Beim Aufräumen unter einem Steg in Filderstadt werden Leichenteile gefunden. Die Anwohner hatten den Gestank offenbar schon länger wahrgenommen.
Nach dem Leichenfund in einem Koffer unter einem Fußgängersteg im Wohngebiet Bonlanden-Nord berichten Anwohner davon, dass es dort – unweit eines Kinderspielplatzes – schon seit Wochen penetrant gerochen habe. Ihre beiden Hunde, die Chihuahuas Bella und Gismo, hätten schon seit mindestens zwei oder drei Wochen immer sehr aufgeregt geschnüffelt, wenn sie über den Steg gelaufen seien, berichtet Petra Hanke am Freitag. Dann habe sie es auch gerochen. Die 62-jährige Angestellte wohnt nur zwei Häuser entfernt von dem Steg. „Es stank süßlich und sehr unangenehm“, sagt Hanke.
Ihr Nachbar Gregor Bauernfeind hat den Geruch immer noch ein wenig in der Nase, wenn er auf dem Steg steht. Dabei habe er ihn zunächst gar nicht wahrgenommen. Allerdings sei schon vor drei oder vier Wochen eine Frau zu ihm gekommen und habe über den Gestank geklagt. „Ich war gerade am Hecke schneiden.“ Zu diesem Zeitpunkt hätten unter dem fünf Meter langen Holzsteg, der eine kleine naturierte Fläche in dem Wohngebiet überbrückt, bereits gut sichtbar mehrere schwarze Müllsäcke gelegen.
Ein großer Knochen in einem schwarzen Koffer
„Die Frau meinte, man soll die Stadt darüber informieren. Ob sie es getan hat, weiß ich nicht“, sagt der 71-jährige Rentner. Tatsächlich kam der Filderstädter Bauhof erst am Donnerstagvormittag, um die Säcke weg zu räumen. Die Männer hätten sie auf ihren Pritschenwagen geladen. Dann seien sie auf den großen schwarzen Stoffkoffer gestoßen. Weil der Gestank offenbar auf ihn zurückging, hätten sie ihn geöffnet und seien auf die Leichenreste gestoßen, erzählt Petra Hanke, die auch am Donnerstag mit ihren Hunden dort unterwegs war.
Sie habe einen großen langen Knochen gesehen und zunächst an die Überreste eines Tiers gedacht. Es könnte allerdings auch ein menschlicher Ober- oder Unterschenkelknochen gewesen sein. Dann habe der Bauhofmitarbeiter gesagt: „Jetzt muss ich die Polizei rufen.“ Eine Stunde später sei dann ein Großaufgebot zwischen den Einfamilienhäusern und Wohnblöcken eingetroffen und habe das Gebiet abgesperrt.
Eine Drohne fliegt über das Gelände
Am Freitagmorgen sind nur noch einige Zivilbeamte des Landeskriminalamts unterwegs. Mit einer Drohne machen sie Luftaufnahmen. Auf dem sonst stark frequentierten Spielplatz herrscht Ruhe. „Wir hatten das gar nicht mitbekommen“, sagt eine junge ortsunkundige Mutter.
Gregor Bauernfeind macht sich derweil wieder an seine Hecke. Doch es ist ihm immer noch ein wenig mulmig zumute. „Meine Frau hatte gestern Geburtstag, und dann wird acht Meter von unserem Grundstück entfernt so etwas gefunden“, sagt der Rentner. „Meine Frau findet das gruselig.“ Petra Hanke gibt sich hingegen unerschrocken. „Ich gehe hier auch morgens um halb fünf Gassi.“ Das werde sie auch weiterhin so halten. „Ich bin da vielleicht ein wenig anders.“