Beim Simultanturnier des Schachklubs Freibauer Esslingen stellten sich 40 Gegner dem Profispieler Matthias Blübaum. Foto:
Schach-Großmeister Matthias Blübaum begeistert beim Simultanturnier des Schachklubs Freibauer Esslingen – und spricht auch über den Bundesliga-Rückzug der SF Deizisau.
Kerstin Dannath
13.05.2026 - 07:00 Uhr
64 Felder, 32 Figuren – Schach. Verstaubt? Mitnichten. Die Beliebtheitskurve des „Spiels der Könige“ zeigt seit Jahren steil nach oben. So gab es beim Simultanturnier des Schachklubs Freibauer Esslingen einen regelrechten Run auf die Teilnehmerplätze – was sicherlich auch am Gegner lag: In Matthias Blübaum wartete nicht nur einer von rund 100 deutschen Großmeistern auf die Teilnehmenden.
Matthias Blübaum spricht über Bundesliga-Rückzug der Schachfreunde Deizisau
Der jüngst bekanntgegebene Rückzug seines Bundesligateams Schachfreunde Deizisau kam für Blübaum überraschend. „Ich bedauere das sehr, schließlich habe ich seit 2017 für Deizisau gespielt. Davon habe ich erst wenige Tage vor der offiziellen Bekanntgabe erfahren“, sagte Blübaum. Allerdings sei er bereits in guten Gesprächen mit anderen Vereinen. Die Entscheidung, wo er künftig ans Brett gehen wird, wird „in den nächsten Tagen fallen“.
Schach-Großmeister Matthias Blübaum überlegt seinen nächsten Zug. Foto: Volker Müller
Erst einmal stand aber das Simultanturnier in der Aula des Esslinger Georgii-Gymnasiums an – denn da warteten 40 Gegnerinnen und Gegner an den Brettern auf den Großmeister. Vom achtjährigen Nachwuchstalent über erfahrene Vereinsspieler bis zum 77-jährigen Senior war alles dabei. Die Blicke waren konzentriert, Getränke standen bereit, Stift und Notizblock lagen akkurat neben den Brettern.
Schachklub Freibauer Esslingen wächst rasant
Die Esslinger hatten den Termin recht kurzfristig angekündigt, die Teilnahme war kostenlos, das Interesse riesig. „Wir hatten sogar eine Warteliste“, sagte David Blank, der beim Schachklub Freibauer Esslingen als Trainer für den Nachwuchs sowie für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Der erst 2023 gegründete Club ist mit aktuell 74 Mitgliedern bereits Esslingens größter Schachverein – und sucht weiter neue Spielerinnen und Spieler. „Wir wollen neue Leute ans Brett bekommen, egal ob Anfänger oder Wiedereinsteiger“, bestätigte der SKF-Vorsitzende Markus Naumann.
Der zweite Grund für das Simultanturnier war indes ein trauriger: Das Event wurde auch im Gedenken an den im Januar verstorbenen SKF-Vereinsgründer Martin Scholl veranstaltet. „Um ihm zu gedenken, war es uns wichtig, etwas Besonderes auf die Beine zu stellen“, erklärte Blank. Die prompte Zusage Blübaums freute die Esslinger entsprechend sehr. Tags zuvor hatte der Großmeister bereits beim Jugendtraining im Tsingtau-Keller in der Landolinsgasse vorbeigeschaut, Fragen beantwortet, Tipps gegeben und mit den Jugendlichen eine Partie des Kandidatenturniers analysiert.
Großmeister Matthias Blübaum spielt an 40 Brettern simultan
Am nächsten Morgen warteten dann 40 Gegnerinnen und Gegner auf den Großmeister. Rund fünf solcher Termine absolviert Profi-Spieler Blübaum im Jahr – neben Bundesligaeinsätzen und der Teilnahme an internationalen Turnieren. Auf die leichte Schulter nimmt er ein Simultanturnier gegen Amateure aber nicht. „Allein von der Dauer her schlaucht so etwas schon. Ich drehe ja ein paar Stunden lang meine Runden zwischen den Brettern“, sagte Blübaum.
Blübaum nimmt sich Zeit
In Esslingen spielte er zudem an der Hälfte der Bretter mit Schwarz – eine beachtliche Zusatzbelastung. Fast sechs Stunden wurde im Esslinger Georgii-Gymnasium gekämpft. Blübaum spielte jede Partie aus, nahm sich Zeit für Analysen direkt am Brett und erfüllte nebenbei zahlreiche Autogrammwünsche. Letztlich kam Blübaum auf 35,5 Punkte. Nur eine Niederlage kassierte er – gegen Oberliga-Spieler Dietmar Kessler vom SV Ebersbach. Zudem gab es sieben Remis.
Und wie erklärt der Großmeister den anhaltenden Schachboom in Deutschland? „Durch die Corona-Pandemie hat sich einiges getan. Viele Menschen haben angefangen, online Schach zu spielen und viele davon sind – fasziniert von unserem schönen Sport – danach in die Vereine gegangen“, sagte Blübaum.
Für ihn steht nun erst einmal eine kleine Pause an. Seinen nächsten Auftritt hat er im Juli beim Internationalen Schachfestival in Biel, wo er wieder auf Weltklassegegner trifft. Und ab Oktober will Blübaum auch wieder im deutschen Oberhaus ans Brett gehen. „Man wird mich wieder in der Bundesliga sehen“, versprach der 29-Jährige.