Rosemarie Fuchs in ihrem Garten, der sie fit hält und einen Großteil ihrer Grundstücksfläche ausmacht. Foto: Simon Granville
Rosemarie Fuchs zahlt ab dem kommenden Jahr das Fünffache an Grundsteuer. In einer Mail an Landes- und Lokalpolitiker macht die Rentnerin ihrem Ärger Luft – einer davon hat eine eindeutige Meinung zu der Umverteilung.
Rosemarie Fuchs steht mit ihrer leuchtend gelben Jacke zwischen hoch geschossenen Brokkoli und einem Aprikosenbaum, der in diesem Sommer kaum Früchte getragen hat. Hinter ihr liegt das kleine, weiß gestrichene Einfamilienhaus, das sie und ihr damaliger Mann in den 1960er Jahren gekauft haben. Zwei Kinder hat sie dort großgezogen, mittlerweile kommen die mit ihren eigenen Kindern und Enkeln zu Besuch. Irgendwann, wenn sie es allein nicht mehr schafft, will sie das Haus an ihren Sohn übergeben.
Auf dem Weg zurück in ihr Wohnzimmer erzählt Rosemarie Fuchs, dass ihre Kinder auf dem Rasen früher Fußball gespielt und Geburtstage gefeiert haben. In der Pandemie habe der Garten sie vor der Isolation bewahrt. Jetzt kommt er sie allerdings teuer zu stehen. Genauer ihr 742 Quadratmeter großes Grundstück. Ab dem kommenden Jahr steigt die Grundsteuer dafür von 257 auf knapp 1300 Euro an.
Ärger über Grundsteuer – Rentnerin schreibt Mails an Politiker
Für die 83-Jährige ein stolzer Preis. „Ich kann verstehen, dass es die Erhöhung geben muss, die zahle ich auch gerne – aber das Doppelte wäre schon genug“, sagt die Rentnerin. Stattdessen ist es rund das Fünffache. Eigentlich hatte sie geplant, im kommenden Jahr eine Solaranlage auf dem Dach installieren zu lassen, das Vorhaben liegt jetzt erst einmal auf Eis.
Ab dem kommenden Jahr soll Rosemarie Fuchs statt 257 Euro knapp 1300 Euro bezahlen. Foto: dpa/Bernd Weißbrod
Ihren Unmut über die baden-württembergische Berechnung, bei der allein die Größe des Grundstücks zählt, hat sie in verschiedenen Mails an Landespolitiker und -politikerinnen ausgedrückt: Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Finanzminister Danyal Bayaz, CDU-Fraktionsvorsitzender Manuel Hagel – sie alle haben von der Ludwigsburgerin Post bekommen. „Die vielen Häuslebesitzer, die früher verhältnismäßig günstig größere Grundstücke kaufen konnten, und mit viel Verzicht ein kleines Häusle drauf gebaut haben, werden nun im Alter bestraft“, schreibt sie.
Auch mit Stadträten hat sie über ihre Situation gesprochen – darunter Nathanael Maier. Der SPD-Lokalpolitiker kennt das Problem aus erster Hand, seine Grundsteuer steigt im kommenden Jahr sogar um das Achtfache an. Das Modell, für das sich die Landesregierung entschieden habe, sei zwar einfach, „es verteilt in kürzester Zeit aber ganz schön um“, sagt er. Das schaffe Nervosität und Frust, der bei den Stadträten ankomme. Gewerbetreibende und Bewohner von Mehrfamilien- und Hochhäusern würden profitieren, andere treffe die Erhöhung dafür exorbitant – „das ist eine enorme Neuverschiebung“. Anders als bei dem Bundesmodell werde in der Berechnung nicht berücksichtigt, wie stark der vermietbare Wert des Hauses sei, und ein „kostbarer Boden bringt nur denjenigen etwas, die vorhaben, ihn zu verkaufen“, sagt Nathanael Maier. Er fürchtet: Wenn das Finanzamt die Bescheide verschickt, werden die Beschwerden erst richtig laut. Spätestens jedoch, wenn die Stadt Ende 2025 über eine lang aufgeschobene Erhöhung der Grundsteuer diskutieren wird.
Grundsteuer könnte 2026 noch einmal steigen
Rosemarie Fuchs bietet in ihrem Esszimmer Malve-Tee und Käsekuchen an, im Hintergrund knackt das Holz im Kamin. Ob sie sich überlegt hat auszuziehen? „Das würde mir das Herz brechen“, sagt sie. Auch wenn das Haus und der Garten viel Arbeit sei, das halte sie fit. Das Grundstück verkleinern lässt sich nicht, der Garten ist kein Bauland und liegt ohne Möglichkeit für eine Auffahrt zwischen zwei Häusern.
Rosemarie Fuchs weiß, dass es für junge Menschen heute schwierig ist, selbst etwas zu kaufen oder zu bauen. Ältere Menschen, die den Wohlstand mitgeprägt haben, mit dieser Steuererhöhung zu belasten, „ist aber unchristlich“, sagt sie.