Massive Töne schreiben Hit um Wie man heute cool cruist durch die City Stuttgarts

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Die Hymne aufs Autofahren von 2002 wird 18 Jahre später zur Hymne auf die S-Bahn: Jean-Christoph „Schowi“ Ritter von den Massiven Tönen erzählt unserer Zeitung, wie es zur Neufassung des Hits „Cruisen“ gekommen ist.

Die Massiven Töne bei den Dreharbeiten für  die Neufassung ihres Hits „Cruisen“. Foto: Serviceplan 9 Bilder
Die Massiven Töne bei den Dreharbeiten für die Neufassung ihres Hits „Cruisen“. Foto: Serviceplan

Stuttgart - Sie waren die Coolsten, als sie durch die City cruisten. Im Auto auf der Urlaubsfahrt nach Frankreich und Portugal, erzählt Jean-Christoph „Schowi“ Ritter von den Massiven Tönen, hat die Band den größten Hit ihrer fast 30-jährigen Geschichte geschrieben. Eine Hymne aufs Auto war’s, die Ironie, Machotum und Lässigkeit vermischte. Der Hit von Schowi, Ju und 5ter Ton im Jahr 2002 war so massiv, dass sie allen mal wieder klar machten, wo sich die Mutterstadt befindet. Stuttgart heißt das Ziel! 18 Jahre ist dies her. Noch heute wird „Cruisen“ bei Youtube heftig geklickt. 4,5 Millionen Aufrufe sind es aktuell.

Die Band hat für den Dreh eine ganze S-Bahn für sich allein

„Schowi“ lebt inzwischen als Produzent, Musiker und DJ in Berlin, kommt aber regelmäßig in die Mutterstadt. Am Freitag ist er nach Stuttgart gefahren, wie seit Jahren üblich im Zug. Es galt, im Wizemann eine Hochzeit mit je 50 Gästen zweimal zu feiern (einmal für die Familie, einmal für die Freunde). „Jeder Gast musste einen Coronatest machen“, erzählt der 46-Jährige. Bestimmt jeder Stuttgarter, der zwischen 30 und 50 ist, kennt ihn und die Massiven Töne. Zwar wird der Rote Teppich nicht ausgerollt, aber es ist noch viel besser gekommen: Die Band hat, zurück in der Mutterstadt, eine S-Bahn ganz allein gehabt – für sich, für die Schauspieler und fürs Filmteam.

Ist ja auch ein Ereignis! Aus der Autohymne „Cruisen“ wird fast zwei Jahrzehnte später eine Bahnhymne, eine fetzige Nummer mit neuen Textteilen, die ökologische Mobilität in moderner Zeit anpreist.

Klimafreundlich ist cooler

Immer wieder wurde die Band gefragt, ob sie ihren Hit für Werbezwecke „verkauft“. Bisher hat sie immer abgelehnt. Bahnfahren finden „Schowi“, der gar kein Auto mehr besitzt, und seine Kollegen besser. Ihr Song, in dem aus Auto-Modellen S-Bahn-Linien werden, soll die Mobility App Stuttgart der S-Bahn voranbringen. Die bietet alle Mobilitätsangebote samt Ticketkauf (von Park-and-Ride-Plätzen bis zum Mietroller) aus einer Hand an. Motto: „So cruist man heute.“

Einst wollten die Jungs bei den Mädels auf dicke Hose machen mit tollen Autos. Jetzt ist es cooler, wenn man klimafreundlich und mit digitaler Raffinesse rumdüst, ob via Car-Sharing oder mit dem E-Scooter. Für Stuttgart 21, sagt „Schowi“, hätte er seinen Hit nicht hergegeben: „Was da passiert ist, ist eine Katastrophe!“ .

Sharing und ÖPNV sind die modernen Fortbewegungsmittel

Die mobilen Töne hören sich anders an als vor 18 Jahren, da heute Sharing und ÖPNV das Fortbewegungsmittel junger Leute ist. Ein eigenes Auto ist schon lange nicht mehr das Ziel. In dem Film, der schöne Stuttgart-Plätze wie das Teehaus vorführt, spielen Helden der Stadt mit wie die Skateaktivistin Rosa Altmann, aber auch Schowis 77-jährige Mutter und die Töchter von Ju (er lebt in Portugal). Regie hat Henrik Alm, ein Freund der Band, geführt. Gedreht wurde in der Pandemie, weshalb alle in der Bahn Masken tragen. In diesen Zeiten ist es nicht immer leicht, S-Bahn zu fahren. Manchmal ist so voll, dass man den Mindestabstand kaum einhalten kann. Es kommen hoffentlich bessere Zeiten. Und eines dürfte klar sein: Wer sich flexibel fortbewegt, gehörten zu den Coolsten und ist nie am Losen.




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