Ex-Nationalspieler Michael Dornheim Tagsüber Manager bei Mercedes-Benz, abends Volleyball-Trainer

Der frühere Volleyball-Nationalspieler Michael Dornheim ist seit Februar Trainer des Zweitligisten Barock Volleys MTV Ludwigsburg. Foto: Pressefoto Baumann/Julia Rahn

Michael Dornheim leitet die größte Abteilung von Mercedes-Benz in Sindelfingen und coacht zudem den Volleyball-Zweitligisten Barock Volleys MTV Ludwigsburg. „Volleyball ist für mich persönlich auch eine Art Stressbewältigung“, sagt der Ex-Nationalspieler.

Sport: Jochen Klingovsky (jok)

Heimspiele der Barock Volleys MTV Ludwigsburg sind eine Besonderheit. Denn neben den Stühlen für den Betreuerstab und die Ersatzleute steht auf jeder Seite des Netzes in der Innenstadtsporthalle ein großer, rot-goldener, reich verzierter Thronsessel. Michael Dornheim, die Führungsfigur des Ludwigsburger Zweitliga-Teams, nimmt auf dem Monarchensitz allerdings nie Platz. Weil Cheftrainer im Volleyball grundsätzlich stehen, aber auch, weil es nicht seinem Rollenverständnis entsprechen würde, über dem Rest der Mannschaft zu thronen. Der Coach ist ein Teamplayer, ein intelligenter Analytiker, ein guter Motivator – kein Sonnenkönig. Eine interessante Geschichte hat er trotzdem.

 

Michael Dornheim (56) zählt zu den besten Zuspielern, die es in Deutschland gab. Der Volleyballer aus Weiden in der Oberpfalz machte 192 Länderspiele, wurde Ende der 80er-Jahre mit dem Hamburger SV Meister und Pokalsieger, holte danach auch mit dem TSV Milbertshofen den Pokal. Mit dem Nationalteam wurde er zweimal EM-Vierter (1991, 1993), zudem zum Volleyballer des Jahres 1993 gewählt. „Dieser Sport“, sagt er, „bedeutete für mich absolute Leidenschaft.“

Chef von 540 Mercedes-Mitarbeitern in Sindelfingen

Seine Karriere beendete Michael Dornheim beim damaligen Bundesligisten SV Fellbach (1995 bis 1999). Parallel dazu startete der Technische Betriebswirt seine berufliche Laufbahn. 1998 begann er bei Mercedes-Benz in Sindelfingen, dort leitet er heute die größte Abteilung: In der Gesamtfahrzeugwerkstatt der Pkw-Entwicklung ist er Chef von 540 Mitarbeitern. Der Job ist eine Herausforderung, füllt ihn aus. Und trotzdem spielt seit einiger Zeit auch Volleyball wieder eine wichtige Rolle in seinem Leben. Was viel mit seinen zwei Kindern zu tun hat.

Ein Bild aus dem Jahr 1999: Michael Dornheim (Nr. 14) im Trikot des damaligen Bundesligisten SV Fellbach Foto: Baumann

Es gab eine Phase, da war Michael Dornheim völlig raus aus seinem Sport. Doch dann begleitete er die Entwicklung seiner Tochter Helena. Die Jugendnationalspielerin gehörte zum Kader der Bundesligisten Allianz MTV Stuttgart und Ladies in Black Aachen, wurde 2023 in den erweiterten Kader des Nationalteams berufen. Mittlerweile hat die 20-jährige Außenangreiferin ihre Karriere beendet, sie konzentriert sich voll auf ihr Wirtschaftsjura-Studium in Mannheim. Bleibt noch Sohn Jonah (16). Er ist einer der beiden Zuspieler bei den Barock Volleys MTV Ludwigsburg – und gehört zu den Talenten, die Michael Dornheim motivieren, Beruf und Berufung unter einen Hut zu bekommen. „Es macht mir große Freude, mit jungen Menschen zu arbeiten. Wir haben in Ludwigsburg einen massiven Zulauf, wollen den Jugendlichen unserer Akademie eine Perspektive bieten“, sagt der A-Lizenz-Inhaber, „gleichzeitig ist Volleyball für mich persönlich auch eine Art Stressbewältigung.“

Die Region Stuttgart ist ein weißer Fleck im Männer-Volleyball

Eingestiegen ist Dornheim in Ludwigsburg als Jugendcoach, mit dem U-18-Team holte er 2022 den Meistertitel. Vier Talente von damals gehören nun zum Zweitliga-Kader, den Dornheim seit Februar 2024 trainiert. Und mit dem er viel vor hat: Die Barock Volleys wollen in die Bundesliga.

Was sich für ein Team, das die vergangene Zweitliga-Saison auf einem Abstiegsplatz beendet hat, wie ein verwegener Plan anhört, ist im Volleyball kein unrealistisches Szenario. Weil die Region Stuttgart auf der Landkarte des Männer-Volleyballs ein weißer Fleck ist, wurden die Ludwigsburger im Frühjahr vom Ligaverband gefragt, ob sie sich nicht ein Engagement im Oberhaus, das auf 14 Team aufgestockt werden soll, vorstellen könnten. Konnten sie nicht, zumindest nicht sofort. Der Kompromiss: Die Barock Volleys erhielten eine Wildcard für die Zweitliga-Saison 2024/25, in der sie nun hart daran arbeiten, um die Voraussetzungen für den Sprung nach oben zu schaffen – sportlich und organisatorisch. „Der Aufstieg wäre ein Kraftakt. Aktuell befinden wir uns in einem Transformationsprozess in Richtung Profi-Volleyball“, sagt Dornheim, „wir glauben an das Potenzial des Standorts Ludwigsburg. Vom Verein, den wir maximal belasten, erhalten wir tolle Unterstützung. Jetzt geht es darum, so gut wie möglich zu performen.“

Das Trainer-Team harmoniert

Dafür haben die Barock Volleys ihr Team verstärkt, in Ben-Simon Bonin (21, Außenangriff), Philipp Herrmann (21, Mittelblock) und Richard Peemüller (26, Diagonalangriff) kamen drei Profis mit Erstliga-Erfahrung. Der Kader bietet nun viel Klasse, aber auch noch genügend Entwicklungspotenzial, Michael Dornheim wird von seinen Co-Trainern Stjepan Masic und Frank Racky unterstützt. Der Saisonstart war mit einem Sieg und zwei knappen Niederlagen zwar etwas holprig, was den Chefcoach aber nicht beunruhigt: „Wir sind erst seit Anfang September komplett, müssen uns die Automatismen noch erarbeiten. Die Zeit, in der wir unser Leistungsvermögen komplett abrufen können, wird kommen – das wird aber auch nötig sein, denn die zweite Liga ist diesmal sehr stark und an der Spitze so ausgeglichen besetzt wie nie zuvor.“

Weshalb es für die Barock Volleys aus Ludwigsburg darum gehen wird, möglichst schnell möglichst viel zu lernen. Auf dem Feld, aber auch außerhalb. Damit die edlen Thronsessel in der Innenstadtsporthalle nächste Saison die Bundesliga bereichern.

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