Manager Timo Sillober Warum „Mister E-Mobilität“ die EnBW verlässt
Bei der EnBW stand Timo Sillober für den massiven Ausbau der Elektromobilität. Nun geht der Vertriebschef, um Unternehmer zu werden. Oder gibt es noch weitere Gründe?
Bei der EnBW stand Timo Sillober für den massiven Ausbau der Elektromobilität. Nun geht der Vertriebschef, um Unternehmer zu werden. Oder gibt es noch weitere Gründe?
Die Abschiedsmail des EnBW-Vertriebschefs las sich fast euphorisch. In den höchsten Tönen schwärmte Timo Sillober (50) von seiner Zeit bei dem Karlsruher Energiekonzern. „Sieben fantastische Jahre“ habe er dort verbracht, „extrem viel Spaß“ gehabt und „große unternehmerische Freiheiten“ genossen. „Besonders stolz“ sei er auf die Zusammenarbeit im Team, gemeinsam habe man „viel erreicht“ und auch in der Gesellschaft „Dinge zum Positiven mit verändert“.
Entsprechend schwer, so Sillober, sei ihm der Entschluss gefallen, die EnBW zu verlassen, lange habe er mit der Familie darüber diskutiert. Aber sein Herz schlage nun einmal „für Veränderung und den Aufbau neuer Geschäfte“. Er wolle nicht sein „restliches Leben“ in Konzernen verbringen, sondern noch einmal als verantwortlicher Unternehmer etwas „aufbauen und richtig groß machen“. Dafür sei nun der richtige Zeitpunkt.
Für die Belegschaft lieferte der angekündigte Abgang reichlich Gesprächsstoff. Sillober ist nicht irgendein Topmanager, sondern ein besonders exponierter. Wie kein zweiter steht er für die Strategie der EnBW, voll auf den Ausbau der Elektromobilität zu setzen. Unter seiner Regie wurde das größte Schnellladenetz für E-Autos in Deutschland und Österreich gleichsam aus dem Boden gestampft. Registriert wird aber auch, dass er relativ kurz nach Frank Mastiaux ausscheidet. Der Vorstandschef bis Ende September 2022, inzwischen von Andreas Schell abgelöst, galt als sein größter Fan und Förderer. Schon länger wurde zudem gemunkelt, dass das Verhältnis zur neuerdings für den Vertrieb zuständigen Vorständin nicht ganz spannungsfrei sei.
Wie seine glücklose Vorgängerin kam der gebürtige Österreicher Sillober einst vom Mobilfunkkonzern Vodafone zur EnBW. Der in der Telekommunikationsbranche bereits bewältigte Strukturwandel, hieß es, stehe der Energiewirtschaft erst noch bevor; aus den Erfahrungen könne man viel lernen. Angesiedelt war der Vertrieb damals direkt bei Mastiaux, auch als Signal, wie wichtig ihm dieses Feld ist.
In Sachen E-Mobilität zogen der Vorstandschef und sein oberster Vertriebsmann stets an einem Strang. „Aus tiefster Überzeugung“ engagiere man sich dafür, sagte Mastiaux einmal. „Dieser Bereich hat für uns eine ähnlich hohe Bedeutung wie der Ausbau der erneuerbaren Energien.“ Sillober betrachtete es als seine Mission, dafür zu sorgen, „dass die Menschen mit ihren Elektroautos losfahren können, ohne sich Gedanken über Reichweiten und Lademöglichkeiten machen zu müssen“. Mit dem Angebot „EnBW mobility+“ habe man alles zusammengefasst, was die Nutzer bräuchten – von der Wallbox daheim über eigene und fremde Ladesäulen bis zu den digitalen Services.
Auch in Öffentlichkeit und Medien war „Mister E-Mobilität“ höchst präsent. Eloquent schwärmte der Schnellredner von den Chancen der Technik für Kunden und Konzern, überaus optimistisch skizzierte er deren Zukunft. In den oberen EnBW-Etagen galt Sillober damit als Visionär, weiter unten im Unternehmen gab es auch Fragen und leise Zweifel. Noch sei nicht ausgemacht, wann sich die gewaltigen Investitionen in das Schnellladenetz auszahlen würden, hieß es etwa. Sinkende Subventionen für Elektroautos und steigende Strompreise könnten den Siegeszug der E-Mobilität erst mal bremsen.
Auf den EnBW-Fluren wird Sillobers Abschied nicht nur mit dem Ausscheiden seines Mentors Mastiaux in Verbindung gebracht, sondern auch mit der neuen Zuständigkeit im Vorstand. Seit Mai 2022 gehört der Vertrieb zum Ressort der Personalvorständin Colette Rückert-Hennen – eine eher unübliche Zuordnung. Nach außen blieb dies weitgehend unbemerkt, intern aber soll sich die Juristin zunehmend ihrem neuen Beritt gewidmet haben.
Von den kolportierten Spannungen zwischen Sillober und ihr will die EnBW auf Nachfrage nichts wissen: „Sehr vertrauensvoll, konstruktiv und erfolgreich“ sei die Zusammenarbeit, heißt es offiziell. Die Ressortzuordnung erlaube auch keine Rückschlüsse auf den Stellenwert des Vertriebs, der Bereich bleibe für den Konzern von zentraler Bedeutung.
„Die EnBW bedauert den Weggang von Timo Sillober sehr“, betont eine Sprecherin. Er und sein Team hätten zahlreiche wichtige Themen vorangetrieben – neben der E-Mobilität etwa das „erste volldigitalisierte Endkundengeschäft für Strom und Gas am Markt“. Es handele sich um eine „persönliche Entscheidung“, weil der Manager eine „neue berufliche Herausforderung im Private-Equity-Sektor“ annehmen wolle. Worum es genau geht, wird vorerst nicht verraten. Auch der Zeitpunkt stehe noch nicht fest. Im Lauf des ersten Quartals, schrieb Sillober in seiner Abschiedsmail, würden „Colette und ich“ das weitere Vorgehen bereden. Man habe „keine Eile“ mit dem Wechsel, in den nächsten Monaten gebe es noch „genug Herausforderungen“. Bei aller Arbeit war dem Manager Timo Sillober eines besonders wichtig: Es seien „alle, wie ich meine, Mensch geblieben“.