Pools sind im Trend. Besonders während der Pandemie sei die Nachfrage „extrem“ gewesen, sagt Andreas Hirsch, Geschäftsführer der Poolbau Hirsch GmbH in Möglingen. Viele Menschen würden sich eine eigene Oase wünschen, sagt er, da gehöre ein Pool eben dazu. Trotz des Aufschwungs hätte das Schwimmbecken im Garten aber ein schlechtes Image, sagt Hirsch. „Dabei sind Pools definitiv keine Wasserverschwendung.“
Der Landkreis Ludwigsburg, Städte und der Zweckverband Wasserversorgung sehen das anders. Zwar gefährden die privaten Pools derzeit nicht die Wasserversorgung im Landkreis, doch besonders im Sommer muss immer häufiger gespart werden. Einige Städte schließen deswegen Verbote nicht aus.
Wasser für ein halbes Jahr
Es gibt zwar keine genauen Zahlen, wie viele private Pools seit der Pandemie im Landkreis Ludwigsburg gebaut wurden – an der Gemeinde Affalterbach lässt sich der Trend jedoch ablesen. Seit 2020 haben die 4500-Einwohner Gemeinde zehn Bauanträge für private Pools erreicht. Poolbauer Hirsch schätzt, dass in dieser Zeit eher 30 oder 40 private Pools in Affalterbach gebaut wurden – denn nicht jeder Pool braucht eine Genehmigung.
Während sich früher nur Großverdiener einen Pool leisteten, gehören heutzutage auch junge Paare und normale Arbeiter zu den Kunden der Poolbauer der Region. Jede Woche bekomme er zehn Anfragen, sagt Hirsch. Normalerweise zahlen Kunden 40 000 bis 80 000 Euro für ihr Schwimmbecken mit durchschnittlich 25 000 Liter Fassungsvermögen. Das ist ungefähr so viel Wasser, wie ein Durchschnittsbürger in einem halben Jahr verbraucht.
Trotz der steigenden Beliebtheit gelten private Pools aber als Wasserverschwendung in zunehmend trockeneren Sommern. Zu Unrecht, findet Hirsch. Der durchschnittliche Poolbesitzer fülle das Becken nur alle zwei bis drei Jahre. Bei richtiger Wartung sei der Wasserverlust durch Verdunsten und Überschwappen gering. Viele Poolbesitzer würden zudem das Wasser in einer Zisterne auffangen und für den Garten nutzen.
Tatsächlich gibt es keine Hinweise darauf, dass private Pools die Wasserversorgung der Region in die Knie zwingen. Dennoch zeigen sich Experten wegen der steigenden Wassernutzung für Pools und Gärten beunruhigt. Denn während der Pro-Kopf-Wasserverbrauch in Baden-Württemberg seit einigen Jahren steigt, prognostiziert das Landratsamt Ludwigsburg einen Rückgang der Grundwasserneubildung um etwa 20 Prozent. Das wird vor allem im Sommer immer häufiger zum Problem für die Wasserversorgung. Denn in der warmen Jahreszeit sinken die Grundwasserpegel, gleichzeitig verdoppelt sich der Wasserverbrauch im Gegensatz zum Winter. Wenn die Pegel in Zukunft immer tiefer fallen, der Verbrauch aber immer weiter steigt, „geht das nicht lange gut“, sagt Bernhard Röhrle, Sprecher des Zweckverbands Landeswasserversorgung. Der Verband stellt rund 25 Prozent des Trinkwassers im Kreis Ludwigsburg. Obwohl der Landkreis grundsätzlich viel Grundwasser zur Verfügung habe, werde es in Zukunft zu zeitweisen Versorgungsschwierigkeiten kommen, sagen Röhrle und das Landratsamt. Es könne nur so viel Wasser genutzt werden, wie die Ressourcen nachliefern, so Röhrle.
Verbote treffen Privatpersonen
In Phasen, in denen die Quellen weniger schütten und der Verbrauch gleichzeitig steigt, müssen Städte und Gemeinden reagieren. Verbote treffen dann vor allem Privatpersonen mit Pools und Gärten. Wie beispielsweise in Neuffen im Kreis Esslingen, dort wurde im Juli 2022 ein Verbot für die Nutzung von Trinkwasser für Pools und Gärten ausgesprochen.
Alternative Verbotswege gebe es kaum, sagt Röhrle. Für die Grundbedürfnisse wie Waschen, Kochen und Toilettenspülung muss Wasser bereitstehen. Auch die Landwirtschaft wird bevorzugt, da sie mit dem Wasser Lebensmittel produziert. Und auch der Industrie kann man nicht einfach für einige Wochen das Wasser abdrehen. So müssten Verbote eben den privaten „Luxusbereich“ treffen, sagt Röhrle. Stadtverwaltungen sehen das ähnlich.
Verbote nicht ausgeschlossen
Die Stadt Ludwigsburg musste bisher noch kein Befüllverbot für Pools aussprechen. „Durch trockenere Sommer werden jedoch immer mehr Gruppen um die Ressource Wasser konkurrieren“, sagt der Stadtsprecher Peter Spear. „Aus ökologischer Sicht sind private Pools auf jeden Fall kritisch zu bewerten.“ Auch die Stadt Asperg habe noch kein Verbot ausgesprochen, sagt der Bürgermeister Christian Eiberger. Ausschließen könne er das jedoch nicht. Denn in Zukunft müsse man wohl häufiger Prioritäten setzen – Pools und Gärten seien dabei eben nur „nice to have“. Und auch der Markgröninger Bürgermeister Jens Hübner sagt: „Wir werden sehen, ob wir in der Zukunft einmal eine Einschränkung vornehmen müssen. Die Sommer werden ja immer heißer.“
Dass Pools Luxus sind, sieht Unternehmer Christian Hirsch ein. Er sieht jedoch nicht ein, warum Verbote ausgerechnet seine Kunden treffen. Aufstellpools aus dem Baumarkt würden beispielsweise jedes Jahr befüllt werden und seien damit weniger nachhaltig. Auch Golfplätze würden deutlich mehr Wasser verschlingen, sagt Hirsch und ärgert sich. Laut Medienberichten sind es mehr als 100 000 Liter pro Tag.
Infos am Rande
Masterplan
Das verfügbare Wasser und die Wassernachfrage sind in Baden-Württemberg ungleich verteilt. Die Landesregierung hat deshalb den Masterplan Wasserversorgung ins Leben gerufen, der sicherstellen soll, dass es auch in Zukunft überall im Land genug und preiswertes Trinkwasser gibt.
Steigender Verbrauch
Nachdem der Pro-Kopf-Verbrauch im Land jahrzehntelang gesunken ist, nimmt er laut Statistischem Landesamt seit einigen Jahren wieder zu. 2010 waren es noch 114 Liter am Tag, zehn Jahre später 125 Liter. Die Ursachen sind vielfältig: Mehr Einwohner, mehr Pools, mehr Industrie, aufwendigere Gärten und intensivere Landwirtschaft spielen eine Rolle.