Marbacher Kulturverein Ochsen retten Schlosskeller – „Das ist unser Wohnzimmer“
„Kein Schlosskeller ohne Ochsen – keine Ochsen ohne Schlosskeller“: Der Marbacher Kulturverein „Südlich vom Ochsen“ übernimmt den Veranstaltungsraum von der Stadt.
„Kein Schlosskeller ohne Ochsen – keine Ochsen ohne Schlosskeller“: Der Marbacher Kulturverein „Südlich vom Ochsen“ übernimmt den Veranstaltungsraum von der Stadt.
Das Dilemma ist bekannt: Den klammen Kommunen fehlt es an Geld, es wird gespart. Auch im kulturellen Bereich. In Marbach hat das zum Beispiel zur Folge, dass der Schlosskeller in jüngster Zeit immer seltener zu dem gemacht wurde, wofür er einst hergerichtet worden war: ein durchaus besonderer Veranstaltungsraum.
Gelegen unterhalb des Amtsgerichts, kann der gemauerte Keller exakt 99 Menschen fassen, die dem Programm auf der kleinen Bühne folgen oder die etwa bei einer Ausstellung durch das Gewölbe flanieren. Zuletzt war es dort ruhiger geworden, die Stadt tat sich aus personellen wie finanziellen Gründen schwer, den Schlosskeller zu betreiben.
Im Rahmen der Haushaltskonsolidierung wollte man schon mit dem Gemeinderat besprechen, den Schlosskeller an das Land Baden-Württemberg zurückzugeben, das Eigentümer des Gewölbes ist. Der Marbacher Kulturverein „Südlich vom Ochsen“ kam der Diskussion mit einer Idee zuvor.
„Wir haben eher beiläufig erfahren, dass die Stadt den Schlosskeller nicht mehr betreiben will und kann“, sagt Mark Scheuerle, der Vorsitzende des Kulturvereins. Bei einem Treffen kam die zweite Vorsitzende, Tina Strba, auf die Idee: „Den könnten wir doch übernehmen.“
Der Kulturverein hängt eng am Schlosskeller. „Das ist unser Wohnzimmer“, sagt Tina Strba. Man habe ihn einst mit aus der Taufe gehoben, es ist der Veranstaltungsort von „Südlich vom Ochsen“. „Wenn wir den nicht mehr haben, können wir uns theoretisch als Verein auflösen.“ Was ohnehin aus personellen Gründen schon diskutiert wurde.
Die etwa 50 Vereinsmitglieder wurden befragt. Unter dem Motto „Kein Schlosskeller ohne Ochsen – keine Ochsen ohne Schlosskeller“ wurde um Rückmeldung gebeten. Etwa 20 meldeten sich, die Resonanz war positiv.
Ein Wagnis, ja. Aber: „Unsere Theaterfestspiele damals waren ein weitaus größeres finanzielles Risiko“, sagt Mark Scheuerle rückblickend. Ein Jahr Probelauf geben sich die Ochsen für die Verwaltung des Schlosskellers, so viel kann sich der Verein leisten. Tina Strba: „Es kann keiner etwas verlieren. Entweder sterben wir mit dem Geld auf dem Konto – oder wir wagen noch was.“
Dazu, sagen die Köpfe des Kulturvereins, werden auch noch Kooperationspartner gesucht. Auch Mitstreiter, die sich im Verein engagieren, und potenzielle Mieter für den Schlosskeller sind willkommen. Für Letztere gilt lediglich, dass ihre Idee etwas mit Kultur zu tun haben sollte. Auch die Ochsen selbst wollen den Schlosskeller füllen – zum Beispiel mit einer Talentbühne oder Fotokunst. Auch eine Eigenproduktion ist geplant, Regisseur Alexander Ilic hat schon Ideen.
Der Marbacher Bürgermeister Jan Trost ist froh über die Pläne des Kulturvereins. „Ich finde es außerordentlich positiv, dass ,Südlich vom Ochsen’ der Stadt in den finanziell schweren Zeiten durch die Übernahme des Schlosskellers zur Seite steht. Das ist gelebtes bürgerschaftliches Engagement, für das ich den Verantwortlichen sehr dankbar bin.“
Fehlt nur noch das endgültige Okay des Landes Baden-Württemberg als Vermieter. Telefonisch habe man schon das Signal, „dass das Land grundsätzlich gegenüber einer Untervermietung an den Verein offen ist“, so Trost. Das Land wollte noch Unterlagen zur bisherigen und künftigen Nutzung vorgelegt bekommen, „was wir schnellstmöglich erledigen“.