Mayer-Vorfelder – Visionär und Reizfigur Der ewige Präsident des VfB Stuttgart

Gerhard Mayer-Vorfelder war von 1975 bis 2000 Präsident des VfB Stuttgart. Foto: Baumann

Gerhard Mayer-Vorfelder war ein streitbarer Politiker und machtbewusster Fußballfunktionär. An diesem Freitag wäre „MV“ 90 Jahre alt geworden, weshalb der VfB Stuttgart zu einem Gedenkabend lädt.

Der VfB Stuttgart hatte keinen Erfolg und kein Geld. Und er stand am Abgrund. Die Rede ist nicht von der Jetztzeit, sondern von den 70-er Jahren. Die Zeit, als die 25 Jahre währende Regentschaft von Gerhard Mayer-Vorfelder beim schwäbischen Fußballstolz ihren Anfang nahm. Es begann mit einem Abstieg, dem ein umso wundersamer Aufschwung sorgte. „Wären wir damals nicht wieder aufgestiegen“, schrieb MV in seiner 2012 erschienenen Autobiografie „Ein stürmisches Leben“, „dann wäre der VfB im Souterrain des deutschen Fußballs verschwunden“.

 

Ähnliche Sorgen gibt es auch heute, doch sparen wir an dieser Stelle mit weiteren Parallelen. Und doch wäre es interessant, wie MV heute auf sein früheres Lebenswerk blicken würde. An diesem Freitag wäre der so umtriebige wie umstrittene Fußballfunktionär 90 Jahre alt geworden. Der VfB veranstaltet zu diesem Anlass gemeinsam mit Margit Mayer-Vorfelder eine Gedenkfeier in der Soccer-Lounge der Mercedes-Benz-Arena, zu dem viele ehemalige Weggefährten eingeladen sind.

Intern geschätzt, öffentlich der Buhmann

Darunter Guido Buchwald, langjähriger Mannschaftskapitän des VfB unter der Ägide von MV. „Er war ein einmaliger Typ“, erinnert sich der 62-Jährige, „er hat immer alles für den VfB getan und den Verein sehr geradlinig geführt.“ Kein böses Wort kommt dem Ehrenspielführer über den ehemaligen Boss über die Lippen. Auch andere Weggefährten zeichnen ein anderes Bild von Mayer-Vorfelder als das, das sich über die Jahrzehnte in weiten Teilen der Öffentlichkeit gehalten hat.

Dort galt MV als Prototyp des machtbewussten Multifunktionärs, als konservativer Knochen, der seinen Verein nach Gutsherrenart führt und nebenbei als Kultusminister noch Millionen von Schülern drangsaliert. Bei Heimspielen des VfB formierte sich eine frühe Form des Wutbürgertums, wenn die Kurve regelmäßig „Vorfelder raus!“ brüllte. Eine Art Folklore gegen „Die da oben“. Beziehungsweise: den da oben.

Vorliebe für Champagner, nicht für Rotwein

Gerhard Mayer-Vorfelder, den Machtmenschen, der Posten sammelte wie andere Unterschriften. VfB-Präsident, Kultusminister, Finanzminister, später DFB-Präsident. Selbstredend mischte der Reservehauptmann auch noch in den Machtgefügen von Fifa und Uefa mit. Die erforderlichen Netzwerke spannte er stets gekonnt.

Langjährige Begleiter beim VfB wie im Landtag zeichnen das Bild einer harten, aber geradlinigen Persönlichkeit. Hochgebildet, konnte MV stundenlang über die großen und kleinen Dinge des Lebens diskutieren und dabei gut zuhören. Gerne mit einem Glas Champagner und einer Roth-Händle in der Hand – und nicht, wie gern behauptet, mit Rotwein. Der Mayer-Trollinger, als der er verunglimpft wurde, ist eine Mär.

Beim VfB erinnern sie acht Jahre nach seinem Tod vor allem an seine Verdienste. Mayer-Vorfelder habe schon immer groß gedacht, habe mit dem Bau des Anfang der 80er Jahre als Palazzo Prozzo verschrieenen Clubzentrums infrastrukturelle Maßstäbe gesetzt. Genauso mit dem Umbau und der Komplett-Bedachung des zugigen Neckarstadions zur Leichtathletik-WM 1993. Auch habe sich Mayer-Vorfelder soziales Engagement als Präsident eines großen Vereins auf die Fahne geschrieben, lange bevor sich Begriffe wie CSR (Corporate Social Responsibility) in der Marketinglandschaft breit machten. Die Unterstützung der Kinderkrebsnachsorgeklinik in Tannheim ist eines der von MV initiierten VfB-Projekte.

Wiederaufstieg wichtiger als Meisterschaften

Sportlich erlebte der Verein zwischen 1975 und 2000 mit seine erfolgreichste Ära. Zwei Deutsche Meisterschaften 1984 und 1992, einen Pokalsieg 1997, das Uefa-Cup-Finale 1989 und das Endspiel im Europapokal der Pokalsieger 1998 durfte Mayer-Vorfelder als Präsident feiern. „Die Titel waren schön für den Briefkopf“, schreibt er in seiner Biografie, „fürs Überleben wichtiger war der Aufstieg 1977.“

Zwei Jahre nach seinem wohl größten Fehlgriff – der Verpflichtung von Trainer Winfried Schäfer – ging die Ära von Mayer-Vorfelder beim VfB im Jahr 2000 zu Ende. Sportlich und wirtschaftlich stand der Club nicht gut da. Aber besser, als ihn MV 25 Jahre zuvor übernommen hatte.

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