Das baden-württembergische Ministerium für Kultus, Jugend und Sport hält in der Debatte rund um die Missstände im Stuttgarter Kunstturnforum den Druck hoch. Am Donnerstag trafen sich Ministerialdirektor Daniel Hager-Mann und Fachreferent Michael Schreiner mit Vertretern des Landessportverbands Baden-Württemberg (LSVBW/Präsident Jürgen Scholz, Hauptgeschäftsführer Ulrich Derad, OSP-Leiter Tim Lamsfuß) und des Schwäbischen Turnerbunds (STB/Geschäftsführer Matthias Ranke, Stützpunktleiter Michael Breuning), um die bisherigen Maßnahmen und das weitere Vorgehen zu besprechen.
Auf Anfrage formulierte ein Sprecher des Ministeriums noch einmal klare Aufträge an den Turn-Fachverband, der das Kunstturnforum betreibt. „Wir erwarten nun eine unabhängige, externe Aufarbeitung der Vorfälle“, hieß es am Freitag aus dem Ministerium, „und wir behalten uns auch weiterhin vor, gegebenenfalls Mittel einzufrieren.“ Zudem wurden klare Erwartungen adressiert.
Es müsse genau überprüft und analysiert werden, weshalb bisherige Kontrollmechanismen „nicht gegriffen haben“. Vom STB erwarte man „eine zeitnahe Bestätigung, dass diese Analyse durchgeführt wird. Zudem erwarte man als Folge dieser Aufarbeitung die Erstellung eines „konkreten Maßnahmenkatalogs, wie solche Vorfälle künftig effektiv verhindert werden“. Diese Maßnahmen gehörten dann immer wieder auf den Prüfstand gestellt. Das alles hört sich nicht danach an, als sei man mit dem Vorgehen des STB in den vergangenen Monaten besonders zufrieden.
Im Laufe des vergangenen Jahres hatten sich mehrere aktive Turnerinnen an entsprechende Meldestellen gewandt und Missstände im Umgang mit ihnen angeprangert. Rund um Weihnachten hatten dann zahlreiche ehemalige Turnerinnen ihre Erfahrungen während ihrer Zeit am Kunstturnforum geschildert. Von physischem und psychischem Missbrauch war die Rede, von Demütigungen und Training unter Schmerzen und trotz Verletzungen.
Der Deutsche Turner-Bund (DTB) hat mittlerweile eine Frankfurter Kanzlei mit anwaltlichen Untersuchungen zu den Zuständen am Bundesstützpunkt in Stuttgart beauftragt. Eine Trainerin und ein Trainer, die zunächst vorläufig freigestellt worden waren, werden nicht mehr in die Stuttgarter Trainingshalle zurückkehren.
Wichtig ist der Politik aber nicht nur der Blick zurück und die Aufarbeitung der Missstände, sondern auch der Fortbestand der Trainingsmöglichkeiten für die Kaderathletinnen. Man müsse die von den Freistellungen betroffene Trainingsgruppe „unterstützen“, damit diese „bestmöglich“ trainieren könne.