Ludwigsburger Raserprozess Tumulte zwischen Familien – Handgreiflichkeiten nach Urteil im Raserprozess

Selins Familie war in die Auseinandersetzung verwickelt. Foto: Marijan Murat/dpa

Nach der rund zweistündigen Urteilsverkündung lagen die Nerven offenbar blank. Zwei Frauen schlagen zu, die Schwester der verstorbenen Selin muss ins Krankenhaus.

Ludwigsburg : Emanuel Hege (ehe)

Während der Urteilsverkündung im Raserprozess von Ludwigsburg zeigte sich die ganze Bandbreite menschlicher Emotionen: Applaus, Tränen und ungläubiges Stöhnen – bis hin zu Gewalt.

 

Nach der Urteilsverkündung, als die Menschenmenge aus Reportern, Angehörigen der Opfer, Angehörigen der Angeklagten und Prozessbeobachtern den Wartebereich langsam verließ, kam es zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung. Laut Fatih Zingal, dem Anwalt der Familie der verstorbenen Selin, soll die Mutter des zu lebenslanger Haft verurteilten Hauptangeklagten auf seine Mandanten zugegangen sein und Selins Schwester als „Hure“ bezeichnet haben. Daraus entwickelte sich offenbar ein Handgemenge, bei dem auch Schläge gefallen sein sollen.

Die Justizbeamten beziehen Am Dienstagnachmittag nach der Auseinandersetzung Stellung vor dem Landgericht. Foto: Marijan Murat/dpa

Lautes Geschrei und Tränen im Vorraum des Gerichtssaals waren die Folge. Mehrere Justizbeamte eilten herbei, bahnten sich einen Weg durch die Menge und trennten die Beteiligten. „Selins Schwester hat eine Verletzung am Kinn, ich hatte ein Büschel ihrer Haare in der Hand. Ich habe ihr geraten, ins Krankenhaus zu gehen“, sagte Zingal im Gespräch mit dieser Zeitung.

Laut Pressesprecher des Landgerichts, Timur Lutfullin, kam es im „voll besetzten Saal zu einer lautstarken Auseinandersetzung zwischen mindestens zwei Personen – der Auslöser ist bislang nicht bekannt“. Zahlreiche Wachkräfte vor Ort trennten die Beteiligten rasch, und die Situation beruhigte sich schnell.

Nachdem alle Beteiligten das Gebäude des Landgerichts verlassen hatten, schützten rund zwei Dutzend Justizbeamte die Familien der Opfer. Kurz darauf trafen rund 30 Polizeikräfte ein, sperrten die Urbanstraße und sorgten dafür, dass alle Prozessbeobachter den Bereich sicher verlassen konnten.

Tumult mit Vorgeschichte

Bereits während der Prozesstage in den vergangenen Monaten war es im Gerichtssaal immer wieder zu Wortgefechten zwischen Angehörigen der Angeklagten und der Opfer gekommen. „Die Familie der Angeklagten hat kein Fingerspitzengefühl und hat immer wieder hereingerufen“, so Zingal.

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