Ausstellungsmacher David Pfeffer (re.) erläutert Ulrich und Kathrin Schmid-Maybach (Mitte) die Ausstellung im Maybach Schaudepot in Friedrichshafen. Foto: Felix Kästle
Die Tochter von Karl Maybach wollte ein Museum, das sich den geschichtsträchtigen Erfindungen ihrer Vorfahren widmet. Diese gehen weit über Daimler und Mercedes hinaus.
Vielleicht liegt es daran, dass Wilhelm Maybach und später sein Sohn Karl beruflich ganz schön herumgekommen sind. Der gebürtige Heilbronner Wilhelm über Reutlingen, Karlsruhe, Deutz (heute Köln) und Bad Cannstatt (heute Stuttgart) nach Bissingen an der Enz (heute Bietigheim-Bissingen), sein in Deutz geborener Sohn Karl von Bad Cannstatt über Paris und Bissingen bis nach Friedrichshafen und wieder Frankreich. Vielleicht liegt es auch daran, dass auf das Konto von Vater und Sohn wegweisende Erfindungen im Bereich der Motoren gehen, weniger aber der Vehikel, die diese antrieben. Fakt ist, dass es bis jetzt in all den Städten kein Museum gibt, wo Maybach im Zentrum steht.
Selbstverständlich spielt Wilhelm Maybach eine größere Rolle im Mercedes-Museum, schließlich hatte Gottlieb Daimler ihn als jungen Mann aus einem Waisenhaus in Reutlingen mitgenommen, wo er zum technischen Zeichner und Konstrukteur ausgebildet worden war. Maybach dankte es Daimler, indem er den ersten schnell drehenden Verbrennungsmotor entwickelte, der nicht die Größe einer Dampfmaschine hatte, das erste Fahrrad motorisierte und Daimlers erste Motorkutsche entsprechend ausstattete. Später entwickelte er auch den ersten Rennwagen, der den Namen Mercedes bekam und motorisierte das erste Schiff.
Maybachs Schnellzug bedeutete das Ende der Dampflokomotive
Karl Maybach setzte Meilensteine des Ingenieurswesens zu Lande, zu Wasser und in der Luft, entwickelte noch mit seinem Vater in Bissingen die Antriebe für die Luftschiffe von Graf Zeppelin – weshalb die Firma 1912 auch nach Friedrichshafen umzog. Er setzte Maßstäbe für Motoren, die in luftigen Höhen nicht an Leistung verlieren sollten, U-Boote mit Diesel antrieben oder auch den ersten dieselbetriebenen Schnellzug, was der Anfang vom Ende für die Dampflokomotive war. Im Zweiten Weltkrieg wurde er als Experte für Panzermotoren von den Nationalsozialisten zum Wehrwirtschaftsführer ernannt, nach dem Krieg arbeitete er für die französischen Armee.
Das Maybach Schaudepot in Friedrichshafen bei der inoffiziellen Eröffnung. Die Luxus-Karossen aus den 1930er-Jahren stehen dort sonst nicht. Foto: Maybach Stiftung/Felix Kästle
Die berühmten Luxusautos, die die Maybach-Motorenwerke ab 1919 herstellten, entstanden tatsächlich nur aus der Notlage heraus, dass der Versailler Vertrag den Deutschen verboten hatte, weiterhin Flugkörper zu bauen. Nur deshalb stieß Maybach in die Marktlücke der Nobel-Automobile.
Allerorten sind Plätze und Straßen nach Maybach benannt
Nach Wilhelm und/oder Karl Maybach sind allerorten Straßen und Plätze benannt, nur ein Museum gab es nicht. Bis jetzt. Ulrich Schmid-Maybach, Enkel von Karl Maybach, zeigte dieser Tage das sogenannte Maybach Schaudepot in der Friedrichshafener Fußgängerzone Karlstraße geladenen Gästen. In der früheren LBBW-Filiale ist die berufliche Geschichte der berühmten Maybachs „streng an der Technik orientiert“ dargestellt, sagt Schmid-Maybach: „Denn Maybach stand ursprünglich nicht allein für Luxus, sondern für technische Lösungen an der Grenze des Machbaren.“
Obwohl die Schau auf gerade einmal 140 Quadratmetern stattfinden muss, haben die Ausstellungsmacher die Firmengeschichte mittels großformatigen Foto- und Textkulissen, die hintereinander verschiebbar sind, ausführlich dargestellt. Hinter den Wänden werden künftig die rund 5000 Objekte des Vereins Freundeskreis Maybach Museum aufbewahrt, die abwechselnd in die Vitrinen des Hauptraums wandern sollen. Ein Blickfang ist ein auf Basis echter Fotografien mittels AI hergestellter Film über die erste Nordpolüberquerung im am 12. Mai 1926. Diese gelang unter der Leitung von Roald Amundsen mit einem Zeppelin und drei Maybach-Motoren, die eigens für die extremen Bedingungen entwickelt worden waren.
