Nach Absagen in anderen Städten Teurer Budenzauber – wie steht es um den Stuttgarter Weihnachtsmarkt?

Der Stuttgarter Weihnachtsmarkt finanziert sich ausschließlich über die Standgebühren. Foto: IMAGO/Arnulf Hettrich

In mehreren Städten stehen Weihnachtsmärkte wegen hoher Sicherheitskosten vor dem Aus – in Overath ist bereits Schluss. Droht in Stuttgart ein ähnliches Schicksal?

Digital Desk: Jonas Schöll (jo)

In Stuttgart laufen die Vorbereitungen für den Weihnachtsmarkt – während andernorts bereits abgesagt wird. In Overath in Nordrhein-Westfalen fällt der Markt aus, weil Absperrungen, Barrieren und Sicherheitsdienst zu teuer gewesen wären. In Stuttgart stellt sich daher die Frage: Droht ein ähnliches Szenario – oder bleibt der Budenzauber im Kessel sicher?

 

Droht ein Weihnachtsmarkt-Aus in Stuttgart?

Veranstalterin des Stuttgarter Weihnachtsmarkts ist die städtische Gesellschaft in.Stuttgart. Auf die konkreten Gesamtkosten des Marktes – aktuell oder in den vergangenen Jahren – will Sprecherin Stefanie Hirrle nicht eingehen. „Hierzu machen wir keine Angaben“, heißt es.

Die Kosten für die Sicherheit des Weihnachtsmarktes trägt die Stadt Stuttgart – doch auch hier gibt es keine Antworten. Klar ist immerhin, wie der Markt grundsätzlich finanziert wird: „Die in.Stuttgart erhält für den Weihnachtsmarkt keine Zuschüsse. Der Stuttgarter Weihnachtsmarkt finanziert sich ausschließlich über die Standgebühren“, sagt die in.Stuttgart.-Sprecherin.

Was die Budenbesitzer zahlen

Für Schausteller, Kunsthandwerkerinnen und Gastronomen sind diese Standgebühren entscheidend. in.Stuttgart wird hier konkreter als bei den Gesamtkosten. Demnach „belaufen sich die Standgebühren auf Beträge zwischen 97 Euro und 594 Euro pro Quadratmeter“.

Der Stuttgarter Weihnachtsmarkt beginnt am 26. November 2025 und dauert bis zum 23. Dezember 2025. Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Stände mit etwa Deko-Artikeln zahlen geringere Gebühren, Gastrostände höhere. „Ein Großteil der Stände bezahlt einen Quadratmeterpreis von 105 Euro“, teilt die Gesellschaft mit. Je nach Größe der Hütte kommen so schnell hohe vier- oder fünfstellige Beträge zusammen – bevor Wareneinkauf, Personal und Energie bezahlt sind.

GEMA: Sondertarif bringt Entlastung

Immerhin: Ab der Saison 2025 gilt bundesweit ein neuer GEMA-Sondertarif, der die Gebühren für öffentliche Musiknutzung über vier Jahre um 35 Prozent senken soll. Für Stuttgart ist das ein kleiner Lichtblick. Die Konzerte fänden „ausschließlich im Innenhof des Alten Schlosses“ statt. „Durch diese begrenzte Fläche waren die GEMA-Kosten bisher immer überschaubar. Mit dem Sondertarif werden die GEMA-Kosten nun zusätzlich etwas reduziert.“ Wie hoch die Ersparnis genau ist, bleibt offen.

Sicherheitskosten: Stadt zahlt

Die Landeshauptstadt verweist auf ein Sicherheitskonzept für zentrale Veranstaltungsflächen in der Innenstadt und im Neckar Park. Seit dem Anschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz 2016 sei es entwickelt, geprüft und an die „erhöhte, abstrakte Gefährdungslage“ angepasst worden.

