Musikszene in Stuttgart Test-Rave auf dem Freibadparkplatz
Die Koordinierungsstelle Nachtleben sucht händeringend nach Freiflächen für die Jugendkultur. In Möhringen ist sie fündig geworden. Nun soll es eine Testveranstaltung geben.
Die Koordinierungsstelle Nachtleben sucht händeringend nach Freiflächen für die Jugendkultur. In Möhringen ist sie fündig geworden. Nun soll es eine Testveranstaltung geben.
Dass Flächen, auf denen kleinere Open-Air-Veranstaltungen stattfinden können, in Stuttgart extrem rar gesät sind, hat spätestens die Coronapandemie gezeigt. Die Koordinierungsstelle Nachtleben, angesiedelt bei der städtischen Wirtschaftsförderung und dem Pop-Büro der Region Stuttgart, hat deshalb in den vergangenen Monaten versucht, kommunale Freiflächen in der Stadt ausfindig zu machen, die möglichst niedrigschwellig und von der Off-Kultur- und Clubszene bespielt werden könnten. Dabei scheint der Parkplatz vor dem Möhringer Freibad das größte Potenzial haben.
Ob mit Livemusik oder mit Beschallung aus der Konserve – organisierte Partys und Open-Air-Veranstaltungen im Freien haben es nicht leicht in der Stadt. Für die Szene ist es extrem schwierig, geeignete Flächen zu finden, die sie genehmigungsrechtlich vor nicht allzu große Hürden stellt. Dass die Stadtverwaltung solche Flächen am besten präventiv bereithalten sollte, hatte die Fraktion der Grünen im Gemeinderat bereits im Jahr 2021 beantragt.
Seit rund zwei Jahren ist deshalb die Koordinierungsstelle Nachtleben der Wirtschaftsförderung gemeinsam mit einer ämterübergreifenden Arbeitsgruppe auf der Suche nach geeigneten Orten für Jugendkultur im Freien. Das Ziel des Projekts sei, zunächst sogenannte Musterbespielungskonzepte für Potenzialflächen zu erstellen, erklärte vor Kurzem im Bezirksbeirat Möhringen Andreas Topp von der Koordinierungsstelle Nachtleben der Stadt.
Die Idee dahinter ist von bestechender Logik: Nicht die jungen Veranstalter sollen künftig für ihre vielen kreativen Ideen aufwendig Orte und Flächen suchen müssen. Vielmehr sollten entsprechend geeignete Areale unter freiem Himmel, für die bereits genehmigungsrechtlich der Weg gebahnt ist, seitens der Stadt schon vorab definiert sein.
Wie Topp erklärte, wurden zunächst fünf vielversprechende Flächen in Zusammenarbeit mit einem Veranstaltungsdienstleister näher untersucht: Der Parkplatz am Fernsehturm, die Hall of Fame am Wasen in Cannstatt, die Leuze-Unterführung an der König-Karls-Brücke, eine Waldlichtung am Sophienbrunnen in Stuttgart-West sowie der Freibadparkplatz in Möhringen. Die letzten beiden wurden auf Grundlage dieser Untersuchungen als am geeignetsten bewertet, während das Urteil für die Hall of Fame und die Leuze-Unterführung bei genauerem Hinsehen negativ ausfiel.
In einem nächsten Schritt soll nun auf dem Parkplatz vor dem Freibad in Möhringen eine erste Probeveranstaltung stattfinden, „um Erfahrungen zu sammeln und Erkenntnisse auch für anderen Flächen zu gewinnen“, erklärte Topp. Geplant sei eine Tanzveranstaltung mit elektronischer Musik, bei der Stuttgarter Künstler und Liveacts auftreten. Die benötigte Infrastruktur für den Rave bilden neben einer Musikanlage eine Bar, Faltpavillons, Toiletten sowie diverse Dekorationselemente. Zu der Testveranstaltung, die in einem Zeitraum zwischen 14 und 22 Uhr stattfinden soll, werden 200 bis 350 Besucher erwartet.
Bisher wurde das Potenzial des Areals kaum ausgeschöpft. Die Fläche diente in der Vergangenheit nur als Parkplatz während der Freibadsaison und im Dezember dem Verkauf von Weihnachtsbäumen. Ansonsten: gähnende Leere.
Das könnte sich ändern, wenn die Auswertung des Pilotprojekts zeigen sollte, dass hier auch kleinere Musikevents durchgeführt werden könnten. „Es ist ein Test, den wir evaluieren und auswerten“, sagt Topp. „Erst wenn das positiv ausfällt, werden wir in einem nächsten Schritt überlegen, wie es weitergehen könnte.“
Anders als für den Parkplatz hatten die Genehmigungsbehörden der Stadt eine bereits im Juli angedachte Testveranstaltung auf der Waldlichtung am Sophienbrunnen nahe der Hasenbergsteige abgelehnt. Hier standen Naturschutzbelange der Musikveranstaltung entgegen, so Topp.
Ob der Parkplatz am Freibad tatsächlich in den kommenden Jahren der Jugendkultur als Veranstaltungsort zur Verfügung stehen kann, wird mutmaßlich auch davon abhängen, was passiert, wenn das Hallenbad in Sonnenberg wegen eines Neubaus oder einer Sanierung schließt. Entsprechende Überlegungen sahen zuletzt vor, dass auf dem Parkplatz in Möhringen dann ein Interimshallenbad errichtet werden könnte.