Mountainbike-Weltcup Ein Abenteuer und viel Lockerheit – wie Luca Schwarzbauer in die Saison startet

Der Mountainbiker Luca Schwarzbauer im Trikot des deutschen Meisters. Foto: IMAGO/NurPhoto

Nach einer Vorbereitung, in der Luca Schwarzbauer die erhoffte Lockerheit gefunden hat, startet der Mountainbiker aus Ochsenwang am 1. Mai in Südkorea in die neue Weltcup-Saison.

Sport: Dirk Preiß (dip)

Ein Straßenfahrer ist er ja nicht, Alpenpässe sind von daher nicht zwingend sein Revier. Aber: Ein bisschen herumgekommen auf dem Fahrrad ist auch Luca Schwarzbauer in seiner bisherigen Karriere. Er hat also durchaus Vergleichsmöglichkeiten – und weiß: „Wenn man sie von ganz unten bis nach oben fährt, ist sie schon ein Brett. Ein echt ordentlicher Anstieg.“ Gemeint ist: die Ochsenwanger Steige, die von Bissingen an der Teck hinauf auf die Schwäbische Alb führt.

 

Auf 3,4 Kilometern werden mehr als 340 Höhenmeter überwunden, es gibt vier so genannte Rampen mit bis zu 14,1 Prozent Steigung. Und für Luca Schwarzbauer ist sie nun eine von mehreren Heimweg-Varianten. Denn der olympiaerfahrene Mountainbiker, der aus Nürtingen stammt und später in Weilheim/Teck lebte, ist nun in Ochsenwang zuhause – was vor der in dieser Woche beginnenden Weltcup-Saison allerdings nicht die einzige Veränderung ist.

Über den Winter, sagt der 29-Jährige, sei er richtig gut gekommen. Form, Gesundheit, Fitness – die wichtigsten Parameter haben gestimmt. Aber da war noch etwas. „Ich würde sagen“, meint der Radprofi, „dass ich auch ein bisschen mehr Spaß an der Sache hatte. Es war lockerer, freier, unverkrampfter.“ Und genau das ist sein Ziel gewesen.

Nicht, dass Luca Schwarzbauer dem Mountainbike-Sport in den vergangenen Jahren ohne Freude nachgegangen wäre. Aber nach seinem besten Jahr 2023 und der Olympia-Saison 2024 („Da bin ich weiter gewachsen“) hatte er 2025 das Gefühl, so ein bisschen zu stagnieren, die eigene Entwicklung schien an Tempo zu verlieren. Also machte er sich Gedanken über seine generelle Herangehensweise – und nahm sich vor, den nötigen Schuss Lockerheit zu suchen und zu finden. Bis jetzt ist diese Taktik sehr gut aufgegangen.

Luca Schwarzbauer bei den Olympischen Spielen in 2024 in Paris. Foto: IMAGO/GEPA pictures

Sicher auch, weil Luca Schwarzbauer erstmals seit Jahren ohne eine Doppelbelastung in eine Saisonvorbereitung gegangen ist. Sein Studium ist mittlerweile abgeschlossen. Dazu kam die Möglichkeit, einmal etwas ganz anderes zu machen. Gemeinsam mit dem Neuseeländer Samuel Gaze nahm er am Mountainbike-Etappenrennen „Cape Epic“ in Südafrika teil. „Das war“, sagt Luca Schwarzbauer mit einem Lächeln, „eine riesige Herausforderung.“ Da sind einerseits die Etappen, die immer als Duo gefahren werden. Nach dem Prolog sind sie bis zu 140 Kilometer lang – was für die Mountainbiker doch eine eher ungewöhnliche Distanz darstellt.

Selbst im Vergleich zu harten Trainingswochen sei es schon „krass“ gewesen, welche Energie man in das „Cape Epic“ investieren müsse. Dazu kommen die logistischen Themen, die das Rennen für das ganze Team zu einem Abenteuer machen. „Aber“, sagt Luca Schwarzbauer, „man bekommt auch viel zurück.“

Eine mediale Aufmerksamkeit zum Beispiel, die dem Mountainbike-Sport sonst nicht immer zuteil wird. Und sportliche Bestätigung. Nach einem „fetten Defekt“ am zweiten Tag war der Gesamtsieg zwar schnell außer Reichweite für Luca Schwarzbauer und seinen Partner. Aber: Es gab für das deutsch-neuseeländische Duo drei Etappensiege und am Ende Rang drei in der Gesamtwertung.

Es geht auch um einen neuen Vertrag

Diese positive Erfahrung passte ins neue Programm, das sich Luca Schwarzbauer selbst verordnet hat. Ab dem 1. Mai folgt dann Business as usual. Wobei: nicht ganz. Denn der Weltcup-Auftakt findet erstmals in Südkorea statt, seit der vergangenen Woche ist der Radsportler schon dort. Gut reinkommen will er in Südostasien in die Saison – und sich selbst darin bestätigen, dass die neue Herangehensweise nicht nur Spaß macht. Sondern auch erfolgreich ist. Nicht zuletzt geht es für den 29-Jährigen auch darum, sich für einen neuen Kontrakt zu empfehlen.

Im dritten und letzten Vertragsjahr ist der Mountainbiker bei seinem Canyon-Team nun. Wie es weitergeht, wird sich im Laufe der Saison zeigen. Klar ist für Luca Schwarzbauer, dass er noch einige gute Jahre im Tank hat. Zwar drängt mehr und mehr junge, starke Konkurrenz nach – aber die Geschichte in seinem Sport hat gezeigt, dass auch Fahrer jenseits der Dreißig große Erfolge feiern können.

Ein Beispiel: Im vergangenen Jahr hat Nino Schurter seine Karriere beendet. Im Alter von 39 Jahren. Mit 36 ist der Schweizer nochmals Weltmeister geworden, mit 37 hat er den Gesamtweltcup ein weiteres Mal gewonnen, mit 38 sein letztes Weltcuprennen. Es ist eine Bilanz, die sich sehen lassen kann – und zugleich Ansporn ist.

Noch weiß Luca Schwarzbauer nicht, wie lange er tatsächlich Leistungssportler bleiben wird. Eines aber steht fest: die Ochsenwanger Steige wird noch einige Zeit fester Bestandteil seines Trainingsplans sein.

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