehen von ihrem Partner habe sie aus dem Experiment Love is Blind mitgenommen, dass sie einfach sie selbst sein könne und keine Angst davor haben müsse, sich zu zeigen. Außerdem habe sie gelernt, öfter auf ihr Bauchgefühl zu hören. Und ist Liebe nun wirklich blind? Jessica Streifling sagt: „Man kann sich auf jeden Fall blind verlieben. In meinem Fall ist das passiert, vollumfänglich.“