Die Landeshauptstadt könnte alsbald eine Sonderrolle in Baden-Württemberg einnehmen: die einzige Stadt im Südwesten, in der es wegen der Schadstoffbelastung in der Luft noch Einschränkungen für den Autoverkehr gibt. Für Freiburg ist die Aufhebung der Einschränkungen verkündet, Ludwigsburg und Pforzheim sollen folgen, womit Stuttgart als letzte Stadt übrig bliebe, wo wegen der Schadstoffbelastung in der Luft besondere Regeln gelten.
Einst 22 Umweltzonen im Land
Dabei waren Restriktionen im Land einmal weit verbreitet. „In Baden-Württemberg gab es im Oktober 2020 insgesamt 22 grüne Umweltzonen, in die nur Fahrzeuge mit grüner Plakette einfahren durften“, schreibt die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) in einer Stellungnahme für das Verkehrsministerium
Mit den Erkenntnissen aus dem Papier begründet Verkehrsminister Winfried Hermann sein Festhalten an den Fahrverboten in Stuttgart. Dort gelten nochmals verschärfte Regeln. „In Stuttgart wurden wegen der dort besonders hohen Luftschadstoffwerte zusätzlich zur grünen Umweltzone Verkehrsverbote für Kraftfahrzeuge mit Dieselmotor eingeführt“, erinnert die LUBW an die lang anhaltenden Bemühungen um sauberere Luft. Grüne Plaketten für die Einfahrt in die Umweltzonen bekamen alle Fahrzeuge, die nicht zur Gruppe der Benziner unterhalb der der Abgasnorm Euro 1 und Fahrzeuge mit Dieselmotor unterhalb der Abgasnorm Euro 4 gehörten.
Besondere Regeln in Stuttgart
In Stuttgart galt darüber hinaus noch ein Verkehrsverbot für Diesel der Emissionsklasse Euro 4/IV und schlechter im gesamten Stadtgebiet und für Dieselfahrzeuge der Emissionsklasse Euro 5/V und schlechter in der sogenannten Kleinen Umweltzone, zu der neben dem Talkessel auch die Stadtbezirke Bad Cannstatt, Feuerbach und Zuffenhausen gehören.
Sind nun noch die Stickstoffdioxid-Werte (NO2) im Fokus, galt der Kampf lange Zeit der Belastung durch Feinstaub (PM10). Der trug etwa vorübergehend dem Neckartor den zweifelhaften Titel der dreckigsten Kreuzung Deutschlands ein. Die Versuche, dem Problem mit einer sogenannten Mooswand, regelmäßigen Einsätzen von Kehrmaschinen oder mit großen Luftfilteranlagen beizukommen, sorgten nicht selten republikweit für Spott und Häme. Letztlich gehört aber auch das der Vergangenheit an.
Die LUBW schreibt: „Die Luftqualität in Baden-Württemberg hat sich in den letzten Jahren wesentlich verbessert. Die Immissionsgrenzwerte für Partikel PM10 werden in Baden-Württemberg seit dem Kalenderjahr 2018, diejenigen für Stickstoffdioxid (NO2) seit dem Kalenderjahr 2022, an allen Messstellen im Land eingehalten und zum Teil deutlich unterschritten“.