Einst war ein Esslinger Unternehmen der größte Industriebetrieb Württembergs. Die Geschichte dieses Aufschwungs begann vor genau 180 Jahren. Welche Erinnerungsstücke es noch gibt.
Während der anhaltenden Finanzkrise schwelgt so mancher gerne in nostalgischen Erinnerungen. Der Gedanke an Zeiten des Aufschwungs gibt Hoffnung. Vor ziemlich genau 180 Jahren begann eine solche Phase in Esslingen: Die Maschinenfabrik Esslingen (ME) wurde gegründet. Für die Industrialisierung der Stadt war das ein Meilenstein. Die ME wuchs zeitweise zum größten Industrieunternehmen Württembergs an.
„Am 13. März 1846 wurde der Vertrag zur Gründung der Maschinenfabrik Esslingen von Emil Keßler und einem Gründungskonsortium mit der Staatsregierung König Wilhelm I. von Württemberg geschlossen“, sagt Hans-Thomas Schäfer, Vorsitzender des Vereins zur Erhaltung von Lokomotiven der Maschinenfabrik Esslingen und der letzte Vorstandsvorsitzende der ME.
Lokomotiven aus Esslingen fuhren in der ganzen Welt
Von da an ging es schnell: Im Mai wurde der Grundstein des neuen Werks gelegt und bereits im Oktober 1847 die erste Lokomotive ausgeliefert. 23 Jahre später waren es bereits 1000. Im späten 19. Jahrhundert fuhren die ME-Lokomotiven auch in Indonesien, Südafrika, Japan und Brasilien.
Esslingen wächst mit der Maschinenfabrik
Mit der Maschinenfabrik wuchs auch Esslingen: Um die Jahrhundertwende hatte die Stadt 27 000 Einwohner – zur Gründungszeit waren es noch etwa 12 500 gewesen. 1908 wurde ein neues Werk in Mettingen gebaut. Auch das Portfolio wurde erweitert und umfasste beispielsweise Zahnradbahnen für den Einsatz im Gebirge, Straßenbahnen, unter anderem für Esslingen und Stuttgart, die Standseilbahn Stuttgart, Triebwagen, Dieselloks, Straßenwalzen, Generatoren, Brücken und Stahlhochbauten, außerdem elektrisch angetriebene Nutzfahrzeuge.
Aber der Erfolg hielt nicht an. Laut Alexander Weber, Autor eines mehrbändigen Werks über die Fahrzeuge der ME, hat die neugegründete Reichsbahn (Gründung 1920) „die großen Hersteller wie Borsig, Krupp, Henschel bevorzugt“. Die Aufträge blieben aus. Es folgte die Übernahme durch den Konzern Gute Hoffnungshütte. Dies konnte die finanzielle Schieflage des Esslinger Unternehmens aber nicht auffangen. 1966 rollte die letzte Zahnrad-Dampflokomotive aus dem Werk. Dann war nach 120 Jahren von 5000 Lokomotiven und circa 20 000 Wagen Schluss. Die Daimler-Benz AG übernahm die Gebäude sowie Anlagen und beschäftigte die ME-Mitarbeiter in ihren Werken weiter.
Die Erinnerung an die Maschinenfabrik Esslingen wird bewahrt
„Die ME existierte bis 2008 noch als eigenständige Grundstücksgesellschaft“, erklärt deren letzter Chef Hans-Thomas Schäfer.
Heute kümmert sich der 78-Jährige gemeinsam mit anderen Mitgliedern des Fördervereins zur Erhaltung von Lokomotiven der Maschinenfabrik Esslingen um den Wiederaufbau der letzten Werklokomotive der ME, eine T3 von 1922. Eine Erinnerung an den großen Aufstieg eines Esslinger Unternehmens. Bis sie wieder fahrbereit ist, könnte es allerdings noch mehrere Jahre dauern.
Mehr Informationen unter: http://www.fvme.de/