Wird die Leistung der Maybachs genug gewürdigt?
„Meine Mutter würde sich freuen, was wir geschafft haben“, sagte Ulrich Schmid-Maybach am Rande der Veranstaltung unserer Zeitung auch für seine ebenfalls anwesende Schwester Kathrin, „es hätte ihr gefallen“. Karls Tochter Irmgard Schmid-Maybach ist 2021 im Alter von 98 Jahren in San Francisco gestorben, wohin sie um 1960 noch vor Ulrichs Geburt ausgewandert war. „Es war für meine Mutter immer wichtig, einen Erinnerungsort in Friedrichshafen zu schaffen“, sagt Schmid-Maybach. Hatte er die Arbeit der Stiftung zuvor auf die Förderung junger Talente aus einfachen Verhältnissen ausgelegt, rückte seine Mutter ab 2012 die Firmengeschichte in den Vordergrund.
Aus gutem Grund, wie die frühere Geschäftsführerin der Maybach-Stiftung mit Sitz in Stuttgart vor ein paar Jahren unserer Zeitung sagte. „Wir finden schon, dass die Leistung der Maybachs bislang noch nicht ausreichend gewürdigt ist“, gab Andrea Boettcher damals zu Protokoll. Ulrich Schmid-Maybach käme es nie in den Sinn, die Gesellschaft für den Umgang mit der Leistung seiner Familie zu kritisieren, weshalb er auch nicht darauf antwortet, ob er nun Genugtuung verspürt. „Wir haben einen ersten Schritt gemacht, sozusagen durch die offene Autotür tiefer in die Geschichte einzusteigen“, sagt der Mittsechziger, der sein Alter nicht nennen will, damit nicht zu viele Daten von ihm im Internet kursieren.
Der OB von Friedrichshafen spricht von einem Zwischenschritt
„Es ist klein, aber fein“, sagt Ulrich Schmid-Maybach über das Schaudepot, das später im Sommer offiziell eröffnet wird und eines Tages an anderer Stelle noch wachsen könnte. Das sieht auch Simon Blümcke so. Der Oberbürgermeister von Friedrichshafen spricht von einem „Zwischenschritt“ zu einem Technik-Cluster mit dem Dornier-Museum, dem Zeppelin-Museum und dem ZF-Forum. „Wir gehen weitere Schritte und wir tun das zusammen“, sagt er bei der Premiere in Richtung der Geschwister Schmid-Maybach.
„Ich fühle mich hier nun mehr zu Hause“, sagt der studierte Rhetoriker und Immobilienunternehmer Ulrich Schmid-Maybach mit deutlich US-amerikanischem Akzent, aber in wohlgesetzten Worten. Den Traum seiner Mutter, der Maybach-Tochter, hat er posthum erfüllt.
Das Maybach Schaudepot in Friedrichshafen
Eröffnung Beim so genannten Soft Opening jüngst haben die finanzierende Maybach Stiftung und der Freundeskreis Maybach Museum, der nach Angaben seines Vorsitzenden Christoph Felder etwa 5000 Objekte und einige Ehrenamtliche einbringt, die Ausstellungsfläche zunächst geladenen Gästen vorgestellt. Die eigentliche Eröffnung des Schaudepots ist für die zweite Septemberhälfte geplant.
Führungen Das genaue Öffnungskonzept steht noch nicht fest, wenn Gruppen Interesse an einer Führung haben, können sie sich aber über die Homepage https://maybach.org/de-schaudepot/ an die Stiftung wenden.