Derzeit besprechen das Amt für öffentliche Ordnung, das Tiefbauamt sowie in.Stuttgart gemeinsam mit Polizei und Feuerwehr, „ob das vorhandene Schutzkonzept für den Weihnachtsmarkt 2025 noch punktuell aktualisiert werden soll“.

Zu Details einzelner Maßnahmen gibt es aus Sicherheitsgründen keine Angaben. Die Stadt betont jedoch, die Investitionen der vergangenen Jahre zahlten sich nun aus; auf einzelne Veranstaltungen lasse sich das nicht herunterrechnen.

Veranstalter: „Wir gehen nicht von einer Absage aus“

Und droht nun ein Overath-Szenario? in.Stuttgart widerspricht eindeutig. Wörtlich heißt es: „Wir gehen nicht davon aus, dass es in Stuttgart ein Szenario wie in Overath geben wird. Da wir einer der größten Weihnachtsmärkte Europas sind, gehen wir nicht von einer Absage aus.“ Mehr Einblick, wie eng die Finanzierung tatsächlich ist, geben die Verantwortlichen allerdings nicht.

Neben dem traditionellen Weihnachtsmarkt hat sich in Stuttgart ein weiteres Winter-Highlight etabliert: der Punschwald. Ab der Saison 2025/26 gibt es zwei Standorte – am Feuersee und neu am Mailänder Platz beim Milaneo.

Der Punschwald hat sich in Stuttgart etabliert. Foto: Ferdinando Iannone

Zwischen „hunderten echten Tannen, beheizten Sitzgruppen und stimmungsvollen Lichtern“ können Besucherinnen und Besucher sich dort auf mehr als 15 Punsch-Kreationen, Glühwein, Kakao, Feuerzangenbowle, freuen und Speisen – vom frisch geschabten Raclette bis zu süßen Snacks.

Beheizte Sitzkrippen gehen ans Geld

Die Betreiberfirma Hillsons GmbH bestätigt, dass die Kosten auch hier deutlich gestiegen sind – nennt aber keine Summen: „Die Aufwände sind relativ hoch, eine genaue Zahl möchten wir nicht kommunizieren. Eine kontinuierliche Auslastung ist notwendig, um die entstehenden Kosten zu decken“, sagt Unternehmenssprecherin Nina Hillengass.

Hauptkostenblöcke seien Personal und Energie. Hinzu kommen Tannenbäume und Hackschnitzel, durch die man jedoch „die Verweildauer der Gäste deutlich steigern und somit neutralisieren“ könne.

Die Verantwortlichen vom Punschwald blicken zuversichtlich in die Zukunft. Foto: Ferdinando Iannone

Im Unterschied zum städtischen Weihnachtsmarkt trägt der Punschwald seine Kosten komplett selbst: „Es gibt keinerlei Zuschüsse oder Beteiligungen der Stadt oder anderer Institutionen. Die Kosten trägt ausschließlich unsere Firma. Es fallen jedoch Gebühren für Konzession und Platzmiete bei der Stadt an“, sagt Hillsons-Sprecherin Hillengass.

Punschwald: Besucher sind anspruchsvoller geworden

Trotz hoher Aufwände blickt das Unternehmen zuversichtlich in die Zukunft. Das Konzept mit beheizten Sitzkrippen, atmosphärischer Stimmung durch hunderte Tannen und wärmenden Holzhackschnitzeln sei bei der Kundschaft gefragt, viele Firmen nutzten den Punschwald für Weihnachtsfeiern.

Gleichzeitig habe sich das Publikum verändert: „Die Besucher:innen sind definitiv anspruchsvoller geworden. Um diesen Ansprüchen zu genügen und wettbewerbsfähig zu bleiben, muss deutlich mehr geboten werden.“

Für den Punschwald jedenfalls sieht Hillsons „aktuell positiv auf die kommenden Jahre“ – und auch der Stuttgarter Weihnachtsmarkt soll nach aktuellem Stand weiter stattfinden, trotz steigender Kosten und mancher offenen Zahl.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Stuttgart Weihnachtsmarkt Video