Mit Rollator bei Glatteis unterwegs Stuttgarter Senioren kämpfen mit Glätte – „Bin froh, wenn ich wieder daheim bin“

, aktualisiert am 09.01.2026 - 09:31 Uhr
Die Rädle greifen nicht so gut, die Hände werden trotz Handschuhen eisig: Im Winter ist es mit dem Rollator draußen unangenehm. Foto: Paul Zinken/dpa/dpa-tmn

Ungeräumte Gehwege, vereiste Bordsteinkanten – wenn Renate Kornau mit dem Rollator unterwegs ist, stößt sie derzeit auf viele Unfallgefahren. Was würde ihr und anderen Senioren helfen?

Familie/Bildung/Soziales: Lisa Welzhofer (wel)

Am Tag zuvor musste Renate Kornau mit ihrem Rollator raus. Trotz Schnee und Eis, der Arzttermin war unaufschiebbar. Also tastete sich die 81-Jährige die Gehwege entlang. „Arg verkrampft“, wie sie sagt, „vor lauter Sorge zu stürzen“. Denn nicht alle Wege sind geräumt. Im Schnee „greifen die Rädle nicht so gut“, Eisplatten können sich darunter verbergen. Die Hände werden trotz Handschuhen eiskalt an den Griffen, kein Schirm schützt vor Schneefall. Und wenn sie eine Bordsteinkante hoch muss, balanciert sie kurz auf einem Bein, um mit dem anderen die Gehhilfe zu kippen.

 

Aber Renate Kornau schaffte es von ihrer Wohnung in Feuerbach zum Arzt und wieder zurück. Unfallfrei. „Ich war froh, als ich wieder daheim war“, sagt die Stuttgarterin. Bei einer Witterung wie in diesen Tagen bleibt sie deshalb so oft wie möglich daheim, sagt verschiebbare Termine ab, lebt von ihren Vorräten – oder bittet, da sie allein lebt, im Notfall eine Nachbarin oder Familienmitglieder, für sie einzukaufen.

Wie Renate Kornau geht es vielen älteren Menschen bei Schnee und Glätte, die nicht mehr gut gehen können. Der Weg vor der Türe, zum Supermarkt, zu Ärzten oder Treffen mit Freunden, bereitet Sorgen, das schöne Winterweiß wird zur unwägbaren Unfallgefahr. Das kann auch Hans-Joachim Kienzle, 78 Jahre alt, vom Stadtseniorenrat Stuttgart bestätigen. Er selbst ist noch sehr gut zu Fuß und als passionierter Tischtennisspieler mit Gelenkigkeit und gutem Gleichgewichtssinn ausgestattet, aber er weiß von seiner ehrenamtlichen Arbeit im Rat, dass der echte Winter bei vielen Älteren Ängste schürt, überhaupt das Haus zu verlassen.

Vor allem, wer mit dem Rollator unterwegs ist, sei darauf angewiesen, dass vor den Häusern gut geräumt werde – und das sei nicht immer der Fall, sagt Hans-Joachim Kienzle. Er wünscht sich deshalb, dass Mitbürgerinnen und Mitbürger an Senioren, aber auch an andere Menschen mit Einschränkungen denken, und ihrer Räumpflicht nachkommen. „Außerdem kommt es sehr auf eine gute Nachbarschaft an“, sagt Kienzle. Er selbst sei schon in solchen Tagen für andere einkaufen gegangen und rät den Stuttgartern, bei alleinstehenden älteren Nachbarn nachzufragen, ob man etwas für sie besorgen könne.

Aber auch für seine Altergenossen hat Kienzle Tipps, um besser durch eisige Zeiten zu kommen: Kündigt der Wetterbericht frostige Tage an, sollten diese sich einen Vorrat an Lebensmitteln und Getränken zulegen, der mehrere Tage reicht. Gingen sie dennoch vor die Türe, sei gutes Schuhwerk mit griffigem Gummiprofil wichtig.

Kochen für die Nachbarin

Aber nicht nur körperlich ist der Winter für alleinlebende Senioren eine mitunter harte Zeit, er kann auch fürs Gemüt herausfordernd sein, sagt Hans-Joachim Kienzle: „Manche verlassen dann tagelang nicht das Haus. Das kann sehr einsam sein.“

Renate Kornau allerdings kommt mit der vielen Zeit allein daheim gut zurecht. „Ich fühle mich nie einsam“, sagt sie. Sie lese viel, höre gern Musik, sehe fern, vor allem Reiseberichte. Zwei bis drei Mal pro Woche koche sie außerdem etwas mehr. Dann lädt sie ihre Nachbarin zum Essen ein.

Sicher unterwegs mit dem Rollator

Reifen
Gut, wenn man sich vorab mit der Frage beschäftigt hat, wie wintertauglich die eigene Gehhilfe überhaupt ist. So eignen sich kleine Reifen mit geringem Profil bei Eis und Glätte nicht, warnt die Aktion Das Sichere Haus (DSH). Sie bieten zu wenig Halt. Anders sieht es mit Outdoor-Reifen aus – etwa aus Softgummi, die sich auf so manches Rollator-Modell aufziehen lassen. Informieren kann man sich im Fachhandel.

Wintercheck
Im Fachhandel kann man auch den Zustand seines Rollators checken lassen. Dass etwa die Bremsen gut funktionieren, ist nun nämlich umso wichtiger. Daher ist im Winter übrigens auch regelmäßiges Rollator-Putzen angesagt, wie die Deutsche Verkehrswacht rät. Der Schmutz, der sich an der Gehhilfe ansammelt, kann nämlich die Bremsfunktion beeinträchtigen.

Rucksack
Baumelt ein Beutel oder ein Täschchen am Handgelenk, hat das im Falle eines Sturzes einen entscheidenden Nachteil: Man kann sich schlechter mit den Händen abfangen, warnt die Aktion DSH. Besser ist ein Rucksack.

Sichtbarkeit
Gerade wer im Dunkeln unterwegs ist, trägt am besten Kleidung in hellen Farben. Ebenfalls eine gute Idee: sich und den Rollator mit Reflektoren und LED-Lichtern ausstatten.

Kleidung
Kuschlig warm sollte man es in seinem Winteroutfit haben, klar. Wichtig ist aber auch, dass Mantel und Co. die Beweglichkeit nicht einschränken, rät die Deutsche Verkehrswacht. Gut zu wissen: Für Griff und Bremse gibt es spezielle Handwärmer. Sie können einem Versteifen der Gelenke vorbeugen und sorgen dafür, dass man sicher bremsen kann und guten Halt hat.

Watscheln
Der Pinguingang bringt bei Glätte mehr Stabilität. Dabei verlagert man beim Gehen den Körperschwerpunkt leicht nach vorn über den auftretenden Fuß. Er zeigt dabei leicht nach außen. Langsam und mit kleinen Schritten auf ganzer Sohle schiebt man sich so über den glatten Untergrund. Weiterer Vorteil: Stürzt man doch, fällt man nach vorn - und nicht auf den Hinterkopf. (dpa)

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