Die Rhätische Bahn haben die Mitglieder der Modell-Eisenbahn-Gruppe Ostfildern originalgetreu nachgebaut. Am 15. und 16. November sind Tage der offenen Tür – das erwartet die Besucher.
Die Rhätische Bahn rollt durch den Keller eines Nellinger Firmengebäudes. Einen Teil des Streckennetzes im Schweizerischen Kanton Graubünden, das 385 Kilometer Bahnstrecke umfasst, haben die 25 Mitglieder der Modell-Eisenbahn-Gruppe Ostfildern (MEGO) nachgebaut.
Immer mittwochs arbeiten die Männer mit ihrem Vorsitzenden Manfred Knoll an der Bahnlandschaft, in der 390 Meter Gleise verbaut sind. Manuel Häderle gerät ins Schwärmen, wenn er vor der Alpenlandschaft aus Schienen und Gips steht: „Da haben wir früher mit unseren Eltern Urlaub gemacht.“
Am Samstag und Sonntag, 15. und 16. November, öffnet die Modellbaugruppe ihre Türen für zwei Fahrtage. Dann dürfen Jung und Alt die Anlage besichtigen. Der Vereinsraum in der Vogelsangstraße 24 in Nellingen ist jeweils von 10 bis 17 Uhr geöffnet. „Wir freuen uns, dass wir unsere Bahnlandschaft der Öffentlichkeit zeigen dürfen“, sagt Ulrich Katz. Die spektakulären Felslandschaften der Alpen haben die Modelleisenbahner nachgebaut. Seit 33 Jahren widmen sie sich diesem Projekt. „Es geht darum, möglichst originalgetreu zu arbeiten“, beschreibt Katz die Arbeit der Tüftler. Deshalb reisen die Modelleisenbahner regelmäßig nach Graubünden. Mit Latexformen und Gips bilden sie die Steine dann originalgetreu nach.
Detailverliebte Modellbaulandschaft in Nellingen
Über grüne Wiesen, auf denen Kühe grasen, rollt der Glacier Express mit den Panoramafenstern. Beim Maßstab 1 zu 87 ergibt sich eine Spurweite von 12 mm. „Inzwischen ist die Anlage so komplex, dass wir digitale Steuerungstechnik brauchen“, sagt Manfred Knoll. In der Gruppe hat jeder seine Schwerpunkte. Die Techniker arbeiten mit den Zügen. Heinz Gerlach, langjähriger technischer Leiter des Vereins, punktet da mit seinem Wissen. „Ich bin eher der Landschaftsbauer“, beschreibt dagegen Karlheinz Rühle sein Talent. Felsformationen und Wälder zu bauen, das macht dem Rentner Freude. Bei den fein gearbeiteten Tannen braucht man Fingerspitzengefühl. Und auch die Häuser bauen die Tüftler selbst. Ulrich Katz zeigt den Rohling eines der Häuser, die aus Holz gebaut sind. Die Fenster sind mit mit feinen Blättern ausgesägt.
Ein echter Hingucker ist das Viadukt über den Fluss Landwasser. Im Original ist das Bauwerk 65 Meter hoch und 135 Meter lang. Die Nellinger Modellbauer haben das monumentale Bauwerk ebenso nachgebildet wie das Flussbett. Baumstämme sind ans Ufer geschwemmt. Schweiz-Reisende werden auch das Hotel Grischuna am Bahnhof von Filisur wiedererkennen. „In den Zimmern mit direkter Sicht auf den Bahnhof mieten sich Eisenbahn-Fans ein, denn da hat man den besten Blick auf die Züge der Rhätischen Bahn“, schwärmt Manuel Häderle.
Immer wieder rollen Züge durch die Berglandschaft. Vor dem Bahnhof von Bergün, in rätoromanischer Sprache Bravuogn, schließt sich eine Schranke. „Da ist alles aufeinander abgestimmt“, sagt Manfred Knoll, der selbst als Lokführer gearbeitet hat. Der Vereinschef der Nellinger Modellbauer findet es schön, dass er seine Leidenschaft für Eisenbahnen nun mit Gleichgesinnten ausleben kann. Damit die Besucher wissen, vor welchem Teil der Rhätischen Bahn sie stehen, haben die Modellbauer Original-Schilder des Verkehrsunternehmens gehängt. „Selbstverständlich mit Genehmigung“, sagt Manfred Knoll. An einer Wand hängt eine ausgemusterte Signalanlage der Bahn. „Solche Fundstücke sind einfach ein Glücksfall“, findet Knoll.
Die Modelleisenbahner bauen Landschaften mit liebevollen Details
Die liebevolle Detailarbeit, mit der die Nellinger Modelleisenbahner Landschaften nachbauen, verblüfft. Nicht nur technikbegeisterte Kinder, auch Erwachsene staunen über die Bahnlandschaft. Wenn die Züge über das Steinbogenviadukt am Stulser Tobel rollen, fühlt man sich fast in die Schweiz versetzt. Der Wasserfall, der ins Tal stürzt, zieht die Blicke auf sich. Fotografien zeigen, wie sich Original und Modell ähneln. „Immer wieder neue Lösungen im Modellbau zu finden“, das macht für Karlheinz Rühle den Reiz der Arbeit aus.
Bei den Fahrtagen am Wochenende dürfen die Besucher auch in die Werkstatt der MEGO schauen. Derzeit entsteht eine weitere Felslandschaft. Die kluftigen Steine sind aus Gips modelliert. „Damit es wirklich gut aussieht, arbeiten wir mit Farbe“, erklärt Karlheinz Rühle. Wie nah die Nellinger Gruppe an den Vorbildern arbeitet, zeigt der Ausschnitt aus der Albula-Region. „Das ist unser Ehrgeiz“, sagt Ulrich Katz. Bei den gemeinsamen Reisen nach Graubünden haben die Modellbauer die Kameras stets dabei. „Da wird alles dokumentiert.“ Inzwischen gebe es Mitglieder der MEGO, „die jeden Stein entlang der Bahnlinie kennen.“
Die Modell -Eisenbahn-Gruppe Ostfildern
Fahrtage
Am Samstag und Sonntag, 15. und 16. November, öffnen die Modellbauer ihre Türen für Jung und Alt. Besucher dürfen dann in aller Ruhe die Landschaft entlang der Rhätischen Bahn bestaunen, während die Züge rollen. In der Vogelsangstraße 24 in Nellingen haben die Modellbauer ihr Domizil. Der barrierefreie Zugang ist an der Ecke Robert-Bosch-Straße. Die nächsten Fahrtage sind am 24. und 25. Januar 2026. Weitere Informationen: www.mego-online.de
Geschichte
Die Modell-Eisenbahn-Gruppe Ostfildern wurde am 15. Oktober 1992 im Treffpunkt Kemnat gegründet. Die Initiative ging damals von Treffleiterin Minna Bylow-Schüle und von Wolfgang Schüler aus. Die Konzeption „Nachbau der Rhätischen Bahn“ verfolgen die Mitglieder seit der Gründung. Jahr für Jahr kommen neue Elemente in der Schweizerischen Berglandschaft hinzu.