Sie finden Flacht im besten Sinne „wüst“: Stealth Bomber – das sind (von links) Sänger Nico Schneider, Gitarrist Korbinian Bernt, Drummer Patrick Lamparter, Bassist Sven Schulz und Gitarrist Ruben Young. Foto: Simon Granville
In einer zugigen Scheune im Kreis Böblingen feilt eine Thrash-Metal-Band am Sound. Ihr humorvoller Aufkleber, vom Baden-Württemberg-Slogan abgeleitet, verbreitet sich weltweit.
Eine Scheune mitten im Weissacher Ortsteil Flacht. Viel Kram, viel Holz, eine wohlgenährte Katze streicht dem Gast um die Beine. Außerdem ist es, nicht ungewöhnlich für einen Abend im Februar, bitterkalt. Und hier soll jetzt wirklich eine Metalband proben? „Komm’ rauf!“, ruft es plötzlich von oben. Und hat man erst einmal die Stiegen erklommen, ist es zwischen abgerockten Sesseln, Barhockern, Bierkisten und verstaubten Gitarrenteilen zwar weiter super kruschtelig und kalt – im eigentlichen Probenraum eine Treppe und Tür weiter lässt es sich dann aber ganz gut aushalten.
Willkommen im Reich der Thrash-Metal-Band Stealth Bomber. Die Band besteht derzeit aus Drummer Patrick Lamparter, Bassist Sven Schulz, Sänger Nico Schneider sowie den beiden Gitarristen Korbinian Bernt und Ruben Young. Die Combo hat sich 2012 gegründet, seitdem einige Besetzungswechsel durchlaufen, sich aber dennoch auf der Landkarte des harten Untergrund-Sounds etabliert.
Brutale Musik, witziger Aufkleber: Willkommen bei Stealth Bomber aus Weissach-Flacht
Doch die Musik – bemerkenswert brutaler Thrash- mit einer ordentlichen Portion Death Metal – ist nur einer von zwei Gründen für den abendlichen Besuch. Der andere ist ein 14,5 Zentimeter breites und acht Zentimeter hohes, hell-beiges Aufkleber-Oval. Darauf steht geschrieben: „Wüst hier. Aber waren Sie schon mal in Flacht?“ Darunter ist die Silhouette eines amerikanischen B-2-Tarnkappenbombers mit dem Zusatz „Stealth Bomber – Neckbreaking Death’n’Thrash since 2012“ zu sehen nebst Stichworten für die Sozialen Medien.
Wer kennt sie nicht, die „Nett hier. Aber waren Sie schon mal in Baden-Württemberg?“-Aufkleber? 1999 wurde der Slogan als Marketing-Gag für das Bundesland etabliert, später dann auf Aufkleber gedruckt und zum weltweiten Phänomen. Inzwischen gibt es Online-Programme, mit deren Hilfe der fast schon ikonische Look für jede nur denkbare Angelegenheit reproduziert und gekauft werden kann. Nur haben sich wahrscheinlich bisher nur wenige getraut, die Sache so derart sympathisch-schrullig zu überzeichnen wie die Stealth-Bomber-Crew.
Aber ist der Vibe des Klebers nicht irgendwie ziemlich negativ? Finden die fünf Flacht also irgendwie hässlich oder unansehnlich? Ganz und gar nicht, betont Schlagzeuger Patrick Lamparter. Er ist das einzig verbliebene Gründungsmitglied und zugleich hauptverantwortlich für den Sticker. „‚Wüst’ ist hier auf eine positive Art gemeint“, sagt der Anfang-Dreißiger, der den Aufkleber einst noch ohne die heutzutage verfügbaren Online-Vorlagen nachgebaut hat.
Einer, der es noch genauer weiß und dementsprechend ausholt, ist Gitarrist Korbinian Bernt – übrigens der einzige echte Flachter im Band-Gefüge. „‚Wüst’ kann alles sein. In dem Fall geht’s aber eher in die ‚Hier geht’s wüst ab!’-Richtung. Wie auf einem Festival“, sagt er. Ausgiebige Feiereien rund um den Flachter Probenraum hätten dabei ihr Übriges getan. Ein lang gezogenes „Wüüüüüüscht!“ gehört bei Stealth Bomber deshalb seit Langem zum verbalen Band-Code – als Synonym zum Beispiel für „krass“.
Üben in der Scheune: Stealth Bomber in ihrem Probenraum Foto: Simon Granville
Die Sticker kleben inzwischen nicht nur in Szene-Clubs wie etwa dem Schwarzen Keiler in Stuttgart. Gerüchten zufolge sollen sie auch am Nordkap und anderswo auf der Welt zu finden sein. Jetzt muss nur noch die Musik von Stealth Bomber eine ähnliche Verbreitung finden. Doch für das Quintett ist die Band vor allem ein schönes Hobby. „Wir wollen auch weiter coole Konzerte spielen“, sagt Sänger Nico Schneider.
„Wüst hier“-Sticker sollen auch schon am Nordkap kleben
Der Basser Sven Schulz denkt dabei vor allem an Festivals: „Ein paar Open-Airs mehr wären schön. Am besten ist es, wenn uns Leute abfeiern, die vorher noch nie was von uns gehört haben.“ Doch auch die kleinen Auftritte seien viel wert. „Die machen mir genauso viel Spaß“, sagt Patrick Lamparter, „wenn das Publikum voll abgeht.“
Neue Musik soll es ebenfalls geben, auch wenn sich die Band mit einem Album eher Zeit lässt. Zwei EPs existieren aber bereits, zu finden unter anderem auf Spotify – sie sind aber als physische Tonträger auch über die Band zu beziehen.
Die Metalband Stealth Bomber
Bandname Als Name hat die Band die landläufige Bezeichnung für den B-2 „Spirit“-Bomber der US-Luftwaffe übernommen. Das Flugzeug der Herstellers Northop ist aufgrund seiner charakteristischen Form für gegnerische Radarsysteme quasi unsichtbar. Das englische „Stealth“ wird übersetzt etwa mit „Heimlichkeit“. „Zu der Zeit hatten wir es irgendwie mit Flugzeugen, und da klang der Name einfach cool“, sagt Schlagzeuger Patrick Lamparter.
Textliche Themen Die Themen, denen sich Stealth Bomber in den Songtexten widmen, sind breit gefächert. „Es ist viel Endzeit dabei, Krieg aus beschreibender Sicht, aber auch die Herrschaft von Tyrannen“, umschreibt Gitarrist Korbinian Bernt das Spektrum. „Außer ‚Rock Monster’, der Song handelt von Lego“, fügt er scherzend hinzu.