Mineralbad Berg in Stuttgart So schnittig ist der Pavillon von Stuttgarts Kultstätte Bad Berg

Blau hinter Grünem: der neue Gastro-Pavillon von 4a Architekten in Stuttgarts Schwimmkultstätte, dem sanierten Bad Berg. Foto: Uwe Ditz

Das Gesamtkunstwerk Bad Berg in Stuttgart ist endlich vollendet. Wie ist der neue Gastro-Pavillon in der berühmten Badeanstalt gelungen?

Bauen/Wohnen/Architektur : Nicole Golombek (golo)

Fast sieht man ihn nicht hinter all den Bäumen. Dann leuchtet es hellblau auf oberhalb der von Rosen gefassten Steintreppe. Was für ein Idyll, mitten in der Stadt. Überaus dezent schmiegt sich der jüngste Baustein des sanierten Bad Berg ins Gartengrün.

 

Einen schnittigen Flachdachbau mit blauer Kachelfassade haben 4a Architekten für den Ort entworfen, an dem sich die vom Schwimmen und Schwitzen hungrige Gäste jetzt wieder versammeln und auf den blauen oder gelben Stühlen Platz nehmen können.

Pavillon für das Kultbad in Stuttgart

Endlich abgebaut ist der mit Blumenmotivfolie notdürftig ummantelte Übergangs-Gastro-Container neben dem großen Außenbecken, den die Schwimmenden vor Augen hatten, wenn sie ihre Bahnen zogen oder im Kreis schwammen. Die Badehalle, die Saunen, die Umkleiden und das Bewegungsbad sind ja schon 2020 in dezent neuem Glanz erstrahlt. 4a Architekten sind dafür mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt worden, darunter mit dem Staatspreis Baukultur des Landes Baden-Württemberg.

Jetzt hat man auch im Badegarten wieder freie Sicht auf Bäume. Und wer in die Stadtbahn an den Mineralbädern stadteinwärts steigt, sieht, es ist wieder alles wie immer, nur frischer. Unter den als Liegefläche nutzbaren breiten Betonstufen befindet sich die begehbare Anlage, in der die Quellen zusammengefasst sind und von da in die richtigen Becken gelenkt werden.

Die Rosen entlang des Zauns sind schon gepflanzt, die Technik soll am besten unsichtbar funktionieren, das entspannungsfreudige Badevolk nicht daran erinnern, wie viel Arbeit dahinter steckt, die jede Nacht auch noch aufs Neue geschrubbten Becken funktionsfähig zu halten.

Ein Pavillon für 120 Gäste

Was das heilende eisenreiche Wasser mit Beton und Fliesenplättchen Hässliches anstellen kann, sieht man auf dem Weg zum Pavillon an den Ablagerungen auf den drei runden Trinkquellen-Stationen. Nicht schön, das, aber es ist auch nicht die Aufgabe der Architekten, sich darum zu kümmern.

Matthias Burkart, einer der Geschäftsführenden Gesellschafter der 4a Architekten und Bergianer seit 30 Jahren, ist an diesem Vormittag wieder einmal selbst vor Ort, um zu sehen, was noch fehlt am fast fertigen Werk. In Betrieb genommen wurde der auch innen schlicht und funktional gestaltete Gastro-Pavillon schon vor einiger Zeit, auch wenn noch nicht alles fertig war.

Der Architekt Matthias Burkart schwimmt seit rund 30 Jahren regelmäßig im Bad Berg, er hat mit seinem Büro. Foto: 4a Architekten

Egal, ob man die Treppen nimmt oder über den nun barrierefreien Seitenweg hochmarschiert – der Eindruck ist derselbe: selbst an einem regentrüben Tag ist die Atmosphäre rund um den neuen Gastro-Pavillon mit den rund 120 Sitzplätzen heiter. Die hellen Betonsteine nehmen die Farbe der Steine im unteren Badebereich auf. Die Auskragung spendet den an den Ausgaben Stehenden etwas Schatten.

Eine Boulebahn, von Rosen umgeben

Nur ein Lichtband unterm Dach, das dem Pavillon gerade am Abend noch mehr Tiefe verleihen soll, ist noch nicht fertig installiert, die Aufsätze für die Leuchten auf der Wiese fehlen noch, dafür sind robuste Bäume gepflanzt worden. Dass diese Fläche nicht mehr bestuhlt ist, was manche Badegäste bedauern, liege daran, sagt der Architekt, dass sie eben nicht zur offiziellen Bewirtungsfläche zählt.

In der Badehalle des seit 1856 bestehenden Stuttgarter Bades ist das Wasser jetzt 30 Grad warm. Foto: Uwe Ditz/4a Architekten

Die Tablettrückgabestelle wartet noch auf ihre Ummantelung, damit die Gäste nicht auf benutzte Teller und Tassen und die an der Wand gestapelten Getränkekisten schauen müssen. Die Geländer, Zäune und Betonwände werden noch komplett hinter Grünpflanzen verschwinden, Rosenbüsche säumen demnächst auch die Boulebahn im obersten Gartenbereich, wo der Rasen derzeit anwächst.

Derlei Details, auch die einheitliche Wahl von Müllbehältern, sollen das gestalterische Bild nicht beeinträchtigen. Gute Architektur hält aber vieles aus, selbst die wie Wachsoldaten aufgereihte Terracotta-Blumenkübel, die in Wirklichkeit aus Plastik sind, trüben nicht den erfrischend lässigen Gesamteindruck von Stuttgarts nun nach vielen Sanierungsjahren wieder auf den zeitgemäßen Stand gebrachten Ort.

Das Kultbad hat von seinem Retrocharme nichts verloren, die Erneuerung des Gesamtkunstwerks ist gelungen. Dank der gestalterischen Zurückhaltung wirkt der langausgestreckte hellblaue Flachdachbau wie selbstverständlich, so als sei er immer schon da gewesen.

Bilder vom Pavillon – auch von innen und vom Bad selbst – finden sich in der Bildergalerie.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Stuttgart Pavillon Architektur