Die Abfallwirtschaft Stuttgart ist für die Abfallentsorgung und die Straßenreinigung zuständig. Foto: Lichtgut/Julian Rettig
Hinter Mitarbeitern der Abfallwirtschaft Stuttgart liegen einige Streiktage. In dieser Woche holen sie die letzten Rückstände auf. Welche Folgen Streiks haben und wie die AWS sie bewältigt.
Der Tarifstreit im öffentlichen Dienst ist seit Anfang des Monats beigelegt. Bis zur Einigung beteiligten sich Arbeitnehmer an Warnstreiks. Die hatten unter anderem Auswirkungen auf die Müllentsorgung – was an den überquellenden Tonnen in Stuttgart unübersehbar war. Inzwischen sind nach Angaben der städtischen Abfallwirtschaft (AWS) fast alle Rückstände beseitigt, die noch verbliebenen sollen in dieser Woche abgeholt werden. Warum jetzt erst?
Der letzte, damals dreitägige Warnstreik, der den Eigenbetrieb der Landeshauptstadt betraf, endete vor rund einem Monat. Die AWS blickt in Summe auf acht Streiktage im Februar und März zurück, ehe die Gewerkschaften und Arbeitgeber einen neuen Tarifvertrag abschlossen.
AWS-Chef: Bis zu 80 Tagestouren können im Streik ausfallen
„Schwerpunkt war der innerstädtische Bereich, sowohl bei der Straßenreinigung als auch bei der Abfallentsorgung“, teilt der Geschäftsführer Markus Töpfer rückblickend zu den Stellen mit, an denen sich der Streik am stärksten ausgewirkt hatte. Er erklärt auch, was im Falle eines Streiks allein an einem Tag droht: „Es kann zu einem Ausfall von bis zu 80 Tagestouren kommen.“
Markus Töpfer ist seit Februar 2021 AWS-Geschäftsführer. Foto: Max Kovalenko
Die 417 Mitarbeiter im Bereich der Abfallsammlung, denen 110 Fahrzeuge zur Verfügung stehen, leeren nach AWS-Angaben pro Tag etwa 30 000 Abfallsammelbehälter. Das entspreche circa 750 Tonnen Abfall oder Wertstoff. Zusätzlich kämen täglich etwa zwölf Tonnen Müll aus ungefähr 3000 öffentlichen Papierkörben dazu .
Abfall und Wertstoff blieben im Februar und März immer wieder liegen. Nach solchen Streiktagen beginnt dann die Aufholjagd – auch bei der Straßenreinigung, für die laut dem Betrieb weiteren 382 Mitarbeitern zusätzliche 150 Fahrzeuge zur Verfügung stehen. Doch das Ganze braucht seine Zeit.
So bald wie möglich wolle die Straßenreinigung die Arbeit nach einem Streik nachholen, berichtet Geschäftsführer Markus Töpfer und ergänzt: „Dabei wird besonderes Augenmerk auf besonders verschmutzte und stark frequentierte Bereiche gelegt.“
So geht die AWS im Streikfall vor
Bei der Abfallentsorgung setze die AWS auf die Mitnahme der aufgestauten Mehrmenge an Müll „an den nachfolgenden Abfuhrtagen“ – kostenfrei, „soweit es die verfügbaren Ressourcen erlauben“. Das könne nur mithilfe von arbeitsrechtlich zulässigen Überstunden bei den Mitarbeitern im Regelbetrieb erfolgen und sich – abhängig von der Anzahl und der Dauer der Streiks – „über mehrere Abfuhrrhythmen hinziehen“.
Zwei bis drei Rhythmen bedeuteten, dass der Müll vier bis sechs Wochen liegen bleiben könne. Bei Papier, Pappe und Kartonagen kann es laut der AWS auch neun Wochen dauern. Sondertouren, zusätzliche Arbeitstage oder externe Dienstleister sind laut der AWS im Streikfall keine Option. Einzelne Sonderfahrten seien möglich, sollten Personal und Fahrzeuge ausreichen.
In dieser Woche holen die Mitarbeiter laut der AWS nun noch die letzten Abfälle ab, die sich streikbedingt angestaut haben. Die Expressabholung von Sperrabfall sei seit Montag wieder verfügbar. Sie könne telefonisch (0711/ 21688700), per E-Mail (hallo-aws@stuttgart.de) oder auf der AWS-Homepage gegen eine Gebühr von 79 Euro bestellt werden.