Der aktuelle Zustand der Eisenbahninfrastruktur in Deutschland sorgt immer wieder für Verspätungen oder vorübergehende Zugausfälle. Der jüngste Zwischenfall hat nun aber zur Folge, dass die einzige Direktverbindung aus Baden-Württemberg ins bayerische Allgäu auf unbestimmte Zeit entfällt.
Mehrere Jahre warten auf eine Lösung?
Nach einem Kabelschaden in einem Stellwerk steht laut Deutscher Bahn im Bahnhof Oberstdorf nur ein Gleis zur Verfügung. Der Schaden ist so gravierend, dass die Bahn vermeldet „bereits mit den Planungen für den Bau eines neuen elektronischen Stellwerks begonnen“ zu haben. Schnelle Abhilfe ist indes nicht zu erwarten. „In der Regel dauern die Planung und der Bau eines neuen Stellwerks mehrere Jahre“.
Der direkte Intercity entfällt
Der Intercity „Allgäu“ verbindet einmal am Tag Baden-Württemberg umsteigefrei mit der namensgebenden Region im Voralpenland. Der aus Dortmund kommende Zug hält dabei im Südwesten in Mannheim, Heidelberg, Stuttgart und Ulm. Seine Zukunft ist ungewiss. „Die Direktverbindungen des Fernverkehrs nach Oberstdorf müssen aufgrund der eingeschränkten Kapazitäten bis auf Weiteres leider komplett entfallen“, wie die für Bayern zuständige Pressesprecherin der Bahn verkündet. Hintergrund sei „ein massiver Kabelschaden im Stellwerk, der eine Kompletterneuerung der Anlage erfordert“. Neben dem IC Allgäu treffe es auch die Fernzugverbindung von Oberstdorf nach Hamburg.
Weniger drastisch aber auch noch spürbar sind die Auswirkungen auf den Regionalverkehr, den die Deutsche Bahn als Ausweichmöglichkeit für Fernreisende anführt. Die für Baden-Württemberg relevante Regional-Expresslinie zwischen Ulm und Oberstdorf kann zwar fahren, ist aber gegenüber dem ursprünglichen Fahrplan zehn Minuten länger unterwegs. Einzelne Züge, „die entfallen müssen, ersetzt die DB entweder durch Busse oder es gibt geeignete Verbindungen in ähnlicher Zeitlage, auf die die Fahrgäste ausweichen können“, heißt es in der Mitteilung der Bahn.
Verbindung wird gänzlich eingestellt
Der IC Allgäu verschwindet wegen des Stellwerk-Ausfalls in Oberstdorf gänzlich aus den Fahrplänen, wie ein Bahnsprecher auf Anfrage mitteilt. Die Verbindung sei „vorwiegend touristisch genutzt“ worden. Da das Ziel in der Ferienregion Allgäu nun nicht mehr erreichbar ist, entfällt der Zug komplett.
Einsatz des neusten ICEs geplant
Unter anderem auch für den Einsatz auf der ab Ulm nicht elektrifizierten Strecke via Memmingen, Kempten und Immenstadt nach Oberstdorf beschafft die Deutsche Bahn gerade eine neue, 79 Züge umfassende, Fernverkehrsflotte. Die neuen Züge sollen unter dem Namen ICE L vermarktet werden. Die ersten der auf eine Höchstgeschwindigkeit von 230 Kilometer in der Stunde ausgelegten Züge sollen im Lauf des Jahres 2025 in Betrieb gehen. Wann diese dann aber auf der Strecke ins Allgäu fahren geht, bleibt offen.