Musical in Stuttgarter Liederhalle Pure Nostalgie: So war’s bei „Pretty Woman – das Musical“

Shanna Slaap als Vivian Ward und Mathias Edenborn als Edward Lewis Foto: Semmel Concerts Entertainment GmbH/Dominik Flohr

Der Kultfilm mit Julia Roberts und Richard Gere wird als Musical in der Stuttgarter Liederhalle aufgeführt. Kritik von einem Abend mit eingängigen Songs und einem Hauch von Hollywood.

Schon ein Blick ins Publikum des Hegel-Saals zeigt, welche Strahlkraft die Geschichte von Vivian Ward und Edward Lewis 35 Jahre nach dem Kinostart des Films „Pretty Woman“ noch besitzt. Alle Generationen sind vertreten.

 

Die Geschichte dürfte den meisten bekannt sein: Eine Prostituierte und der erfolgreiche Geschäftsmann Edward Lewis begegnen sich zufällig auf dem Hollywood Boulevard. Aus einem zunächst geschäftlichen Arrangement entwickelt sich eine Liebesgeschichte, die seit dem Kinostart des Films 1990 zu den bekanntesten romantischen Komödien der Popkultur zählt. Die Musicalfassung feierte 2018 ihre Weltpremiere in Chicago, die Musik stammt von Bryan Adams und seinem langjährigen Songwriting-Partner Jim Vallance.

Ein riesiger Schminktisch wird zum Zentrum von Hollywood

Optisch macht die Tourneeproduktion von Beginn an Eindruck. Das Bühnenbild setzt auf einen überdimensionalen Schminktisch, dessen Türen, Schubladen, Vorhänge und Treppenelemente immer wieder neue Räume entstehen lassen. Mal wird daraus die Lobby des luxuriösen Beverly Wilshire Hotels, dann wieder eine Straßenszene oder Vivians Apartment. Durch die verschiedenen Ebenen bleibt die Bühne ständig in Bewegung.

Das Bühnenbild erinnert an einen großen Schminktisch. Foto: Semmel Concerts Entertainment GmbH/Dominik Flohr

Regelmäßig brandet Applaus für die Kostüme auf, insbesondere bei Vivians zahlreichen Outfitwechseln. Das Design orientiert sich bewusst an der Ästhetik der 1980er- und frühen 1990er-Jahre, jener Zeit also, in der der Film entstand. Schulterpolster, kräftige Farben, elegante Abendgarderobe und glamouröse Business-Looks erinnern stellenweise an Serien wie „Denver-Clan“ oder „Miami Vice“.

Schulterpolster, Glamour und große Auftritte

Inhaltlich bleibt die Musicalfassung nah an ihrer Vorlage. Viele Szenen und Dialoge wurden nahezu unverändert übernommen. Das funktioniert vor allem deshalb, weil die Chemie zwischen den Hauptdarstellern stimmt. Shanna Slaap als Vivian Ward und Mathias Edenborn als Edward Lewis entwickeln besonders in der zweiten Hälfte des Abends eine spürbare Dynamik, die auch das Publikum mitreißt. Während Vivians Darstellung zu Beginn stellenweise etwas zu kindlich wirkt, gewinnt die Figur im Verlauf deutlich an Stärke.

Zu den heimlichen Stars des Abends zählt jedoch Kit De Luca, Vivians beste Freundin. Mit kraftvoller Stimme, rockiger Energie und beeindruckendem Stimmvolumen erhält sie einige der stärksten Reaktionen des Publikums. Auch Hotelmanager Barney Thompson avanciert mit seinem komödiantischen Timing schnell zum Publikumsliebling.

Das Publikum taut mit jeder Tanznummer weiter auf

Die Tanznummern tragen ihren Teil dazu bei, dass das Publikum nach anfänglich eher verhaltener Reaktion zunehmend auftaut und sich von der Energie auf der Bühne anstecken lässt. Besonders die großen Ensembleszenen sorgen für Schwung und Tempo.

Etwas überraschend: Die Musik des Films selbst bleibt vergleichsweise im Hintergrund. Der berühmte Roy-Orbison-Hit „Oh, Pretty Woman“ wird zunächst nur angedeutet und erklingt erst gegen Ende vollständig. Die übrigen Songs stammen aus der Feder von Bryan Adams und Jim Vallance, die für die Musicalfassung eine eigenständige Partitur geschrieben haben.

Standing Ovations für einen Abend voller Nostalgie

Nach dem Finale erhebt sich ein Großteil des Saals für Standing Ovations. „Pretty Woman – Das Musical“ mag das Rad nicht neu erfinden; die Produktion setzt auf Bewährtes und verlässt sich dabei auf die Strahlkraft ihrer Vorlage. Für einen unterhaltsamen Abend mit viel Herz, Glamour und einer ordentlichen Portion Hollywood-Nostalgie reicht das aber allemal.

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